Wegweiser durch diesen Blog

Tagebuchseiten:

Hier sind meine Reflexionen über Ereignisse und Begegnungen im Alltag ebenso zu finden, wie meine Gedanken über „Gott und die Welt“ – in loser Folge, ohne Ordnung …

(Mit Beginn des Jahres 2017 erscheinen einige meiner Tagebuchseiten als Selbstgespräche . Grund dafür ist eine umfassendere Idee, die ich schon lange in mir trage. Vielleicht entsteht aus den entsprechenden Texten irgendwann ein Weg, der zu ihrer Realisierung durch mich führt. Vielleicht …)

Sentenzen:

Nachdenkliches zu Themen, die mich immer wieder und nachhaltiger bewegen und beschäftigen, die in meinem und für mein Leben zumeist eine wichtigere Rolle spielen.

Verse:

Einige meiner Versuche, Gedanken, Eindrücke, Reflexionen und Ansichten in lyrischer Form zu verarbeiten.

Gedanken zu Aphorismen:

Was immer ich auch lese, ich spüre darin aus meiner Sicht interessante Sinnsprüche auf. Einige von denen, die mich besonders inspirieren, zum Nachdenken anregen, meinen Widerspruch herausfordern, bespreche, diskutiere ich hier.

Zwischenstopps:

Texte, über die ich „gestolpert“ bin, darunter Merkwürdiges, Skurriles, Witziges, Unglaubliches – manchmal mit kurzen Kommentaren von mir versehen. (mitunter auch Musiken, mit denen ich mir einen Zwischenstopp genehmige …)

Sammelsurium:

Hier finden sich von mir verfasste, kleine Rezensionen zu Büchern, die ich gelesen habe, eigene Gedanken in Aphorismenform, die ich zur Diskussion stelle, und Sonstiges, was mir mitteilenswert erscheint.

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Tagebuchseite -733-

Morgenwindgedankenreise

Ich sitze hier allein vor meiner Tastatur. Die Familie schläft noch. Das passiert öfter an den Wochenendtagen. Vor allem jetzt in der helleren Jahreszeit. Ich werde früh wach, kann nicht mehr einschlafen. Es dauert dann meist nicht lange, und ich möchte irgendetwas tun. Also stehe ich auf.

Und bin diesmal nun wieder hier gelandet, tippe in die Tasten, schaue auf den Bildschirm. Und Bilder gewordene Gedanken ziehen durch meinen Kopf. Sie sind es erst eben geworden und sind erst beim Erwachen entstanden.

*

Als ich heute früh die Augen öffne, spüre ich, dass etwas anders war als an den letzten, den gerade vergangenen Tagen. Durch das gekippte Schlafzimmer dringt einmal an- und dann wieder abschwellendes Rauschen an meine Ohren. Sonst nichts. Ich bemerke schon bald, dass es sich dabei um das Rauschen handelt, das in seiner Stärke und Intensität wechselnder Wind in den belaubten Baumkronen der Bäume auslöst und anhalten lässt, wenn er es denn will.

So wie sich das Rauschen heute früh anhört, mag ich es. Es klingt so, als würden sich die Blätter miteinander unterhalten. Mal lauter, mal leiser.

Aber meine Freude darüber währt heute nicht lange. Meine Gedanken gleiten schnell in andere Richtungen ab. Melancholische. Seltsame, wie manch Außenstehender sie wohl empfinden würde. Mir fällt auf, dass ich heute nur das Rauschen höre. Aber keinen einzigen zwitschernden oder singenden Vogel, wie an all den anderen Tagen der letzten Wochen.

Und ich sinniere über den Wind nach.

Wenn er nun plötzlich ganz abflauen würde, dann wäre es mit einem Male ganz und gar still. So als, wenn die Blätter ihre Sprache verloren hätten. Können Blätter auch still miteinander reden? Ich wünsche mir, dass die Fähigkeit des still miteinander Redens, allem was lebt, gegeben wäre. Weil es für Leben so wichtig ist, das da jemand ist. Jemand der zuhört, der redet, der bestenfalls versteht.

Ich rede oft still mit Menschen. Vor allem mit solchen, die gerade nicht da sind, die ich sonst nicht (mehr) erreichen kann. Und oft versuche ich mir dann vorzustellen, dass und wie sie mir antworten (würden). Und suche Halt und Verstehen und Trost darin. Und ich wünsche mir, dass sie mich ihrerseits hören können, dass meine Worte sie erreichen, dass sie ihnen Hilfe sind und Trost und ihnen das Empfinden von Verstehen schenken.

Ein bisschen traurig sind und bleiben diese Dialoge freilich immer. Das ist wohl so, weil ich der eigenen Vorstellung doch immer wieder nicht ganz zu trauen vermag. Und weil da „die äußeren Dinge“ sind, die, auf die ich keinen Einfluss habe, die aber ihrerseits stark sind darin, zu beeinflussen.

Mir fällt in diesem Zusammenhang wieder der Wind der Frühe heute ein. Wie unterschiedlich intensiv er die Blätter miteinander sprechen ließ. Ich denke daran, wie er mich zu streicheln vermag, wenn er lau und sacht ist und wie er mich im Winter als schneidende Kälte beißt. Wie er mich ganz verstummen und taub für alles andere werden lässt, wenn er mit brausender Stärke vom Meer her weht. Wie er mir Angst macht, wenn er zum Orkan wird.

Wie oft ist es so, dass „Äußeres“ uns taub oder stumm oder gar beides werden lässt? Warum vermögen wir uns manchmal nicht dagegen zu wehren, warum gelingt das einigen von uns noch weniger als den anderen?

Im Grunde weiß ich die Antworten auf diese Fragen. Sie sind mir selbst oft gestellt worden, und ich habe sie mir selbst gestellt. Und ich habe mit der Zeit gelernt Antworten zu finden, die so ganz schlüssig, so ganz logisch klingen. Und ich höre jene Stimmen, die sagen: Nun also nimm‘ sie endlich an, diese Antworten, lebe mit ihnen! Sie sind die Definition dessen, was Leben ist. Egal wie du dich verhältst, Du änderst sie nicht.

Ich weiß inzwischen, dass das so ist, dass das wahr ist. Und kann es doch nicht an jedem Tage gleichermaßen akzeptieren und annehmen.

Heute kann ich es gar nicht gut.

Ich wünsche mir, dass meine stillen Gespräche nicht umsonst sind für jene Menschen, mit denen ich so spreche, weil es anders (gerade) nicht geht. Ich wünsche mir, dass das Äußere nicht zu stark ist und bleibt.

Das Rauschen der Blätter draußen wird für einen kleinen Moment ein wenig leiser. Und just da höre ich ein Spätzlein tschilpen.

Er ahnt nicht, wie sehr, wie innig ich ihn augenblicklich dafür liebe, der federweiche, kleine Geselle.

***

Das Lied hier ist eins von denen, die mir aus dem Herzen geschrieben sind … :

Passenger – „Why can’t I change“

Gedanken zu Aphorismen -23-

Weit über ein Jahr, so habe ich überrascht festgestellt, ist es her, dass ich in meinem Tagebuch einen Aphorismus besprochen habe.  Gestern bein Blättern in meiner entsprechenden Sammlung habe ich einen entdeckt, der mich nicht mehr losließ.  Und so schrieb ich schließlich. Dies hier ist das Ergebnis, vielleicht eines das Zustimmung findet, vielleicht eines, das zum Widerspruch herausfordert oder zum Fragen zum Weiterdenken. Egal, wenn es nur Anregung ist …

*

„Bevor die Schönheit endgültig aus der Welt verschwindet, wird sie noch eine Zeitlang aus Irrtum existieren. Die Schönheit aus Irrtum, das ist die letzte Phase der Geschichte der Schönheit.“ – Milan Kundera in: „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“

Ich habe diesen Gedanken gelesen. Und dann konnte ich gar nicht anders, als innezuhalten und selbst ganz nachdenklich zu werden. Was für Worte: „die Schönheit verschwindet“, „Schönheit aus Irrtum“, „letzte Phase der Geschichte der Schönheit“!

Schon nach wenigen Augenblicken des Sinnierens formten sich in mir Fragen aus diesen Worten. Schönheit mag vergänglich sein, aber kann sie gänzlich verschwinden? Wie kann das gemeint sein? Was ist „Schönheit aus Irrtum“, wie weit ist unsere Vorstellung davon bzw. ihre Wirklichkeit schon gediehen? Wann beginnt die „letzte Phase der Schönheit“? Befinden wir uns vielleicht schon mittendrin? Und ganz grundsätzlich: Ist der Gedanke da oben nicht allzu fatalistisch?

Was Menschen als schön empfinden, was sie unter Schönheit verstehen, kann sehr unterschiedlich sein. Und zwischen dem, was manche als „schön“ oder „Schönheit“ definieren und dem, was sie dann im Sinne von „schön“ leben bzw. tatsächlich als „Schönheit“ sehen und annehmen, liegen bisweilen erhebliche Unterschiede.

Die Formulierung von der „Schönheit als Irrtum“ unterstellt meiner Ansicht nach, dass das Verständnis von Schönheit nicht nur kein „einheitliches“ ist, sondern in gesellschaftlichem Zusammenhang betrachtet, einem Wandel unterliegt. Einem Wandel, der an die Entwicklung, die generelle Entwicklungsrichtung des Menschen im Sinne von „Menschheit“ gebunden ist.

Die Entwicklung der Menschheit, die Richtung von „Fortschritt“, wird wesentlich durch die Bedürfnisentwicklung angetrieben. Entwicklung von Bedürfnissen aber, geschieht längst nicht mehr hauptsächlich aus sich selbst, also aus dem Menschen selbst heraus, sondern ist mittlerweile eine Angelegenheit, die teilweise sehr bewusst und sehr gezielt gesteuert wird. Von einem Teil von Menschen, die mächtig sind und davon ausgehend spezifische Interessen verfolgen (können), die wiederum viel mit vor allem der Erlangung materieller Vorteile, materiellen Reichtums bzw. deren Bewahrung und Mehrung zu tun haben.

Wird uns nicht alltäglich suggeriert, wie ein „schönes“ Leben ausschaut? Welche Kleidung uns „schön“ macht, welche Kosmetikartikel unser Gesicht ein „schönes“ sein lassen? Dass bzw. welche Diät uns zu einem „schönen“ Körper verhilft? Welche Lebensqualität insgesamt erstrebenswert, weil „schön“ ist? Welches Auto dazugehört, welches Smartphone, welches Eigenheim mit welcher technischen Ausstattung? Dass es „schön“ ist unbegrenzte Freiheit zu genießen und, dass dazu gehört, sich so viel wie möglich von dem leisten zu können, was einen „dazugehören“ lässt zur „Gesellschaft“, mindestens aber zu diesem oder jenem Milieu.

Diese Bedürfnissteuerung bekennt sich jedoch nicht dazu, im Mindesten AUCH Suggestion zu sein. Sie verschweigt (bewusst), dass die von ihr beförderten Richtungen der Bedürfnisentwicklung auch Kehrseiten haben, ja sogar Schaden bedingen können und bedingen. Schaden gar, der schlussendlich irreparabel werden kann. Und lenkt mithin davon ab, dass das menschliche Streben nach Schönem, nach Schönheit, zu einem Irrtum werden kann. Einem großen, einem folgenschweren, einem, der vielleicht tatsächlich letztlich nicht mehr zu korrigieren sein wird.

Schönheit aus Irrtum kann so tatsächlich zur letzten Phase der Geschichte der Schönheit werden.

Die Zerstörung der Ozonschicht der Erde, das Schmelzen der Polkappen, das Aussterben von immer mehr Tier- und Pflanzenarten, die Verslummung von Städten, die zunehmende Verrohung von Menschen, der abnehmende Respekt untereinander, die wachsende Gier auf der einen, die sich verschlimmernde Armut auf der anderen Seite, die Auswirkungen der nicht weniger werdenden Kriege, das Heucheln und Lügen im Sinne immer weiteren „Wachstuns“, immer fortschreitender Profitmaximierung und vor allem die damit einhergehenden Folgen, das alles sind längst nicht alle Indizien dafür, dass die Geschichte der Schönheit womöglich bereits in ihre letzte Phase eingetreten ist. Womöglich, vielleicht, hoffentlich noch nicht unumkehrbar.

Schönheit ist nicht absolut, ebenso wenig wie Wahrheit und Freiheit. Weil Schönheit letztlich nur in der Realität existiert. Und so lange auch Menschen Realität sind, ist Schönheit, die Existenz von Schönheit, das, was als schön angesehen wird, an den Menschen gebunden. So wenig vollkommen wie der Mensch selbst.

Das ist nicht wirklich tragisch. So wenig tragisch, wie die Tatsache , dass Schönheit naturgegeben vergänglich ist. Weil DIESES Vergehen kein endgültiges ist, weil es neu Gebären einschließt. Der Wechsel der Jahreszeiten ist dafür ein sehr illustrierendes Beispiel. Die Tragik beginnt dort, wo der Mensch aufhört, menschlich, im ureigenen Sinne HUMAN, zu denken und zu handeln, denn damit wird Schönheit nicht nur vergänglich, damit kann sie tatsächlich VERGANGENHEIT werden, ENDEN!

Ich schreibe bewusst „kann“. Ich bin kein Prophet und will auch keiner sein. Und auch nicht fatalistisch. Das Ende der Geschichte der Schönheit wäre kein Schicksal.

Aber wie lässt sich die offensichtlich längst begonnen habende Phase der Schönheit als Irrtum noch aufhalten, besser noch, wieder umkehren?

Mir fällt da wenig ein. Ich denke immerzu an eine Art „moralischen Imperativ“, eine Art ethischen Befehl. Entsprechende Gebote werden ja seit langem schon weggeschoben und ignoriert. Es braucht da also offensichtlich mehr als Gebote. Aber selbst die an der Tagesordnung seienden Natur- und Menschheitskatastrophen, die längst Befehlsklang haben und hinterlassen, führen nicht zur Besinnung, nicht zum Einhalten.

Auch mich haben Befehle immer abgeschreckt, ich mochte sie nicht. Und ich weiß, dass viele Befehle auch einfach belächelt werden, dass es nicht gewollt ist, dass sie etwas bewirken, weil sie als Einschränkung freien Denken und Handelns gesehen werden.

Die Menschheit, die einzelnen Glieder, die sie ausmachen aber, können nicht absolut frei existieren. Diesem Streben liegt derselbe Irrtum (sic!) zugrunde wie dem Streben nach immer vollkommener, letztlich absoluter, Schönheit. Das eine wie das andere ist Suggestion, ist Wunschvorstellung, die nie eintreten darf und nie eintreten wird. Und sei es um den Preis, dass die Geschichte der Schönheit auf der Erde eines Tages wirklich enden wird.

Ich wage die These: Die Anerkennung eines moralischen Imperativs, eines ethischen Befehls, ist zwingend NOTWENDIG. Vielleicht tatsächlich am ehesten so, wie ihn aufrichtig gläubige Menschen formulieren: „Bewahre die Schöpfung, bewahre die Erde, lebe Liebe!“ und dafür, für dieses „Gottesgebot“, so oft belächelt werden, wie überhaupt Glauben belächelt wird. Aber fortlaufend wird doch immer RECHT gesprochen über dieses Gebot, diesen Befehlt. Das letzte Mal wahrhaft, aber hoffentlich nie, durch das „Jüngste Gericht“, das ich WELTGEWISSEN nenne.

Die Gedanken von Kundera sind ungeheuer wichtig …

***

Ein schönes Lied über eine schöne Liebe, über die Frage des Innehaltens, des Weitermachens und der Hoffnung. – Ich habe es erst vor wenigen Tagen entdeckt:

The Head and the Heart – „Another Story“

Tagebuchseite -732-

Was wohl nicht sein dürfen soll

Nichts ist für die Ewigkeit. Gar nichts. Am allerwenigsten ein Job.

Es gab Zeiten in meinem Leben, da klangen diese Sätze wie eine Lüge und für viele Menschen, die dort, wo ich aufgewachsen bin, erzogen und sozialisiert wurde, waren sie das auch bzw. wären es geblieben, wenn es nicht das Jahr 1989 gegeben hätte.

Jetzt sind diese Sätze so wahr, wie die Realität wahr ist, und die Realität seit 1989 kennt keine Beständigkeit mehr. Alles ist nur noch Veränderung. Werte in dieser Realität sind so relativ wie nur irgendwas. Für ein „gutes Geld“ werden sie im Zweifel ganz schnell preisgegeben.

Veränderung sei gut und wichtig, höre ich immer wieder, und das, was ich mit Beständigkeit in früheren Zeiten, vor allem jenen von vor 1989 in jenem Land, in dem ich geboren wurde, verbinde, solle ich doch stets kritisch hinterfragen. Dann käme ich drauf, dass sie doch letztlich nur Stagnation gewesen sei.

So sehe ich es aber bei allem nostalgiefreien Nachdenken über jene Vergangenheit nicht. Genauso wenig, wie ich bejahen mag, dass Veränderung immer „gut“ sei. Für mich kommt es auf den jeweiligen Gesamtzusammenhang an. Und ich habe gelernt, dass der in sich stets ein differenzierter ist. Das gilt für „früher“ ebenso wie heute.

Gestern erfuhr ich, dass sich wieder etwas verändern wird. Von einer Stelle, die Geldgeber ist. Von der die Arbeit, die ich tue also abhängig ist und deren Aussagen demzufolge sehr ernst zu nehmen sind. – Ja und von dort hieß es nun also, dass es jenes Projekt, in dem ich nach all meinen Krankheits- und daraus folgenden beruflichen Wirren der letzten Jahre gerade etwas heimisch geworden bin, ab 2020 bzw. 2021 so nicht mehr geben wird. „So nicht mehr geben wird“, heißt: Es wird nicht mehr finanziert werden.

Einen Tag zuvor hatten wir Besuch von einer Gruppe Bildungsurlauber aus Niedersachsen. Das Projekt wurde vorgestellt. Die Reaktionen lagen zwischen Faszination, Begeisterung, Anerkennung und Ungläubigkeit. Anerkennung und Ungläubigkeit vor allem mit Blick darauf, was und wie viel und in welcher Qualität mit so wenigen zur Verfügung stehenden Ressourcen geleistet wird. Und es wurde immer wieder davon gesprochen, wie wertvoll und wichtig diese Arbeit sei. Und das sie, das Projekt, Schule machen sollte.

Was für eine Ironie!

Es gibt eine wissenschaftliche Evaluation des Projekts und es gibt Aussagen und Voten der Schulen deren Schüler durch unser Projekt betreut werden. Die alle dasselbe sagen …

Egal.

Das Projekt „wird es so nicht mehr geben“. Weil es letztlich „aufgesattelt“ sei, auf etwas, das nicht Regelleistung, das nicht Pflichtaufgabe sei. DAS wolle man irgendwie schon erhalten, auch angesichts der wegfallenden EU-Gelder, aber unser Projekt falle da so nicht drunter …

Ich erinnere mich an weitere Wortfetzen: „Ein Brainstorming machen“, „Versuchen, andere Wege zu gehen“.

Ich habe gelernt, dass man „trotz allem“ immer optimistisch in die Zukunft sehen soll. Und versuche also, bislang jedoch erfolglos, jene Wortfetzen nicht bloß als freundlich zweckoptimistisch verkleidete Abschiedsdurchhalteparolen aufzufassen.

Die Arbeit, die ich gerade tue, tue ich trotz manchem Ungemach, manchem was auch darin, damit, vor allem „menschengemacht“ nicht stimmig ist, recht gern. Das Unstimmige versuche ich „wegzuatmen“ – das ist eine Übung, die noch sehr neu und ungewohnt für mich ist, in die meine Lieblingskollegin mich eingewiesen hat und die mir immerhin phasenweise gelingt.

Dass mir eine Arbeit soweit Freude gemacht hat, wie die jetzige ist schon sehr lange her …

In spätestens zwei, drei Jahren, werde ich sie nicht mehr ausüben, werde mich dann bzw. bis dahin schon wieder VERÄNDERN müssen. Dann wenn ich ein Lebensalter erreicht haben werde, in der halbwegs gutsituierte Zeitgenoss*innen gleichen Alters vorzeitige Renteneintritte unmittelbar in Erwägung ziehen.

Es war in Zusammenhang mit meiner Erkrankung soo schwer für mich, beruflich noch einmal Fuß zu fassen. Ich bin dabei mehrfach an und über meine Grenzen gegangen. Habe sie schließlich anerkennen müssen und dafür in eigener Entscheidung Einschränkungen und Einbußen akzeptiert.

Hatte mich darin und mit der Arbeit, die ich nun tue, gerade begonnen, mich innerlich ein bisschen zu stabilisieren. Erstmals nach so vielen, langen Jahren …

Gestern, das war wie ein Trigger.

In mir hat es seitdem begonnen zu schwanken. Und es schwankt immer mehr.

Nichts ist für die Ewigkeit, manches nicht einmal für eine ganz kleine.

Es soll wohl einfach nicht sein dürfen.

***

Mazzy Star – „Blue Light“

Tagebuchseite -731-

Die Erde (ver)brennt auch im Nordosten

Das Wetter ist zweifellos ein Thema über das man immer scheiben könnte. Und seit einigen Jahren ist es ja doch nahezu beständig präsent auch in aller Munde. Stichwort Klimawandel.

Meinerseits halte ich mich da eher ein bisschen zurück.

Ich mag mich nicht an den, den Temperatur- und/oder Niederschlagswellen folgenden Hysterieausbrüchen gewisser Medien beteiligen, während der obendrein so unsinnige Eindrücke erweckt werden, als hätten es ausgerechnet jene, die in Büros arbeiten, am schwersten die jeweiligen Extremtemperaturen zu überstehen. Die Tendenz einer allgemeinen und globalen Erwärmung hingegen leugne ich nicht. Und die schon heute wahrnehmbaren und in der Zukunft weiter möglichen Folgen bereiten mir Sorge. Dazu benötige ich nicht erst die unmittelbare Erfahrung eigenen Erlebens von Wettererscheinungen, die einstmals durchgängig als Extreme gegolten hätten, heutzutage aber immer mehr zur „Normalität“ gehören.

Augenblicklich erlebe ich hier an meinem Wohnort allerdings eine Situation, die ich schon für recht extrem halte, zumal sie so für die Region hier nach meinem Wissen tatsächlich bislang sehr untypisch gewesen ist: Es regnet nicht mehr. Seit vielen Wochen schon nicht. Nicht einen einzigen Tropfen.

Während sich andernorts immer wieder einmal Gewitter mit wohl teilweise erheblichen Niederschlagsmengen austoben, zieht an der Region hier immerfort alles ein Stückchen südöstlich vorbei. So hat sich bis heute noch jede, meist freilich ohnehin schon vage, Ankündigung von Niederschlag in all der Zeit in Wohlgefallen aufgelöst. Auch übers vergangene Wochenende. Es hat wieder nicht ein einziges Tröpflein geregnet. Für die nächsten Tage gilt es nun sogar als sicher, dass erst mal weiter kein Niederschlag in Sicht ist.

Entsprechend sieht es in der Natur hier aus.

In den Wohngebieten findet sich mittlerweile tatsächlich kein einziger Flecken grünen Rasens mehr. Alles ist verbrannt. Die Halme ragen wie fahl gewordenes Heu aus dem Boden, gelbbraun. Manche Stellen sehen schon regelrecht versteppt aus, das Gras beginnt völlig zu verschwinden. Aberwitzig, dass nach wie vor und unerschrocken Mähkommandos von den Wohnungsvermietern ausgesandt werden …

Die Landwirtschaft leidet unermesslich. Nachdem es zunächst monatelang so ergiebigen Niederschlag gegeben hatte, dass die Äcker, weil große Flächen entweder tief durchgeweicht oder sogar überschwemmt gewesen, teilweise nicht bestellt werden konnten, lässt die nun anhaltende Trockenheit die Gerste notreif werden. Am Raps haben sich die Hälfte aller Schoten gar nicht erst ausgebildet. Die Bauern sind hilflos, es wird mit einer der schlechtesten Ernten überhaupt gerechnet.

Es beginnt nun die Zeit, da hier weitere Szenarien die Runde zu machen beginnen. Ich möchte Spekulationen weder Raum geben, noch mich daran beteiligen. Allerdings kann ich nachvollziehen, dass die Blicke etwa zu den Vögeln in der Region, zu den Fischen usw. allmählich banger werden, zumal Vorkehrungen zu treffen mutmaßlich gar nicht möglich ist. Beunruhigung ist da.

Im Verhältnis zu anderen Gegenden auf unserer Erde ist das hier in diesem kleinen Landesteil gerade spürbare (noch) außergewöhnliche Wettergebahren eine Kleinigkeit. Und so belastend und beunruhigend die nun schon so lange anhaltende Trockenheit auch ist, so bedroht sie doch die Existenz keines einzigen Menschen hier. Anderswo sieht das ganz anders aus …

Nicht nur deshalb macht mich der hier nun schon so lange ausbleibende Niederschlag freilich mit jedem Tag nachdenklicher. Und meine Gedanken gelangen ziemlich schnell zu vielen der ganz großen Fragen, die unsere Welt betreffen, und die doch immer und immer wieder bestenfalls unzureichend beantwortet, wenn nicht sogar und teilweise wohl gar bewusst ganz ignoriert werden.

***

Es ist noch gar nicht lange her, dass ich hier ein Lied des Ende April nach schwerer Krankheit verstorbenen DDR-Liedermachers und Songpoeten Holger Biege geteilt habe. – Ich tue das heute „schon wieder“, weil er 1978 das nachfolgende, zu meinem heutigen Eintrag passende, wundervolle, nichts aber auch gar nichts an Aktualität eingebüßt habende Lied geschrieben und veröffentlich hat:

Holger Biege – „Reichtum der Welt“

 

Tagebuchseite -730-

Von einem sanften, besonderen Verändern (Ein Rückblick auf das knappe letzte halbe Jahr)

Du hast es für mich gemalt. Sagtest, dass Du Dir dachtest, dass ich es mögen würde. Ich wusste damals schon, dass Du es wusstest, wie sehr ich es immer mögen würde. Jenes Bild, dass Du mir maltest und zum Geschenk gemacht hast anlässlich Deines bislang letzten Besuchs hier.

Du hast schon immer viele Wünsche für mich gehabt. Und je öfter ich Dein Bild betrachtete, desto mehr ahnte ich, dass das Bild Deinen größten Wunsch für mich auf Leinwand geschrieben trägt. In das Hoffnungsgrün einer Waldszene hereinbrechendes Sonnenlicht.

Du hast mein Grün schon immer gesehen. Auch als es nur dunkler Schemen und Schatten war in der tiefsten Tiefe meines Seelenwaldes. Bei jedem Blick auf Dein Bild wurde er stets ein wenig lichter dieser Wald.

Wie oft stand ich vor diesem Bild, ganz berührt von dem Licht, dass Du dadurch immerwährend zu mir scheinen ließest. Auf jenen Flecken Wald. Auf mich. Meist war ich ganz Sehnsucht dabei.

Im Verlaufe der letzten Monate hat sich etwas geändert. Ganz langsam, ganz behutsam. Als sollte ich mich ganz vorsichtig darauf einlassen dürfen, und es ja nicht zu schnell „bemerken“. Um mich nicht gleich wieder davon abzuwenden und zu denken: „Das darfst Du nicht!“. Mittlerweile aber nun spüre ich es tatsächlich. Noch fein, noch zart, noch ein bisschen fragil, erstmals nach ungezählten langen Jahren.

Spüre, dass ich nicht nur existiere. Spüre, dass ich lebe. Weil da nicht mehr nur Angst ist. Weil da nicht nur Schmerz und Anspannung sind. Weil Albträume nicht mehr ständige Begleiter sind. Weil es meinem Herzen nicht mehr nur weh tut für mich zu schlagen.

Ich stehe vor Deinem Bild spüre wie sein Sonnenlicht sich in den Zweigen meiner Seele bricht und tatsächlich ihren Grund erreicht. Und ich sehe, dass da wirklich Grün ist. Auch dort ganz tief unten.

Ich empfinde, wie mich das Licht ERREICHT. Dein Licht und das Licht, das andere Menschen mir schenken als Teil von sich. Ich vermute, ahne, sehe es nicht nur. Ich EMPFINDE es. Und:

ES TUT MIR NICHT MEHR WEH!!!

Licht aus anderen Menschen und Licht in sich EMPFINDEN zu können, das ist jenes noch feine, noch zarte, noch fragile. Das Flüstern der Blätter während sie tanzen, das Strahlen im Gesang der Vögel, die Melodie, nach der die Kornblume sich im Wind wiegt, sind so viel präsenter als noch vor Wochen. Das (Mit)fühlen eines Menschen, dass ich zwischen seinen Zeilen lese.

Ich vermag Schönes zu empfinden, OHNE dass es mir sogleich oder alsbald auch Schmerzen verursacht!

Und ich ahne, dass das nicht nur am Frühling liegt.

Es liegt an der unermesslichen Geduld von Dir, die Du das Bild für mich gemalt hast. Die Du mir so sichtbar, so, dass ich es nicht immer wieder und immerfort übersehen konnte, Sonnenlicht geschenkt hast.

Es liegt an dem grenzenlosen Verständnis meiner Allernächsten, meiner kleinen Familie, für das jede nur denkbare Maßeinheit nur eine unangemessene Kleinheit zu sein vermag.

Es liegt an Menschen, die mir mit fachlichem Wissen zu Seite standen.

Und es liegt an Menschen, deren eigene Stärke, von der sie bisweilen viel zu wenig wissen und anzuerkennen bereit sind, sie ungeachtet all meiner Unzulänglichkeiten, meines personifizierten Seelenmülls, zu mir finden und/oder bei mir bleiben ließ. Und die mir teils unermesslich viel schenkten, dem Sonnenlicht, das in jenem Bilde scheint, das ich hier schon mehrfach erwähnte, ganz und gar „ebenbürtig“. – Ein paar sind mir so außerordentliche Freunde geworden, wie Du, die Du mir das Bild maltest.

Bis vor einigen Wochen hätte ich mich nicht zu fragen getraut, ob es denn auch an mir lag oder liegt, dass ich nun so eine Veränderung spüre. Auch jetzt empfinde ich diese Frage noch, so als wenn sie nicht meinem Wesen entspricht, nicht zu mir gehört.

Schließlich fällt mir aber auch nur eine Sache ein, die für mich im Rückblick, dieses neue, andere, schmerzfreie Empfinden, mit ermöglicht hat, die tatsächlich auf einer wirklich von mir getroffenen Entscheidung beruht.- Und das ist die Sache, dass ich zum Januar die eine meiner ursprünglich zwei halben Stellen gekündigt habe.

Der Freiraum, den ich dadurch vom Arbeitsalltag gewonnen habe, er vor allem ist der Raum, der Raum für dieses neue, für dieses schöne Empfinden geworden ist.

Jetzt, wo ich das so bewusst niederschreibe, beschleicht mich aber doch etwas Beklommenheit. Denn wieder wird mir sehr deutlich, welchen Preis ich für dieses Stück Raum gezahlt habe, dieses Stück Raum, das nun doch zuvorderst nur mir zugutekommt. Genau genommen habe ich nicht diesen Preis zu meinen Gunsten gezahlt, sondern meine Familie. Und solange ich diesen Raum in Anspruch nehmen möchte, wird sie ihn weiter zahlen.

Das, was mir einige Menschen immer wieder gesagt haben, dass ich durch diesen neuen Raum für mich schließlich auch meiner Familie viel zurückgeben werde, vermag ich nach wie vor nicht wirklich anzunehmen. Für niemanden ist eine Einbuße dadurch entstanden. Außer für meine Familie. Wenn auch „nur“ eine materielle. Aber eben eine nicht unerhebliche und nicht nur vorübergehende.
Schon , dass ich MIR erst einmal GENOMMEN habe, fühlt sich für mich immer auch noch irgendwie falsch an.

Aber was, wenn dieses mir noch so unglaublich, so fragil erscheinende und vielleicht auch seiende, nun doch zu etwas zu werden imstande ist, was „dauerhaft verbesserte Lebensqualität“ wäre? –

Ich kann mir das noch gar nicht vorstellen, vielleicht bin ich plötzlich nur viel zu euphorisch. Ich nehme nach wie vor Medikamente, es werden wieder dunklere Jahreszeiten folgen, ich weiß um so viele Erfahrungen, Ereignisse, Situationen und auch Menschen, die mir mutmaßlich immer noch sehr, sehr zuzusetzen in der Lage sind, zumal, auch das musste ich erkennen, meine Kräfte und Reserven nie mehr die sein werden, die ich einmal mein eigen nennen konnte.

Ich sehe wieder das Bild an, dieses eigens für mich gemalte. Mit den sich an den Ästen und Baumstämmen brechenden Sonnenstrahlen, die tief hinab dringen bis auf den Boden des Waldes. Und die die Metapher in sich tragen vom Lichten und Erhellen welches mit dem Aufschauen verbunden ist, so lange es nur eine Sonne gibt.

So lange schon scheinen sie dort. Und werden weiter scheinen. Auch dann, wenn doch noch einmal oder auch öfter schwerere Tage kommen werden. Wie beständig, wie stark sie sind, haben sie mir während der letzten Wochen und Monate bewusst gemacht. So einfühlsam, wie die mir lieben Menschen, die mich begleiten, sind. Wie Du, die Du dieses Bild MEIN Bild werden ließest.

***

Melanie C – „First day of my life“

Verse -61-

Nähe

Wie, wenn das Wasser
einer leichten Brandungswelle
sich sacht aus dem feinen Sand
des Strandes zurückzieht,
nach dem zarten, innigen, kühlenden Kuss,
den es ihm soeben schenkte:
So ist es, wenn Deine sanfte Stimme leise verebbt
und Du fortsetzt,
mir zuzuhören.

Wie, wenn die kleine Meeresbrise
behutsam über meine Haut streicht,
während ich still daliege
und in den Frühabendhimmel blinzele,
ist es, Deine Nähe zu wissen
und Deine Augen zu wähnen,
in denen ich mich spiegele
und mich so sehen kann, wie Du mich siehst,
so, wie ich bin, aus Dir heraus.

Wie, wenn eine zärtliche Hand
mir fein durchs Haar streicht,
erreichen mich Deine Gedanken und Wünsche.
Und lassen mich darin versinken,
wie in einem Daunenkissen.
Geborgenheit schenkend und Sicherheit,
in deren Gegenwart die Nacht zu einer Reise wird.
Atmen im Gleichklang. Stille und Traum.
Von küssenden Wassern und streichelnden Brisen.

***

Lola Marsh – „Morning Bells“

Tagebuchseite -729-

Wiederentdeckung von Leichtigkeit – Über die Rückkehr einer Erfahrung und meine Dankbarkeit für Freundschaften

Reale Begegnungen mit wirklichen Freundesmenschen sind selten im Dahinfließen meiner Zeitenläufe. So ist es geradezu ungewöhnlich, dass ich während der vergangenen vier Wochen gleich dreimal, wenn teils auch nur ein paar Stunden währende Besuche solcher Menschen hier bei uns, in „meiner“ Stadt, in unserem Zuhause hatte.

Jede dieser Begegnungen ist jedes Mal, wenn es sie gibt, in ihrer Art besonders und unschätzbar wertvoll. Jede macht mir das Bewusstsein der Kostbarkeit dieser Menschen noch einmal bewusster. Die Zeit mit ihnen ist „Lebzeit“, gefüllt mit Eindrücken, Beobachtungen, Empfindungen, die ich mit dem, was Leben mit Bezug auf Menschen für mich eigentlich als lebenswert ausmacht, verbinde. Die ich immer wieder suche, schätze und genieße, wenn es sich denn so ergibt wie anlässlich der genannten Besuche.

Ich bin sehr dankbar, diese Menschen kennengelernt zu haben. Und die, die während der letzten vier Wochen hier waren, kenne ich schon jeweils schon sehr, sehr lange. In zwei Fällen sind es jetzt bereits 35 (!) Jahre.

Die eine dieser Freundschaften, die zu meinem „Uraltstudienkumpel“ war immer präsent, die andere, ursprünglich eine ganz intensive, dann für Jahre in den Hintergrund gerückte, ist seit ein paar Jahren wieder zu einer sehr schönen, ehrlichen, aufrichtigen geworden, was mich sehr froh, und innerlich beglückt macht. Sie habe ich jetzt zuletzt (am Freitagabend und fast den ganzen Sonnabend war diese Freundin hier) genau so spüren dürfen. Und die dritte, in ihrer Art wieder eine ganz einmalige, währt wohl nun auch schon an die 12 Jahre. – Ihren Beginn habe ich gerade gestern in einer Anzahl wiederentdeckter Briefe, wiedererleben dürfen. Briefe, die von Seiten jener Schreiberin, Literatur waren und sind!

Freundschaften können tatsächlich aus und durch das Schreiben geboren werden. Meine jüngste, schließlich zu einer real gewordenen Freundschaft ist dafür ein ganz wundervoller Beleg. Sie wäre nie zustande gekommen, wenn nicht hier und dort zwei Menschen begonnen hätten ihre Gedanken in ihren Blogs nieder zu schreiben …

Und gerade erlebe ich das wieder, dass mir durch das Schreiben Menschen näher kommen. Zwei, ganz aktuell, in jeweils besonderem Maße, in besonderer Weise. – Und mein Dankbarkeitsgefühl ist so groß! – Weil ich es immer noch gar nicht fassen kann, dass das nicht nur gedacht möglich ist, sondern geschieht.

Geschieht, JETZT, nachdem ich zuvor ganz nahe daran war, den Glauben daran, die Hoffnung darauf, zu verlieren.

Es ist, als kehrte eine schöne Jugenderfahrung, die Erfahrung dieser Hoffnung, zu mir zurück.

Ja, ich habe auch als Junge schon gern geschrieben. Hatte etliche Brieffreundschaften zu Gleichaltrigen in verschiedenen Ländern. Einige schöne und länger währende darunter, die dann leider doch irgendwann vergangen waren. Mutmaßlich auch, weil wir uns nie sehen konnten (eine Brieffreundin war Cubanerin) und weil noch so viel passieren sollte, was unser aller damals noch so ganz junges Leben komplett durcheinander wirbelte. So sehr, dass es manche der Länder, in denen wir damals lebten, heute gar nicht mehr gibt.

Durch die realen Begegnungen während der letzten Wochen und durch das Freundschaft begründende und entwickelnde Schreiben, das, für mich immer noch unfassbarer weise aus meinen meist selbstreflektierenden Tagebuchaufzeichnungen hervorgegangen ist, sind mir so sehr Hilfe, so sehr Unterstützung, lassen mich nach Jahren, die fast nur Dunkelheit kannten, zumindest über Phasen eine Art Lebensfreude spüren, die sehr, sehr lange schon nicht mehr so wahrnehmbar gewesen ist für mich.

Mein Herz würde dafür so gern ein riesengroßes DANKESCHÖN in den Himmel schreiben können!

*

An dem Abend vorgestern, nachdem die Freundin längst wieder im Zug nachhause rollte, trat ich zu später Stunde hinaus auf unseren Balkon.

Eine Wenigkeit der Hitze des Tages begleitete mich mit hinaus, wie ein Brief, der fortgetragen wird. Und die Bilder des Tages, eben noch ganz klar und gegenwärtig in mir, schwebten ein Stück weit fort. Ich schaute in den Himmel. Kleine schwarzgraue Nachtwölkchen prangten da wie Tintenkleckse auf einem in dunklem kupferrot und steinern blau schimmernden Firmament. Die Wipfel der Bäume hatten ihrem Tageslindgrün einen schwarzen Mantel umgehängt. Es herrschte völlige Stille. Nicht der kleinste Windhauch war zu spüren. Und schon nach wenigen Minuten schwieg auch jede Erinnerung.

Am nächsten Morgen fand ich mich wieder an jenem Ort. So als hätte es keine Nacht gegeben.

Ein Hauch ganz sanft kühlenden Morgenwindes schwebte über meine Haut und begehrte Einlass durch die weit geöffnete Balkontür. Wie ein Brieflein, durch die Luft getragen. Ich setzte mich für einen Augenblick. Genoss das Streicheln, gewahrte das wiedergeborene Lindgrün, das zarte Himmelblau, das Weißgold der jungen starken Sonne. Die Bilder des Vortages kehrten zurück und die Erinnerungen daran begannen leise ein erstes Gespräch mit mir.

Ein paar Mal MUSSTE ich tief bewegt ein- und ausatmen.

Und konnte mich dann LEICHT fühlen …

***

Yvonne Catterfeld – „Besser werden“

 

Sammelsurium -99- (Ein Award über das Essen und die Schönheit)

Selten mache ich es, aber diesmal tue ich es gern – ich antworte auf eine Nominierung zu einem Award. Nominiert worden dafür bin ich von der lieben Mia von Mias Anker. Bevor ich mich an die Beantwortung der gestellten Fragen mache, gibt es hier die notwendigen Informationen zum BEVOR ES-Award, um den es hier geht. Die Initiatorinnen geben dazu folgendes bekannt:

Wir Happy Kalorie, Julia vom Lebensweltblog und Mia von Mias Anker – haben einen Blogger-Award ins Leben gerufen, der mit der Beantwortung der Fragen nicht beendet ist, sondern durch deine Antworten erst richtig losgeht. Mithilfe deiner Sicht können wir gezielt den Blick unser aller Leser/innen für die allgegenwärtige Essstörung sensibilisieren.

Ziel des BEVOR ES-Awards

• Erfahren, dass Prävention gegen Essstörungen im Vorfeld wichtig ist
• Vermeiden von Vorurteilen und bestenfalls den Einstieg in eine Essstörung
• Erkennen, dass Essstörungen allgegenwärtig sind

Ablauf des BEVOR ES-Awards
Bitte …

• beantworte die vorgegebenen Fragen, gern als Video, Zeichnung, Text, Grafik etc in einem Blogpost. Alternativ: Wenn du keinen Blog hast, kannst du uns gern deine Antworten per Email zusenden.
• verlinke immer auf die Award-Gründer-Blogs (Mia, Julia , Happy Kalorie).
• nominiere am Ende 3 weitere Blogs deiner Wahl.
• beachte, dass die Fragen des jeweiligen Awards immer gleich (keine neuen Fragen ausdenken) bleiben.
• kopiere die Kurzform des BEVOR ES-Awards sowie Blog-Grafik unverändert in deinen Blogpost ein.

Nach deiner Beantwortung

• Wir, die Blog-Gründer, picken uns im Anschluss einen Fragen-Antwort-Komplex heraus.
• Diesen – von uns – ausgesuchten Teil schreiben wir im Namen einer Essstörung weiter.
• Die Veröffentlichung mit Blognennung erfolgt separat in einem Online-Magazin und später ist ein Print-Magazin geplant. Denn wir wollen viele Menschen erreichen. Auch diejenigen, die selten bist gar keine Blogbeiträge oder anderen Mediendarstellungen lesen. Den Zeitpunkt geben wir bekannt, wenn es soweit ist.
• Wir unterstellen dir keine Essstörung oder sonstige psych. Krankheiten, nur weil du an unserem Präventions-Projekt teilnimmst.
• Deine Sichtweise dient der Sensibilisierung des gesamtgesellschaftlichen Problems „Essstörung“.
• Sämtliche persönliche Daten von dir, die automatisch oder durch dich persönlich bei uns landen, geben wir nicht an Dritte weiter. Dein Vertrauen liegt uns am Herzen, d.h. wir respektieren deine Rechte und schützen deine personenbezogenen Daten.
• All deine Fragen beantworten wir dir stets ausführlich. Wir sind über die jeweiligen Blogs, die Kommentarfunktion sowie über Email jederzeit erreichbar.

Einverständniserklärung

Ich bin mit Annahme des BEVOR ES-Awards einverstanden, dass die Award-Gründer Michaela, Mia und Julia meinen Award-Text ausschließlich für ihre präventiven Zwecke benutzen. Mein Blog ist jeweils zu nennen und gegebenenfalls zu verlinken. Persönliche Daten dürfen nicht an Dritte weitergegeben werden. Ich habe jederzeit Auskunftsrecht, was mit meinen personenbezogenen Daten passiert. Ist eine Veröffentlichung in einem geplanten Magazin der Award-Gründer nicht erwünscht, teile ich es den Gründern formlos und gesondert mit.

*
Soweit die notwendigen Vorbemerkungen. Ich beantworte in der Folge die fünf von Mia gestellten Fragen, die da sind:

1. Wann und warum isst du? Was bedeutet für dich Essen?
2. Was verstehst und verbindest du mit „gesund“ sowie „ungesund“?
3. Hast du bereits Diäterfahrung? Wenn JA, welche und warum hast du genau diese Diät gemacht? Wenn NEIN: Bist du zufrieden mit deinem Körper?
4. Was bedeutet Schönheit für dich?
5. Wer ist deiner Meinung nach schön?

(Hinweis: Happy Kalorie und Julia haben unter 4. und 5. andere Fragen zur Problembewältigung bzw. Medien)

*

1. Essen ist zunächst für mich ganz sachlich und unromantisch eine der entscheidendsten Voraussetzungen und Notwendigkeiten zur Erhaltung meiner Lebensfunktionen, zur Bewahrung und Entwicklung meiner geistigen und körperlichen Fähigkeiten. Ich esse also, weil es ohne Essen nicht geht, ich ohne Essen nicht leben, nicht existieren kann.

Neben seiner Rolle als Notwenigkeit bedeutet Essen für mich freilich auch Genuss.
Indirekt zunächst dadurch, dass das Einnehmen einer Mahlzeit mir zumindest potenziell die Möglichkeit bietet, innezuhalten. Eine Pause zu machen, meine Konzentration vom Alltag, von belastenden Dingen etc. wegzulenken. Direkt dadurch, dass Essen eine sinnliche Erfahrung ist, und ein guter Geschmack etwas sehr genussvolles sein kann. Dabei ist es für mich sehr unbedeutend ob oder wie „exklusiv“ oder „Besonders“ ein Essen ist. (Unter Frage 4 – „Schönheit“ erkläre ich das noch ein bisschen)

2. Gesund essen heißt für mich vor allem ausgewogen zu essen. Ich akzeptiere, dass es für den menschlichen Körper gut und richtig ist, sowohl Eiweiße, als auch Fette und Kohlenhydrate zu sich zu nehmen. Ich halte es dabei für richtig und angezeigt, insbesondere tierische Fette vergleichsweise sparsam zu mir zu nehmen. Ich esse Fleisch und Wurst, aber bewusst, also in überschaubaren Mengen. Und ich lebe gern und gut damit, in der Woche ein oder zwei vegetarische Tage einzulegen. Außerdem bemühe ich mich darum, nicht zu viel Zucker zu essen. Viele der im Handel erhältlichen Produkte beinhalten viel zu viel „versteckten“ Zucker.

Obst und Gemüse halte ich im Sinne von gesundem Essen für wichtig, und auch ausreichend zu trinken (natürlich keinen Alkohol) – letzteres fällt mir leider immer wieder recht schwer, ich „vergesse“ es leider oft einfach.

3. Eine Diät habe ich noch nie gemacht, sieht man mal von ein paar Diättagen etwa nach einer Magen-Darm-Verstimmung ab. Ich halte nichts von all diesen Diäten. – Die Physiologie eines jeden Menschen ist immer ein wenig eine eigene, der eine Körper neigt eher dazu schlank zu sein und zu bleiben, in einem anderen stecken ein paar mehr Anlagen, sich ein paar Reserven zuzulegen. Solange sich ein Mensch tatsächlich ausgewogen und mit Gesundheitsbewusstsein ernährt, sollte er einfach damit leben.

Ich bin mit meinem Körper nicht ganz zufrieden. Ich weiß aber um den Grund meiner Unzufriedenheit und der liegt einzig und allein darin, dass ich mich mitunter nicht ausreichend gesundheitsbewusst ernähre bzw. überhaupt lebe. So ist etwa mein Verhältnis zu Schokolade nicht ganz unproblematisch. Und es passiert mir durchaus immer mal wieder, dass ich mich vor allem am Abend dann nicht rechtzeitig bremse. Warum das so ist, hat vermutlich vielfältige Ursachen. Ebenso ist es für mich manchmal nicht ganz leicht, etwa in Gesellschaft oder wenn es ein Buffet gibt, rechtzeitig „genug“ zu mir zu sagen.

So stecke ich doch recht oft in einer gewissen Ambivalenz. – Generell wünsche ich mir ein paar Kilo weniger (ich habe so ein „Wohlfühlgewicht“ im Kopf). Ich halte das für durchaus erreichbar – und dann wäre ich mit meinem Körper auch recht zufrieden.

4. Zum Thema Schönheit habe ich bereits im Jahr 2012 einen längeren Aufsatz geschrieben, zu dem ich, so wie ich ihn damals verfasst habe, noch ganz genau stehe. – Die Frage hier und die folgende kann ich insofern durch Verwendung dieses Textes bestens beantworten. Zur Frage 4 hier gilt der nachfolgende Ausschnitt:

„Schönheit kann sich auf ein Erlebnis beziehen, auf eine Person oder auf ein Ding, eine Sache. Aber Schönheit hat immer mit Gefühlen, mit Emotionen, mit Empfindungen zu tun. Wenn ich etwas als schön empfinde, dann ist das mit positiven Emotionen, mit Glücksgefühl verbunden. – Wenn ein solches Empfinden nur sehr momentan ist, und mir in einer Zeit zuteilwird, die mir an sich schwer ist, die ansonsten eher von negativen Erlebnissen und Emotionen geprägt ist, dann kann mich das beinah zerreißen. Der Gegensatz ist dann in seiner ganzen Größe so ungemein gegenwärtig, das kann für mich bisweilen buchstäblich überwältigend sein.

Was mich ganz persönlich angeht, so empfinde ich Schönheit besonders in Bezug auf Begegnungen mit und in der Natur, mit Musik, mit Geschriebenem und Gezeichnetem oder Fotografiertem, beim Genuss von Speisen und Getränken und, allerdings insgesamt viel seltener, in Bezug auf Menschen.

Die Natur ist für mich am ehesten an sich, als solche, schön. –

Schon kürzeste Begegnungen, auch nur mit Details, einer schlichten Blume, einer kleinen Schnecke, einem Blick auf eine Landschaft, das Erleben einer Wettererscheinung, vermögen mich wahrsten Sinne des Wortes in Bann zu ziehen und gute, positive Emotionen in mir auszulösen. Diese kurzen Begegnungen sind schön, weil was aus der Natur zu mir spricht, schön ist. Und sie sind in ihrer Summe gut und wichtig, „erden“ mich immer aufs Neue. Aber nachhaltig(er) werden die gute Empfindung und die Fähigkeit, sich entsprechende Erinnerungen in schweren Zeiten vergegenwärtigen zu können, vor allem, wenn meine Begegnungen mit der Natur von längerer Dauer und intensiver, vielfältiger auch, sein können. – Dafür raubt der Alltag freilich allzu oft die notwendige Zeit.

Musik kann ich, allerdings sehr abhängig von Stil und Richtung, überaus intensiv und sehr tiefgehend als schön empfinden. Dieses Empfinden kann bei instrumentalen Stücken geschehen (vor allem bei melodiebetonten Richtungen von so genannter Electronic- bzw. New-Age-Musik, aber auch bei einigen Stücken klassischer Musik) wie auch bei solchen, die mit Gesang verbunden sind (vor allem, aber keineswegs ausschließlich, bestimmte Rock- und Popballaden, oft auch bei Liedern unterschiedlicher Stilrichtungen mit deutschen Texten, aber auch bei der einen oder anderen Musik, die zu einer Richtung gehört, die ich sonst keineswegs viel hören mag). Und es kann bisweilen fast schmerzhaft schön sein. –

Ich stelle mir oft den- oder diejenigen vor, die eine solche Musik komponiert und arrangiert haben – auch diejenigen, die sie interpretieren. Würden sie so gefühlt haben oder fühlen wie ich, wären sie wohl gar nicht imstande, eine solche Musik zu schreiben oder zu Gehör zu bringen. Ich könnte es jedenfalls vor Überwältigung nicht. – So schön kann Musik für mich sein! Welch eine Macht haben Menschen, die durch Musik derartige Emotionen auszulösen vermögen!

Über das, was Geschriebenes in mir auszulösen vermag, habe ich hier vor einiger Zeit schon einmal in einer Sentenz (Lesen und Schreiben) etwas zu Papier gebracht. Ein Umgang mit Schriftsprache, der in mir Bilder entstehen, mich etwas tatsächlich in und durch diese Bilder empfinden lässt, gehört für mich zum Schönsten überhaupt. Ebenso wie ein gepflegter Umgang mit Sprache an sich, das Bemühen um variablen, einer Situation bzw. Person angemessenen Ausdruck.

So ähnlich geht es mir mit Bildern – solchen, in die ich eintauchen kann (Landschaften), die mich einladen, in ihnen, obwohl durch Zeichnung, Malerei oder Fotografie längst festgehalten immer Neues zu entdecken oder solchen, in denen ich „lesen“ kann (Porträts, Gesichter), faszinieren mich, lassen mich Schönheit empfinden.

Schönheitsempfinden hat für mich sehr stark mit sinnlicher Erfahrung zu tun.
Und „Schmecken“ ist eine der sinnlichsten Erfahrungen überhaupt. Wenn mir etwas gut schmeckt, dann ist das für mich schön, im Moment der Erfahrung, in der Erinnerung und auch als Vorfreude. – Dabei ist dieses Empfinden keineswegs an die Exklusivität jeweiliger Speisen oder Getränke gebunden. Mir kann ein einfaches Stück frisch gebackenes Brot ebenso großen, schönen Genuss verschaffen, wie eine schlichte Pellkartoffel mit frischem Kräuterquark.“

5. Diese Frage bezieht sich auf die Schönheit von Menschen. Dazu habe ich seinerzeit (und für mich ebenfalls unverändert geltend) geschrieben:

„Wann aber sind Menschen für mich schön? – Das ist eine sehr schwierige Frage.
Sie sind es jedenfalls nicht, wenn sie nur hübsch sind.

Ich wäre allerdings unehrlich, wenn ich behaupten würde, dass etwa ein hübsches Mädchen oder eine hübsche Frau in mir keinerlei positive Emotionen auslösen und ich dieses Empfinden nicht auch bereits als schön wahrnehmen würde. – Früher mehr, heute aber bisweilen auch noch, war und ist es genau das, was im Zweifel erst einmal Schmetterlinge im Bauch verursacht.

Aber Schmetterlinge waren und sind mir schlicht weg zu flatterhaft und zu flüchtig, als dass ich ihnen allzu sehr zu trauen oder gar zu vertrauen in Gefahr bin. Hübsch meint schlussendlich lediglich die Ästhetik des Äußeren. Was in diesem Sinne als „schön“ empfunden wird, weicht im Übrigen im Empfinden von Mensch zu Mensch bisweilen sehr voneinander ab (was ja auch gut so ist).

Noch viel mehr als bei Sachen und Dingen, macht für mich freilich die Summe bestimmter Eigenschaften die Schönheit eines Menschen aus. Jemand, den ich meinen Freund oder meine Freundin nenne, muss in diesem Sinne schön sein, was gerade nicht bedeutet, der er oder sie perfekt, makellos zu sein hätte. Auch manche Makel und Unzulänglichkeiten können „schön“ sein, empfinde ich als schön. – Dennoch, meine Maßstäbe, an die Schönheit eines Menschen sind wohl besonders hohe oder womöglich auch „nur“ eine besonders skurrile Kombination verschiedener Eigenschaften.
Sonst hätte ich wohl nicht so wenige Freunde. –

Dennoch sind diese Freunde als Menschen durchaus auch sehr unterschiedlich. Sie sind auf verschiedene Weise schön. Das spricht in meinen Augen dafür, dass meine Maßstäbe keine starren sind. – Trotzdem, sind es kaum eine Handvoll Menschen, die ich meine Freunde zu nennen vermag. Ich schwanke darüber bisweilen, zwischen Traurigkeit, dass es doch so wenige sind, und Freude und Stolz, sie immerhin zu haben.

Aber vielleicht ist das ja gut und richtig so. Schönheit im Übermaß würde am Ende wohl überdrüssig machen, ewige Schönheit in Langeweile münden.
Schönheit erleben zu dürfen, ist und bleibt wohl besser immer etwas Besonderes. Und somit auch, wirkliche Freunde zu haben.“

*
Soweit meine Beantwortung der Fragen.
Meinerseits möchte ich abschließend für den BEVOR ES-Award nominieren:

1. Sophie vom Blog „Weg des Erwachens“
2. trienchen vom Blog „colours and darkness“
3. Sofie vom Blog „Sofies viele Welten“

weil ich glaube, dass sie das Anliegen dieses Awards unterstützen würden und ich jede der drei auf ihre Weise als Bloggerinnen und Menschen schätze.

***

Eine Sängerin hier aus dem Nordosten – ich habe sie kürzlich schon einmal hier geteilt, das Lied ist ein bisschen „leichter“ als das damals vorgestellte. Ich mag es trotzdem:

Esthi Kiel – „Immer nur zu dir“

 

Tagebuchseite -728-

Sorge und Wunsch – ein Plädoyer für Handschriftliches

Wer heutzutage schreibt, tut das grundsätzlich am PC oder Laptop, benutzt eine Tastatur oder tippt auf ein Display. In der Arbeitswelt ist das bereits zu an die 100% Realität. Im privaten Bereich mag es noch etwas weniger sein, aber die Tendenz geht zweifellos auch immer weiter in Richtung „ausschließlich getippt“.

Was elektronisch getippt wurde, kann sofort und komplikationslos kopiert, (auf ewig) gespeichert, ein oder mehrmals ausgedruckt, wiederum elektronisch verschickt werden. Alles in kürzester Zeit, ohne zusätzliche Wege und Aufwendungen.

Diese Art des Schreibens, auch des sich Mitteilens, hat sich milliardenfach bewährt – sie wird bestehen bleiben, vervollkommnet werden. Vielleicht ist der Zeitpunkt gar nicht mehr fern, wo Papier und Stift überflüssig und ein paar Jahre später nur noch Vergangenheitsrelikte sein werden.

Vergangenheitsrelikte wie das Waschbrett, die Musikkassette, die Telefonzelle und so vieles andere mehr .

Die Vergänglichkeit des Einsatzes etwa von Waschbrettern bedaure ich nicht sonderlich, und auch das sich Überleben manch anderen Gegenstands, Werkzeugs oder Handelns nicht. Vor allem dann nicht, wenn mit den an ihre Stelle tretenden neuen Entwicklungen tatsächlich Fortschritt verbunden ist. Was aus meiner Sicht allerdings viel öfter mal detaillierter und vor allem kritischer Hinterfragung bedürfte. Aber das ist ein anderes Thema.

Das längst begonnen habende Verschwinden des handschriftlichen Schreibens aber, das bedaure ich nicht nur zutiefst, das macht mich besorgt und traurig. Weil damit eine ureigen menschliche Form und Art und Weise des sich Ausdrückens und Mitteilens vergänglich zu werden im Begriff ist. Ein HANDwerk! Etwas, was ein Stück der Individualität, der Persönlichkeit, jedes einzelnen Menschen ausmacht, darstellt, offenbar werden lässt.

Ich kann und mag es nicht fassen, dass diese besondere Ausdrucksform von Sprache, die ich eben wegen ihrer ganz unmittelbaren, gegenständlichen Verbundenheit zu und mit menschlichen Händen, für besonders, für eigenständig, für im Wortsinn persönlich und individuell halte, den Wettbewerb mit der von Digitalisierung durchdrungenen Zeitökonomie, „fortschrittsgehorchend“ zu verlieren hat.

Dem Menschen geht damit eine Fähigkeit verloren, über die kein anderes Lebewesen verfügt, die kein anderes Lebewesen zu erwerben imstande gewesen ist. Wie vielen Menschen (keineswegs nur Kindern und Jugendlichen) fällt es heute schon unsagbar schwer, einen Text selbst von nur einer Seite handschriftlich zu schreiben.

Aber nicht nur die Fähigkeit des handschriftlichen Schreibens als solche ist betroffen. Wer handschriftlich schreibt, denkt anders, formuliert anders, fühlt anders, ist anders gefordert (z.B. mit Blick auf Feinmotorik, Kreativität und Konzentration), als jemand der tippt. Er braucht, aber er hat auch mehr Zeit zum Schreiben. Er muss sie sich freilich auch nehmen oder wenigstens hin und wieder nehmen wollen.

In dieser Notwendigkeit scheint mir auch eine Chance, vielleicht die einzige und letzte, zu liegen, dass die „Niederlage“ des handschriftlichen Schreibens gegenüber dem getippten keine völlig vernichtende wird:

Die Möglichkeit, sich zumindest im Privaten bewusst und fortgesetzt Zeit zu nehmen zum Schreiben, zum handschriftlichen Schreiben! (Noch schöner und besser wäre es natürlich, wenn sich auch die für die Gestaltung der Arbeitswelt maßgeblich Verantwortlichen diesem Ansatz in der Zukunft nicht völlig verschließen, vielmehr in diesem Sinne unterstützend tätig würden.)

Ich tue das wenigstens ab und zu, vor allem dann, wenn ich Entwürfe zu Versen notiere, wenn ich interessante Textstellen aus Büchern, Zeitrungen, Briefen, Blogs oder sonst woher, in eigens dafür angelegte Hefte übertrage oder wenn ich an Formulierungen feile.

Früher habe ich auch, für einen Vertreter des männlichen Geschlechts wohl sogar ungewöhnlich häufig, handschriftliche Briefe verfasst und verschickt. Das ist in den letzten Jahren weniger geworden, was letztlich auch mit Gründen der Zeitökonomie zu tun hat. Aber da ist auch noch ein anderer, ein neuerer Grund: Der, die postalischen Adressen von Menschen nicht(mehr) zu kennen, denen ich gern einmal einen handgeschriebenen Brief zukommen lassen würde.

Heute, da man „gewöhnlich“ Menschen per Mail, SMS, oder WhatsApp schreibt, gehört eine reale Privatadresse schon zu einem besonderen Wissen. Das ist so, weil wir befürchten, dass eine „Preisgabe“ derselben heute weitaus fatalere Folgen haben kann als das vor noch 40 Jahren der Fall gewesen ist. Und leider ist diese Befürchtung ja auch schon vielfach bestätig worden und erfährt immer aufs Neue Bestätigung. Und ist somit, dann noch einmal leider vor allem für den privaten Bereich, der doch noch am ehesten die Chance böte, die Fähigkeit des Handschreibens nicht immer weiter oder schließlich gar vollständig sterben zu lassen, ein Hinderungsgrund, sich handschriftsprachlich auszutauschen.

Dabei ist ein solcher Austausch, auch, wenn er immer nur mal wieder „zwischendurch“ so erfolgt und den „notgedrungen“ gemailten, gesimsten oder sonstigen getippten Austausch nur hin und wieder unterbricht bzw. ergänzt, doch noch aus ganz vielen anderen Gründen so sehr besonders.

So besonders, weil er so menschlich ist, so gegenständlich menschlich.

Da ist die Vorfreude und Spannung beim Öffnen des Briefkuverts, das Knistern des Papiers, das, was die Schrift, ihr Stil, ihr Fluss über den Schreiber oder die Schreiberin sagt, zum Beispiel seine/ihre Stimmung (die sich während des Schreibens ein- oder mehrmals verändert haben kann). Da sind die Gestaltungsmöglichkeiten, die ein solcher Brief bietet, manchmal sein Duft, manchmal etwas, was ihm neben den eigentlichen Handschriftseiten noch beigelegt ist. Da ist die Zeit, die sich für ihn und mithin für den Adressaten genommen wurde. Da ist noch so viel mehr …

… worüber ich an anderer Stelle meines Tagebuchs schon ein- oder mehrmals trefflich ins Schwärmen geraten bin.

Mein Wunsch, das Handschriftliches nicht vergeht, dass es gepflegt wird, dass es Menschen gibt, die es bewusst fortzuführen, zu bewahren, weiter zu vervollkommnen, bestrebt sind, der hingegen, ist alles andere als Schwärmerei. Aber er ist groß und innig und kommt aus tiefstem Herzen.

Er steht in meinem Herzen geschrieben. – Handschriftlich!

***

Tini Stoessel – „Handwritten“

Tagebuchseite -727-

Über die Bedeutung von Jetzt und Vorgestern

Ich sammle Augenblicke im Hier und Jetzt. Ich versuche es immerhin. Und beginne Hinweise, wie ich sie sammeln, wie ich mich an sie erinnern kann, ein bisschen besser zu verstehen. Dass es wichtig ist, sie sich bewusst zu machen, dass es hilfreich und aufbauend sein kann, sie beispielsweise am Abend eines Tages im Hier und Jetzt bewusst Revue passieren zu lassen. Zumal dann, wenn man jemand ist, der für den Weltschmerz so empfänglich ist wie ich und den jedes reale, jedes geahnte und jedes mutgemaßte Leid „anfasst“.

Nicht den ersten, aber einen für mich auf eigenartige Art besonderen Impuls in dieser Richtung bekam ich vor zwei Tagen. Im Rahmen eines Fachtags nahm ich für ungefähr drei Stunden an einem Workshop teil. Der wurde von zwei Frauen gestaltet, die das Fach „Glück“ unterrichten. Ja tatsächlich, sie unterrichten das für Jugendliche und Auszubildende als Wahlpflichtveranstaltungen.

Der Workshop war nicht einfach für mich. Ich tue mich schwer, „auf Kommando“ in Gruppen zu „interagieren“. Aber die beiden Frauen gingen recht behutsam vor. Und immer wieder gab es zwischendurch kleine, auf mich vielfach sogleich sehr plausibel wirkende Erläuterungen, Begründungen und Anregungen.

Als der Workshop zu Ende war, fühlte ich mich gut, innerlich wie ein bisschen reicher, obwohl alle Themen nur ganz grob angerissen werden konnten. –

Ich habe mir drei Dankbarkeitssteine aussuchen dürfen, durfte eine hübsche Schmetterlingskarte behalten, auf die ich zuvor fünf Stärken von mir aufschreiben und einer wildfremden Teilnehmerin des Workshops vortragen musste. Vier „Sprechblasen“ auf denen ich sehr spontan vier Begriffe, die für mich „Glück“ bedingen aufschreiben musste (Freundschaft/Familie, Natur, Inspiration und Teilhabe waren meine spontanen Eingebungen dazu) , habe ich behalten.

Und ich habe ganz buchstäblich, und in dieser Form erstmalig in meinem Leben einen Joker gezogen. Aus einem Stapel „bärenstarker“ Karten zog ich als einziger Teilnehmer eine Jokerkarte. Das war so gar nicht vorgesehen – jeder sollte eigentlich eine „bärenstarke“ Botschaft ziehen und diese an sich prüfen, versuchen, sie für sich anzunehmen, auf sie hinzuarbeiten. Und in der Folge nun an jedem Tag im Hier und Jetzt bewusst auf sie schauen, sie reflektieren, damit arbeiten.

Ich bat darum, den Joker behalten zu dürfen. Und durfte es! Ich möchte ihm eine Bedeutung geben …

Am Abend des Tages wurde ich dann nachdenklich.

Ich hatte etwas Zeit für mich und surfte, wie ich es dann mitunter gern tue, ein bisschen ziellos und zugleich entdeckungsreisend durch Klänge der Musik. – Und landete ausgerechnet nun, weit in der Vergangenheit. Fand ein Lied, das ich seit über 40 Jahren nicht mehr gehört hatte. Das es nie zu großer Berühmtheit oder gar „Reichweite“ gebracht hat. Es ist ein stilles Lied mit einer eingängigen Melodie, mit einer unverwechselbaren Gesangsstimme und einem sehr poetischen Text. Ein Lied, das zumal heute so alt klingt wie es ist.

Augenblicklich fand ich mich in der Zeit, als es geschrieben und vorgetragen wurde, wieder. Ich war damals nur 11 Jahre alt. In mir breitete sich dennoch ein Lebensgefühl aus, mein Lebensgefühl dieser Zeit, gestaltet von Bildern, die mich mit einem Transistorradio, etwa so „groß“ wie zwei übereinander gelegte Tafeln „Ritter Sport“, nach 20.00 Uhr unter der Bettdecke einer Hitparade lauschend zeigte, von Gerüchen, wie dem unverwechselbar atemlos machenden jenes Zweitaktbenzingemisches, das in der DDR die Trabis tankten, und von Klängen, wie sie eben dieses Lied ausmachen.

Und ich fühlte mich in diesem Augenblick glücklich. Einem Augenblick weit fort vom Hier und Jetzt.

Das ist nicht immer so. Oft machen mich solche Vergangenheitsreisen traurig.

Ich halte mich zwar nicht für einen Nostalgiker, aber wahrscheinlich bin ich nicht gefeit vor mancher Vergangenheitsverklärung. Und sehne mich zu sehr nach Lebensgefühlen zurück, die ich heute, nach langer Zeit, mit Glücksempfinden verbinde.

Ist das so verkehrt?

Es mag ablenken von dem, was im Hier und Jetzt, an Schönem, Positivem, Zuversicht Spendenden, ist, was ich ohnehin wohl oft zu schnell oder zu sehr übersehe, mir nicht genügend bewusst mache. Ja, das mag und das wird wohl so sein.

Aber ist es wirklich so extrem, so ausschließlich gemeint, wenn auf das Hier und Jetzt verweisen wird, um seinen „Glücksweg“ zu finden?

Ich möchte und würde gern Menschen mitnehmen auf meine Vergangenheitsreisen, vor allem auch jüngere. Wissend, dass diese sich da in eine für sie fremde Welt begeben würden, eine als skurril, vielleicht gar bizarr erscheinende. Möglicherweise würde sie ihnen sogar langweilig, spießig und uninteressant vorkommen. –

Ich wünsche mir trotzdem solche gemeinsamen Reisen. Habe die Hoffnung, vielleicht, die Illusion, Lebensgefühl von damals, zumal solches, das mich noch heute Glück empfinden lässt, teilen zu können. Jungen Menschen DAMIT im Hier und Jetzt Augenblicke zu verschaffen, die sie als schön ansehen, für bewahrenswert halten und die sie sich hätten allein wahrscheinlich nie erschließen können.

Ist so ein Wunsch rückwärtsgewandt. Ist er gar egoistisch?

Mir würden nämlich im Hier und Jetzt mit Menschen, die jünger sind als ich unternommene Reisen in die Vergangenheit, Glücksgefühl schenken. Und ja, ich würde meine eigene Vergangenheit vermutlich dadurch ein bisschen besser verarbeiten, bewältigen und einordnen können

Manchmal durfte ich davon schon eine kleine Ahnung haben. Und das war schön. Im Hier und Jetzt …

*

Hier möchte ich nun jenes Lied, von dem ich oben schrieb, teilen. Es ist, wie schon erwähnt, alt, zudem ist die Aufnahme eine, die das Alter hören lässt. Den Sänger, Franz Bartzsch, nenne ich einen Rockpoeten. Bei „Lift“, einer der bekanntesten und beliebtesten Rock-/Popgruppen der DDR, war er nur während zweier Jahre. Begleitete und schrieb dann für Veronika Fischer, auch als ihr Bandmitglied, war ein Gesicht bei „4 PS“ und der Hansi-Biebl-Band. Anfang der 80er Jahre blieb er in Westdeutschland. Spielte unter anderem in der Band von Juliane Werding, schrieb für etliche namhafte Sänger und Gruppen, komponierte Filmmusiken. – Irgendwann, ich glaube im Jahr 2010, fand man ihn 62jährig tot am Steuer seines Autos auf. Ein Suizid soll es nicht gewesen sein …

Wie sich das Lied wohl in heute jungen Ohren anhört, wie der Text wohl wirkt …?

***

Lift (Franz Bartzsch) – „Wind trägt alle Worte fort“

Tagebuchseite -726-

Haltloses Rädchen

Je vielfältiger, komplexer, unüberschaubarer die Welt um mich herum, die Welt, in der ich lebe, wird, desto mehr Hinweise, Ratschläge, Orientierungshilfen werden mir gegeben.

Ich nehme das wahr, aber schon zu Beginn des Augenblicks dieser Wahrnehmung, wandelt sich die gerade in mir aufkeimende Dankbarkeit dafür in Skepsis um, in Verunsicherung sogar.

Mein Ziel ist es, mein einziges Leben in der mir hier auf Erden gegebenen Welt so zu leben, dass ich sie möglichst wenig, am besten gar nicht schädige, ebenso, wie die Menschen, die Tiere, die sie mit mir bewohnen, die Natur schlechthin, das also, was sie wesentlich ausmacht.

„Gesunder Menschenverstand“ und „Bauchgefühl“ können und sollen dabei schon hilfreich sein, höre ich immer wieder. Mir ist das irgendwie zu wattig, denn das kann so viel sein, und auch nichts. Und, da die Welt nun einmal ist wie sie heutzutage ist, also rasend schnell, sich immerfort verändernd, und eben auch immer unüberschaubarer für einen Einzelnen zumal, suche ich immer wieder nach irgendwas oder irgendwem, dem ich vertrauen kann, den bestmöglichen Weg im Sinn meines Ziels finden.

Da bin ich denn wieder bei besagten Hinweisen, Ratschlägen und Orientierungshilfen, die als Verbraucher- und Politikmagazine daherkommen, als Ratgeber der unterschiedlichsten Art, was Themen und Tiefe angeht, in gedruckter Form, aber auch als die alltäglichen Gespräche zwischen Kollegen, während der das Für und Wider aller nur denkbaren Handlungen, Verhaltensweisen und Entscheidungen eine Rolle spielt, oder auch bloß Fetzen des Smalltalks auf der Straße.

Letztlich ist das alles und jedes einzelne für sich ebenso komplex, so unüberschaubar, so schnell sich verändernd wie die Welt als solche. Schließlich ist es selbst nur Teil und Abbild dieser Welt.

Das macht es nicht leichter mit der eigenen, konsequenten, effektiven und wirklich angemessenen Orientierung in Richtung meines Ziels.

Fast alles ist widersprüchlich oder wird es bei näherer Betrachtung bzw. Einbeziehung weiterer Fakten und Gedanken, selbst, wenn ich einmal davon absehe, dass vor allem Magazine und Ratgeber nicht gerade selten auch sehr stark aus rein profitorientierten Motivation heraus veröffentlicht werden.

Wie sich das Ganze in meinem Alltag spiegelt, möchte ich an zwei Beispielen aus dem Bereich „Verwendung möglichst gesunder und ökologisch mit hoher Verantwortung produzierter Lebensmittel“ verdeutlichen.

Das erste Beispiel betrifft buchstäblich mein tägliches Brot, das ich verzehre (und meine kleine Familie mit mir).

Im wesentlichen essen wir hauptsächlich und wechselweise vier unterschiedliche Roggenmischbrotsorten. Von der einen, die uns grundsätzlich mit am besten schmeckt, erfuhren wir jetzt aus einem Verbrauchermagazin, dass sie allenfalls dazu geeignet sei, Semmelmehl daraus zu machen. – Das besagte Brot ist zugebenermaßen im Verhältnis sehr preiswert und wird bei einem Discounter aufgebacken. Es ist also auch noch eins, mit dem die kleinen privaten Bäcker kaputtgemacht werden.

In unserer Stadt ist insoweit schon ein weitgehender „Fortschritt“ erzielt worden. Wirkliche Privatbäcker gibt es im Umfeld unseres Stadtteils, unseres Wohngebietes zumal, schon lange nicht mehr. Zwei größere Bäckerketten bieten hier die einzige Alternative zu den Discounterbroten. – Eines der von uns meistgegessenen Roggenmischrote ist eins von so einer Kette. Es ist schon doppelt so teuer wie jenes „Semmelmehlbrot“, selbst dann, wenn wir unsere Kundenkarte benutzen.
Der letzte Privatbäcker, der bei uns hier „in der Platte“ eine Filiale hatte, und bei dem ich hin und wieder mein wirkliches Lieblingsmischbrot gekauft habe (noch einmal ein Drittel teurer als das von der Bäckerkette), hat vor ein paar Monaten aufgegeben.

Zusammengefasst stellt sich das Ganze so da:

Wir essen, zumindest teilweise, sehr preiswertes (uns aber schmeckendes), womöglich aber minderqualitatives und im Mindesten die kleine Privatwirtschaft schädigendes Brot vom Discounter. Wir tun dies aber nicht ausschließlich, verzehren auch Brot von Bäckereiketten. Brot von einem wirklichen Privatbäcker ist für uns nur schwer zu bekommen und würde außerdem, wenn wir es ständig kauften, unser zur Verfügung stehendes Haushaltsbudget letztlich zu stark belasten. Vor allem dann, wenn wir bezogen auf ALLE notwendigen Lebensmittel nur noch bei „Privat“, „Bio“, „Regional“ usw. einkaufen würden. – Auf einem ganz anderen Blatt steht noch, ob denn wirklich ALLES von „Privat“, „Bio“ oder „Regional“ qualitativ, ökologisch usw. tatsächlich immer (mit) das Beste wäre. Wie viele Verbrauchermagazine, -ratgeber etc. gibt es, die diesbezüglich fortlaufend und immer neue „Überraschungen“ veröffentlichen?!

Wie soll, wie kann ich mich nun aber meinem Ziel gemäß angemessen verhalten, dabei meine eigenen (finanziellen) Möglichkeiten nicht aus dem Auge verlieren dürfend?

Beispiel Nummer 2 betrifft Obst und Gemüse aus Spanien. (Wahrscheinlich könnte es auch jedes andere Land sein).

Ich sah vor wenigen Tagen eine ziemlich erschütternde Reportage über die Betreibung eines großen Obst- und Gemüseanbaugebiets in Spanien, das aufgrund genereller klimatisch bedingter Trockenheit erheblich bewässert werden muss. Das dazu verwendete Wasser muss sehr stark aufbereitet werden, etliche „überschüssige Mineralien“ werden in nahe gelegene Meeresabschnitte verklappt. Mit nachhaltig verheerenden Folgen! Obwohl das Problem schon seit Längerem bekannt ist, geschieht nichts. Die Anbauflächen werden sogar noch erweitert. Obwohl das bekannt ist, unternimmt niemand etwas dagegen, es wird also weiter und mehr von dort in andere Länder exportiert werden.

Recherchen haben nun ergeben, dass Obst und Gemüse aus jener Region natürlich auch bei etlichen Discountern aber auch Supermärkten in Deutschland im Regal liegt. Als „aus Spanien“ deklariert, aber, was die entsprechende Region betrifft, häufig nur mit einer vielstelligen Nummer versehen, die sich dem Konsumenten nicht wirklich erschließt.

Ich bin sicher, auch schon solches Obst und Gemüse gekauft zu haben. – Aber was soll ich nun tun? Woher weiß ich aus welcher Region eines Landes Obst und Gemüse stammt? Woher weiß ich, wie dort angebaut und gewirtschaftet wird, welche Bedingungen dort für Arbeitskräfte und Natur bestehen? Ist alles, was es auf dem Wochenmarkt gibt, tatsächlich besser, sicherer? Abgesehen davon, dass dort dann irgendwann und irgendwie auch wieder die „Preisfrage“ mit ins Spiel kommt.

Das waren nur zwei Beispiele, nur ZWEI, und schon so vielschichtig, so kompliziert, so undurchschaubar! – Unzählige, BUCHSTÄBLICH unzählige weitere, ließen sich aufzählen, natürlich nicht nur den Lebensmittelbereich betreffend, sondern alle nur denkbaren, Verbrauchs-, und Politik- und Lebensfelder – letztlich alles, was unser, was mein Leben mit ausmacht, mit bestimmt, mit beeinflusst, ob ich das will oder nicht.

Das Bewusstsein zu erlangen, anzunehmen und entsprechend damit zu leben, in all dem nur ein ganz winzig kleines Rädchen zu sein, ist schon eine immense Herausforderung.

Über dieses Bewusstsein aber mehr und mehr als Gewissheit zu spüren, als solches Rädchen immer mehr den Halt zu verlieren, ist freilich etwas, was ich (für mich) nicht zu händeln verstehe.

Kann man das überhaupt?

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Minke – „Gold Angel“

Tagebuchseite -725-

Ohne Balance – „Mittelos“

Wer schon einmal versucht hat, eine Holzleiste so auf eine kleine Stahlkugel zu platzieren, dass erstere im völligen Gleichgewicht auf der Kugel zu liegen kommt, der hat eine praktische Vorstellung davon, wie schwer es bisweilen ist, die Mitte von etwas zu finden, etwas auszutarieren, etwas in eine Balance zu bringen und darin zu halten. Wie leicht ist es hingegen, mittels einer nur kleinen Erschütterung, das Konstrukt aus Kugel und Leiste aus der Waage geraten, die Leiste vielleicht sogar abstürzen zu lassen …

Ein Leben ist nicht grundsätzlich ein Tanz auf dem Drahtseil. Auch meines nicht. Aber eine wirkliche Balance zu finden und vor allem sie dann auch zu halten, möglichst nachhaltig, das nehme ich als unsagbar schwierig war.

Nach außen hin mag ich oft als überwiegend ruhig und sogar recht ausgeglichen gelten, in meinem Inneren bin ich es eigentlich nie. Da ist ein ständiges Schwanken, zwischen Glücksempfinden und Traurig sein, zwischen Zufriedenheit über Details und Ohnmacht gegenüber dem Großen und Ganzen, zwischen Gefühlen der Freude, der Harmonie und einer gewissen Sicherheit und jenen, des Ärgers, der Angespanntheit sowie der Ungewissheit und Angst.

Das Besondere daran ist, dass ich gefühlt NIE in der Mitte bin, nicht einmal für Augenblicke, geschweige denn für einen als solchen messbaren, längeren Zeitabschnitt. Mein Schwanken bewegt sich zwischen Extremen. Ich bin entweder das eine oder das andere Extrem. Ich bin nie die Waage, das Gleichgewicht, die Mitte.

Gelassenheit, Gleichgültigkeit gar, sind kaum Momentaufnahmen, sind Fremdwortattitüden, für mich nicht wirklich zu erfassen. Und also bin ich ohne Plan sie zu leben.

Wie krass das ist und wie weh das tut, so ein schwankendes Extrem(er)leben, möchte ich an einem Beispiel kurz illustrieren:

Am Pfingstsonntag haben wir meinen wieder einmal Vater besucht. Meinen Vater, den ich über alles liebe, der mir mein wichtigster, engster und mich am längsten begleitender Freund ist.

Jede Begegnung mit ihm, ist für mich mit einem Empfinden größter Freude, wahrhaftigem ZU HAUSE seins, einer Emotion tiefer Liebe und großen Glücks verbunden. Die Gründe dafür sind so vielfältig, so bedeutend, dass ich sie hier nicht ansatzweise darstellen kann. Sie liegen in ihm, als dem Menschen, der Persönlichkeit, der Art Vater, die er ist. So war es auch am Sonntag, während dem wir sehr schöne Zeit hatten, gute und interessante Gespräche, uneingeschränkt und offen, so wie sie immer sind zwischen uns.

Ich genoss die Stunden wahrhaftig. Bis zu jenem Moment, der dann, wenn sich unsere Besuche jeweils dem Ende zuneigen, immer kommt. Dem Moment, wo ich plötzlich alles festhalten möchte, wo ich Angst bekomme, dass alles zu letzten Mal so gewesen sein könnte. Ich schaue meinen Vater an, sein gütiges Gesicht, mich überwältigt seine geistige Klarheit, seine Sensibilität, sein Zugewandt sein, die umfassende Wachheit all seiner Sinne. Und das Glück schlägt in genau diesem Augenblick um, in großen Schmerz, in eine tiefe Traurigkeit. Das Wissen, dass mein Vater in einem guten halben Jahr 90 Jahre alt werden wird, NUR dieses Wissen erschüttert alles.

Ich hoffe inständig, dass man mir diese Erschütterung, die IMMER kommt und die ich so schrecklich finde, weil sie so aufdringlich-bizarr daherkommt, nicht anmerkt.

Ich lächele, umarme meinen Vater mit meiner ganzen Innigkeit, die spätestens jetzt das unmittelbarste Gebet ist, das es nur geben kann. Und kann mich nicht wehren: Beginnend mit unserer Heimfahrt wird, ist und bleibt mein Inneres Traurigkeit, Angst, Schmerz. – Und der Beginn des nächsten Tages ob nochmals Feiertag, wie zuletzt, oder Alltag KANN kein guter, kein freier, kein gelöster, sein.

Was bleibt nach solchen Erschütterungen, nach jenen, die sind wie die geschilderte insbesondere, sind vor allem:

Abscheu gegen mich selbst, Scham, gefühlte Hilflosigkeit und Angst.

Nichts aber was Balance, was Gleichgewicht, was Mitte ist.

Was bleibt, ist der Wunsch, der Wille, der Versuch, die Leiste wieder auf die Kugel zu legen. Wie schon so oft.

Ich versuche es.

Aber ich ahne, ich weiß, dass auch dieser Versuch wieder nur Versuch bleiben wird. Denn, wie kann es mir gelingen, das in mir zu finden, was ich offenkundig eben nicht habe: Eine Mitte. Eine, die noch dazu der einen oder anderen Erschütterung zu trotzen imstande ist.

Ich lebe schon so lange ohne Mitte.

Wie lange kann man ohne Mitte leben … ?

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Bollmer – „Schöne Welt“

Sammelsurium -98- (Sechs Sprüchlein; Von etwas mir Wichtigem und ein Lied)

Nicht nur das, was unter der dicken Überschrift etwas weiter unten innerhalb dieses Sammelsuriums geschrieben steht, auch die nachfolgenden Sprüchlein stammen, wie immer in dieser Rubrik, aus einer meiner eigenen Gedankenschubladen:

Für einen sensiblen selbstkritischen Geist ist Geduld mit sich selbst zu haben, die größte nur denkbare Herausforderung und Anstrengung.

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Nicht der Tod und das Sterben sind die kürzeste Verbindung zwischen Erde und Himmel. Die Liebe und das Lieben sind es. Es braucht keinen Glauben für die Bereitschaft, das zu verstehen und anzunehmen.

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Wie schön die Welt ist, weiß niemand besser als ein zugleich in Obhut und Freiheit aufwachsendes Kind. Erwachsene wissen zumeist bestenfalls noch, wie schön sie sein könnte …

*

Die Heimatlosesten sind diejenigen, die Heimat nur in einem, oder gar in „ihrem“ Land zu sehen vermögen.

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Die Faszination der Welt der Daten und Algorithmen, einschließlich der sich in ihr immer rasanter und vielfältiger entwickelnden Möglichkeiten, bildet einen Gegenpol zum Vermögen Sachliches, Gegenständliches und Seelisches, mithin Lebendes, spüren und empfinden zu können. So gewagt diese These auch daherkommen mag, so wenig wird man sie letztlich als „falsch“ bezeichnen können.

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Zum Paradoxen des Zeitalters der sogenannten sozialen Netzwerke gehört es, das viele derer, die da mit „ihr da draußen“ angesprochen werden, vom realen und wahrhaftigen „Draußen“ zumindest unmittelbar immer weniger wahrnehmen und erfahren.

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Von dem, was ich mag, schätze und zu leben bestrebt bin:

Stärke, die nicht stark ist, sondern sanft.
Größe, die nicht groß ist, sondern das Kleine und die Kleinen sieht.
Schönheit, die nicht hübsch ist, sondern Herz.
Liebe, die nicht Sex braucht und dennoch mehr als Freundschaft ist.
Toleranz, die nicht nur duldet, sondern respektiert.
Respekt, der nicht Angst ist, sondern Rücksicht.
Empathie, die nicht Verständnis ist, sondern Verstehen wollen.
Gespräche, die nicht vor allem Sprechen sind, sondern einander Zuhören.

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Element of Crime – „Still wird das Echo sein“

Tagebuchseite -724-

Von der stehen gebliebenen Welt, dem Weg meiner Tränen und den Menschen, die dort sind, wohin die Tränen fließen

Nachdem die Besuche des verlängerten Wochenendes wieder gefahren sind und ich nach vielen Monaten wieder einmal im Kino gewesen bin (ganz allein) , finde ich mich unter einem grünen Blätterdach in der Abendsonne heimwärts gehend wieder. Heimwärts, was sich in diesem Ausgenblick nach meiner Familie, unserer Wohnung anfühlt, zugleich aber auch nach jenem anderen Land, das es hier gar nicht gibt.

Es ist dort, wo die Freunde wieder hingefahren sind, die hier waren, dort wohin ich einen Brief auf die Reise geschickt habe zu einem Menschen, der in einen Ort und zu Menschen gefahren ist, die ihm noch sehr unbekannt sind, für unbestimmte Zeit. Und es ist dort, woher ich einen überraschenden Wochenendgruß bekam, einen, der nur aus zauberhaften Zeilen bestand und der mich ganz intensiv fühlen ließ, dass mein Land ein ganz besonderes ist, wenn Menschen, die solche Gedanken, solche Grüße, solche Liebe schicken, darin wohnen.

Das Wochenende „spielte“ in diesem besonderen, MEINEM Land. Nicht in dieser Welt, die immer weniger die meine ist. Denn sie verändert sich nicht. Sie bleibt wie sie ist. Bewegt sich sogar rückwärts. Keine noch so famose neue technische Entwicklung, kein noch so vermeintlich fortschrittliches Forschungsergebnis, keine noch so engagierte gesellschaftliche Bewegung haben aus meiner Sicht bislang die Kraft eines wirklichen, überzeugenden Beweises für das Gegenteil.

Unter anderem jener Film, den ich gestern Abend im Kino sah („Die Verlegerin“, Regie: Stephen Spielberg, Hauptrollen: Maryl Streep; Tom Hanks – in unserem Kino wird dieser Film ganze zwei!!!mal gezeigt), hat mir das ganz deutlich vor Augen geführt. Gut fünfzig Jahre nach den Ereignissen, von denen die Geschichte im Film erzählt, ist es möglich, sie so zu erzählen, wie sie war. Ist es möglich, die Kritik, die Entlarvungen, die Kämpfe ungeschminkt und ungeschützt zu üben, aufzuzeigen, zu benennen. Weil es nun halt schon „lange her“ ist.

Über entsprechende Zustände, Entscheidungen, Vertuschungen heute, könnte ein solcher Film mutmaßlich nicht gedreht und gezeigt werden. Obwohl es keine grundsätzlich anderen wären. Im Gegenteil. Nur, dass sie AKTUELL wären bzw. sind. Erschreckend aktuell. In einer Welt freilich, deren Potenziale sich selbst in Frage zu stellen, bei Weitem größer und folgenlastiger sind als vor 50 Jahren.

Das ist die einzige WIRKLICHE, weil umfassend relevante Entwicklung, die unsere Welt seither genommen hat.

Die Welt, die immer mehr der zahlreicher und komplexer werdenden Fragen der Menschheit unbeantwortet lässt. Die Welt, in der die Diskrepanz zwischen Arm und Reich immer größer wird. Die Welt, deren Ressourcen sich selbst zu bewahren immer geringer werden, weil die Realität ihrer durch den Menschen begonnenen und fortgeführten Vernichtung nach wie vor voranschreitet. Optimisten meinen mit geringerem Tempo … Die Welt, in der schrankenloser Egoismus und Machtgier ebenso wie Nationalismus, religiöser (bzw. religiös verbrämter) Fanatismus und Rassismus nicht abnehmen sondern anwachsen. Ungeachtet von Gegenbewegungen etwa mit Blick auf gleichberechtigte Teilhabe ALLER Geschlechter.

Wenn ich das so schreibe, fühlt es sich wie ein Versagen meinerseits an, der ich schließlich Teil jener Welt bin, die ich als sich nicht wirklich progressiv und positiv weiter, sondern sich gar rückwärts entwickelnd wahrnehme und beschreibe. Nach Versagen und eigener Schwäche. –

Mir hat es gestern während des Films mehrmals die Tränen in die Augen getrieben – ich empfand so sehr die Zerrissenheit der mutigen Menschen mit, die sich da gegen die Mächtigen stellten. Und ich fühlte mich hernach als wäre ich nun doch zu jenem Fatalisten mutiert, der ich um keinen Preis jemals werden oder gar sein wollte. Übrigens ein seltsamer Fatalist, der nicht glaubt, dass es Schicksal gibt. Der im Bezug auf Schicksal letztlich immer wieder nur eine Ausrede sieht.

Das mit den Tränen geschieht mir übrigens immer öfter. Ich fühle mit (und das wird immer noch intensiver) und fühle mich zugleich so hilflos. Ich nehme immer mehr Situationen wahr, anlässlich derer ich so empfinde und reagiere. Und nur froh bin, wenn das niemand bemerkt. So, wie gestern Abend im Kino.

Meine Tränen, auch das hat mein Bewusstsein zuletzt sichtbar für mich zutage gefördert, sind es vor allem, die mich oft, sehr oft nun, in MEIN Land tragen.

Ich kann gar nicht beschreiben, wie froh, wie glücklich ich bin, dass ich darin unter eben den bzw. solchen Menschen bin und sein darf, wie jenen, von denen ich oben geschrieben habe …

***

Sophie Zelmani – „Wind took my sail“

Verse -60-

Mai

Neu geboren, zartes Grün
durchflutet von Sonnenstrahlen,
so seh‘ ich den Lenz zum Vogelsang
Bilder in Herzen malen.

Hinaus! Hinaus in die Natur,
zum Tanz der Schmetterlinge,
summen mir die Bienen zu
und Schlüsselblumen klingen.

Still wird nun meine Traurigkeit
im Schwirren und Flirren der Lüfte.
Ich schau ein Kind mit Blumenkranz
und atme Frühlingsdüfte.

Ich lad‘ Dich ein: Begleite mich!
Will Sang und Farben teilen.
Mein Herz wünscht sich, ganz eben so
im Mai nur zu verweilen.

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Es ist schon das dritte Mal, dass ich ein Lied von Heather Nova in bestimmter Weise passend zu Versen finde, die ich geschrieben habe. Ich kann nicht anders als wieder und wieder Lieder von ihr hier zu teilen. Ich mag die Musik, ich mag die Arrangements, die Interpretation, die Texte (soweit ich sie mir zu erschließen vermag) und ich mag die Stimme der Sängerin. Sehr! – Ein besonders bezaubernd schönes Lied ist dies hier:

Heather Nova – „What a feeling“