Verse -93-

Herbstabend

Wind trägt den Zweigen ihre Zierde fort,
Blatt für Blatt,
dem Himmel und der Erde entgegen.

Letzte Sonnenstrahlen brechen ihr fahles Licht
durch das sich wiegende Geäst.

Nach und nach verblassend
umspielen sich ihre Schatten auf dem Weg,
währenddessen der Sonnenball im Horizont versinkt.

Stille macht sich breit im leisen Wind.
Und Kühle zieht herauf.

Nur ein Vogel ruft noch irgendwo,
als wollte er dem ersten Nebelschwaden 
ein Zeichen für den Aufbruch geben.

Alles geht, geht fort, auf die Reise:
Die Blätter, die Sonnenstrahlen,
der Laut des Vogels und die Nebel.

Ich stehe vor diesem Gemälde und schaue,
und spüre, 
dass auch meine Seele auf eine Reise geht.

*

Ich werde nun auch auf Reisen gehen, nicht lange, aber so, dass ich hoffe, dass es reicht ein wenig Atem zu holen. Nach mehr als 1 1/2  Jahren werde ich fast alle meiner wenigen besten Freunde wiedersehen. Ich freue mich so sehr darauf. Und ich denke auch, dass es gut ist, dass ich an anderem Ort sein werde, bis kommenden Donnerstag …

***

Von Sharon van Etten habe ich schon Lieder geteilt. Sie ist eine ganz eigene amerikanische Sängerin und Songschreiberin, unglaublich vielseitig, vom Stil her zwischen Folk, Rock, Indie-Pop und Country changierend. An Instrumenten beherrscht sie neben der Gitarre, das Klavier, die Klarinette und die Violine. – Eines ihrer neueren Lieder interpretiert sie nicht allein, sondern in einem wundervollen, sanften und zugleich kraftvollen, zauberhaft gesungenen Duett, gemeinsam mit ihrer Kollegin Angel Olsen. Hier ist dieses kleine Meisterwerk:

Sharon van Etten & Angel Olsen – „Like I used to“

Verse -92-

Vom Weg der Zeit, der Sonne und des Menschen

Ich bin so oft Angst und ich bin so sehr Trauer,
wenn ich auf die Welt seh', so wie sie ist,
Und wie sie immer mehr gemacht wird, 
von den mit ihr Beschenkten, von Menschen.

Menschen, die nicht zu begreifen vermögen,
dass Liebe das einzige ist, was die Erde
und was sie selbst zu retten imstande wäre. -
Wahrscheinlich ist es längst zu spät zu begreifen.

Die Stille der Zeit, die im Jetzt kaum jemand
zu spüren imstande ist, wird ewig sein,
wenn der Mensch sich selbst 
und sein Geschenk, die Erde, besiegt hat.

Und, wenn die Letzten,
im Angesicht ihres Vergehens barmen werden,
dass sie es doch nicht gewollt haben, so,
wird  sie das einzige sein, was bleibt.

Und die Sonne wird weiter am Himmel stehen.
So wie sie heute lachende Kinder bescheint
und unschuldigen Toten noch Wärme sendet, 
die diese nicht mehr erreichen kann.

Und selbst jenen Licht spendet, die Dunkles tun
und anderen, die wenig haben, 
noch Hoffnung sein möchte.
So wird sie scheinen und scheinen.

Sie wird weiter am Himmel stehen,
wenn Erde und Mensch längst vergangen und
wenn die Stille der Zeit das einzige sein wird
was außer ihr geblieben ist.

Sie wird unschuldig sein, so,
wie sie es immer war und heute ist.
Und wie der Mensch zu keiner Zeit zu sein fähig war,
weil er seinen einzigen Sinn, 
zu lieben, wahrhaft und allumfassend,
niemals verstanden hat.

***

Cigarettes After Sex ist eine US-amerikanische Indie-Dream-Pop-Band, die 2008 in El Paso, Texas, gegründet wurde und im Jahr 2017 ihr erstes Album veröffentlicht hat. Ein zweites folgte 2019. Bekannt wurde die Gruppe zunächst vor allem über youtube. Die Band ist bekannt für ihren ätherischen, oft traumartigen Musikstil. Ich mag ihre Musik sehr, und auch ihre Texte. Eines ihrer vielen ansprechenden und hörenswerten Stücke ist „Apocalypse“:

Cigarettes after Sex – „Apocalypse“

Verse -91-

Liebeslied

Deine schöne, sanfte Stimme
trägt mich übers Sommerland,
lässt mich schweben, lässt mich gleiten,
mich, der gar nicht fliegen kann.

Blumenmeere seh' ich wogen.
Kinderlachen streift die Weiten.
Sterne zwischen Federwolken
mich auf meinem Flug begleiten.

Doch dann wird deine Stimme leiser,
Tränen rauschen ihren Klang.
Ich unterbreche meine Reise,
schau dich aus Augen flehend an.

Das schöne Lied ist nun zu Ende,
verklungen deine Melodie.
Schau mein Haupt, das Herz, die Hände
und weiß: Fliegen werd' ich nie.

Auch in deinem Blick sind Tränen,
denn was wir fühl'n sind ich und du.
So such ich nun, für dich zu singen
und spür': du hörst dem Mühen zu!

Also geht  uns're Reise weiter,
nicht rasch, nicht weit, mal Flug, mal Schritt.
Doch in Gewissheit, uns zu haben,
nehmen wir einander mit.

Ich hör' nicht auf, an dich zu glauben,
bleibst du auch Traum und Illusion.
Fühl' ich mich am Boden kleben,
such' ich aufs Neu' stets deinen Ton.

***

Old Sea Brigade und Luke Sital-Singh sind zwei Sänger und Songschreiber, die sich bei einer Show, während der sie jeweils einen Auftritt hatten, kennengelernt haben. Dieses Kennenlernen begründete die Freundschaft zwischen Ben Cramer (Old Sea Brigade) aus den USA und Luke Sital-Singh aus Großbritannien. Wie inspirativ diese Freundschaft ist, beweist das nachfolgende wundervolle Lied:

Old Sea Brigade, Luke Sital-Singh – „Call me when you land“

Verse -90-

Sonne

Du bist die einzige geblieben,
die mir manchmal ein Streicheln schenkt,
welches auch mein Körper spüren kann.
Wenn eine Brise des Windes dich ihre Freundin sein lässt,
dann streichelt ihr mich beide,
meine Arme, meine Beine, mein Gesicht.

Dieses Streicheln macht das Erinnern stärker,
daran, dass da irgendwann einmal Menschen waren,
die mich so berührten und daran, 
wie sehr, wie tief, ich mich darin verlieren konnte,
bis ich selbst zum Streicheln wurde. 
Achtsam, sanft, aus tiefster Dankbarkeit geboren.

So bin ich nun dir dankbar, dir und jener Freundin,
mit der du mich bisweilen gemeinsam besuchst,
obgleich die Erinnerung, die ihr wiedererweckt, 
schmerzhafter nicht sein könnte.
Aber du nimmst meine Liebe an, die nichts als aufrichtig ist
und nichts möchte, als bemerkt zu werden.

Du bist die einzige und wirst es bleiben, 
die mich nicht traurig werden lässt,
weil ich dir kein Streicheln schenken kann,
keines, was dein Körper spüren könnte.
Versuchte ich es, würde ich verbrennen,
so wie an Menschen, die ich streicheln durfte. Einst.

***

Nadia Reid ist eine Sängerin und Songschreiberin aus Neuseeland. Obwohl sie inzwischen drei Alben veröffentlicht hat, ist sie nach wie vor nur einer relativ kleinen Fangemeinde bekannt. Wie ich finde, völlig zu Unrecht. Ihr Markenzeichen ist ein sehr schöner, eindringlicher, klarer und ruhiger Folkpop, der keinerlei Effekthascherei bedarf, um ebenso hörenswert wie tiefgehend zu sein. Das Lied, das ich hier teile, ist dafür ein sehr treffendes Beispiel:

Nadia Reid – „The arrow and the aim“

Verse -89-

Tragischschöne Liebe

Wenn ich Deine Schmerzen fühlte
und Deine Ängste meine würden,
so läge darin großer Sinn.
Denn Du wärst freier, könntest leben,
wann immer ich Begleiter bin.

Begleiter Deiner schönen Seele,
die so vielen alles gibt
und kennt kein Rasten und kein Zaudern,
wenn irgendwer im Argen liegt.

Du würdest mir nicht Last bedeuten, 
obgleich Du das nicht glauben magst,
weil Du kennst all die Dämonen,
die meinerseits ich in mir trag.

*

Wenn Du meine Schmerzen fühltest
und meine Ängste Deine würden,
so fänd' ich darin keinen Sinn.
Ich fürchtete, Du könntest sterben,
wenn ich Dein Begleiter bin.

Begleiter zärtlichen Charakters,
der manchmal starke Schultern dingt,
weil dieses harte, laute Leben
Dich kaum ehrt, die Segen bringt.

Ich fühlte, Last Dir zu bedeuten,
obwohl Du das nicht gelten ließ'st,
weil Du, ein feengleiches Herz,
was Leben ist, stets völlig liebst.

*

Kennend, wissend ohne Worte
sind wir ein tragischschönes Paar.
Ich bin Du und Du bist ich -
einsam zweisam allerorten,
auf Suche bleibend, ewiglich.


***

„Black Sea Dahu“ ist eine Folkband aus der Schweiz, die ich, wie so viele andere Bands und Künstlerinnen und Künstler, die Lieder texten, komponieren und interpretieren, auf einer mir vorgeschlagenen Playlist entdeckt habe. Janine Cathrein, die selbst Songs schreibt, ist der Kopf der Gruppe, in der ansonsten Freunde und Familienmitglieder (Bruder und Schwester) gemeinsam spielen und singen. Die Musik ist natürlich, ursprünglich und sehr angenehm zu hören, der Text des von mir herausgesuchten Liedes ein durchaus tiefer, der auf gewisse Weise sogar zu meinen Versen da oben passt. Hier ist es, von einem Video begleitet, zu hören:

Black Sea Dahu – „In case I fall for you“

Verse -88-

 Schneeflocken
  
 Nun tanzt ihr hernieder 
 in Formen so reich,
 zu erkennen nicht wieder,
 denn kein einz'ge ist gleich.
  
 In der Kälte geboren
 und doch wunderschön,
 zur Milde gefroren
 und fein anzuseh'n.
  
 Seid ihr viele Sternlein
 wie Daunen so weich
 so sanft, weiß und rein,
 macht Herzen ihr leicht.
  
 Euer Tollen und Schweben,
 überm Meer und an Land -
 es kündet von Leben,
 was oft noch verkannt.
  
 So möcht' ich euch lieben,
 selbst wenn ich doch frier.
 Bleibt noch etwas liegen!
 Bleibt etwas noch hier!
  
 * 

Für mich eines der allerschönsten „Schneeflockenlieder“ ist dies hier von Sia. Zwar ist im Text die Rede davon, dass die Freiheit der Schneeflocke am Weihnachtstag komme. Mit der Botschaft von Weihnachten im Herzen, und dort sollte sie ja für jeden Tag des Jahres bewahrt sein, ist der Text des Liedes aber eine ganz grundsätzliche wundervolle Liebeserklärung an die Schneeflocken, und wer ein bisschen Fantasie hat, wird viele wundervolle Metaphern darin entdecken können. Deshalb, wegen seiner zauberhaften Melodie und dem besonderen Gesang, liebe ich dieses Lied … :

Sia – „Snowflake“

Verse -87-

 Jahreswechsel
  
 Du gehst fort, kommst nie zurück,
 gehst hin in alle Ewigkeit.
 Dein' Melodie von Leid und Glück
 ist morgen schon Vergangenheit.
  
 Doch hast du mir ins Herz geschrieben
 in meine Seele, mein Gesicht,
 die Noten deiner Lieder alle.
 Sie werden dort verlöschen nicht.
  
 So bist du fort und doch zu spüren,
 unwiederbringlich und doch da
 selbst wenn ich wollt, nicht zu verlieren,
 als weit'res, meines Lebens Jahr.
  
 Gezeichnet noch von deinen Spuren
 hör' ich nun unbekannte Lieder,
 schau, wie etwas greift den Stift,
 fühl'  Schmerz und Freud' aufs Neue wieder.
  
 Gescheh'n all das in einer Nacht,
 eröffnet weiteren Lebens Lauf,
 lausch'  wie es weint und wie es lacht
 und mache meine Augen auf.
  
 Und seh' ein neues Jahr nun sitzen,
 ganz jung auf dem Zwölfmonatsthron
 schon Zeichen in mein Antlitz ritzen
 und komponieren Ton für Ton.
  
 Wie's klingen wird das neue Lied ...
 zu erfahr'n ?  - Ich geb nichts drauf!
 Wissend, dass ich selbst muss finden,
 mein' Weg durch jeden Jahreslauf.
  
 *

Das nachfolgende Lied hat keinen Bezug zu den Versen da oben. Ich möchte es einfach hier teilen, weil ich es mag. 

Sharon van Etten habe ich erst relativ spät entdeckt im Allgemeinen und noch später im Besonderen für mich. Und so sind es auch immer wieder ältere Lieder dieser US-amerikanischen Sängerin, Songschreiberin und seit jüngerer Zeit wohl auch Schauspielerin, die mich jeweils ganz neu begeistern, so wie „Save yourself“.

Immerhin kann und darf man die Botschaft der Titelzeile sehr gut und sehr gern als Prämisse für ein sensibles „Ich“ über ein neues Jahr schreiben. Und so hat denn das Lied vielleicht doch ein bisschen mit meinen Versen da oben zu tun … :

Sharon van Etten – „Save yourself“

Verse -86-

(An meine) Seele

Du Sanfte, ach, Du Schöne,
könnt' ich Dich nur berühren,
wo Du grad' so alleine sinnst,
schimmernd durch die Träne,
die wir gemeinsam spüren.
 
Tapfer bist Du und sensibel
und Heimat meinem Herzen,
wann immer sich's dem Leben stellt,
dem Glitzern und der Schmach der Welt,
nimmst Du auf Dich die Schmerzen.
 
Du Zarte, ach, Du Feine -
so oft bin ich zu schwach für Dich.
Vermag Dich kaum zu halten,
versage, hard're, weine.
Dann wirst Du still und tröstest mich.
 
Bist selbst verletzlich, Kämpferin,
und meinst doch immer: Liebe!
Darin liegt Dein ganzer Sinn.
Strebst nicht nach Dank, nicht nach Gewinn,
suchst immer nur nach Frieden.
 
Du Sanfte, ach, Du Schöne -
ich mag's ja doch, Dein Wesen,
das alles sieht und hört und fühlt,
doch nie mit and'rem Leben spielt.
Ach, könnt'st Du nur genesen ...
 
***
Andrea Mazza & Max Denoise  - "State of soul"

Verse -85-

Die mich regieren

Sind niemals zu sehen,
doch unfassbar stark.
Machen mich glücklich
oder traurig ins Mark.
 
Lassen mich schweben
und schlagen auch auf.
Mal spür ich nur Leben.
Mal gebe ich auf.
 
Möchte sie lieben,
so oft sie auch quälen.
Denn gäb' es sie nicht,
würd' gar nichts mehr zählen.
 
Lassen mich freuen,
sind unendlich viele,
und dann wieder leiden.
Sind vollkommen Ich:
 
Meine Gefühle.
 
***
 
Kodaline - "All I want" (Part 1) 

Verse -84-

Was geht und bleibt

Halte ein Vöglein in der Hand,
das mocht‘ und möcht‘ ich lieben.
Doch nun erhebt sich’s übers Land.
Ich hinder’s nicht am Fliegen.

Es sieht meine Tränen nicht,
weil ich nach innen weine,
versteht nicht mehr, was aus mir spricht
und wie ich Gesten meine.

Die Freiheit, die ich in mir trag,
ist ihm zu klein geworden.
Was ich noch zu geben hab‘,
wiegt nicht genug für morgen.

Vielleicht ist lang schon Illusion,
was ich noch immer glaube.
Vielleicht fraß Lebens Falke schon
längst des Traumes Taube.

Ich rufe noch, doch tu‘ ich’s leise,
ich kann und mag nicht zwingen.
Bleib‘ nun allein auf meiner Reise.

Und höre Vöglein singen …

***

Es ist lange her, dass ich hier ein Lied der wunderbaren schwedischen Sängerin und Songschreiberin Sophie Zelmani geteilt habe. So viele Jahre sie ihre ausdrucksstarken und schönen Lieder geschrieben und zu Gehör gebracht hat, so sehr ist sie doch wohl immer nur einer relativ kleinen Hörergemeinde vertraut geworden und geblieben. Für mich ist sie eine der besten ihres Fachs, leise und unverwechselbar und so unglaublich sehr: Poesie. Ein Beispiel, welches das eindrucksvoll belegt, ist auch dieses Lied:

Sophie Zelmani – „I’m the rain“

 

Verse -83-

Demut und Hoffnung

(Verse an und für mich)

Ich verschenke mein Lächeln
und behalte den Schmerz,
und ich will nicht mehr länger klagen.
Ich zeig‘ euch die Sonne,
verteile mein Herz,
und verwahre die bangen Fragen.

Ich stimme euch freundlich,
will niemandem Last sein,
behalt‘ sie für mich, meine Traurigkeit.
Ich mag euch vergeben,
euch Hilfe und Halt sein,
die mir verbleibende Zeit.

Ich werde mich freuen,
wenn’s euch nur stets gut geht.
Und will dafür dankbar sein,
wenn ihr glücklich und froh seid
und so frei wie der Wind weht
und nicht wisst, wie es ist, ganz allein.

Ich verschenk‘ meine Liebe,
mein Glück, mein Vertrauen,
so lange, bis alles gegeben.
Ich werd‘ nichts mehr fordern,
nur still darauf bauen,
dass es nicht umsonst war, mein Leben.

***

Wieder einmal eine Liedperle, die vergessen worden ist, bevor sie bekannt werden konnte:

Josephin Busch – „Wovor hast du Angst“

Verse -82-

Vom Wunsch zu teilen

Ich sehe mich am Ufer sitzen,
am malerischen, schönen See,
die Sonne auf den Wellen blitzen,
Fischlein durch das Wasser flitzen,
so friedlich. – Doch in mir ist Weh.

So gern möcht‘ ich den Frieden teilen,
die Schönheit und der Sonne Strahl.
Doch kann ich nur allein verweilen,
während die Gedanken eilen.
Zeit und Zeit und Mal für Mal.

So viele Wünsche, so viel Beten,
schreib ich nur wieder auf Papier,
dem Herzen folgend, ungebeten.
Auf das es Seelen finden täten
allein an Seen, wie ich grad hier.

So wenig Zeit ist uns gegeben
und noch viel weniger an Raum,
zu teilen wahrhaft unser Leben,
Freude, Leid und Sehnsuchtsstreben. –
An manchem See stirbt mancher Traum.

Als ich nun wieder Schritte setze,
schau ich ein winz’ges Blümelein,
ein zart Gesicht, leicht zu verletzen.
Beschließ‘, mich zu ihm noch zu setzen.
So sind wir beide nicht allein.

***

HAEVN – „Where the heart is“

Verse -81-

Fatale Wahrheit(en)

Nicht Dein Lachen spricht, was wahr ist.
Dein Reden sagt nicht, was Du denkst.
Nicht eine Deiner schönen Gesten
lässt ahnen, was Du stets verdrängst.

Du gibst Dich freundlich und scheinst heiter.
Dein Charisma ist Sympathie.
Wo’s schwer ist, machst Du emsig weiter.
Dass Du schwach bist, zeigst Du nie.

Stets hörst Du zu, suchst zu verstehen,
nimmst den Alltag mit nach Haus.
Willst nicht gewinnen, nur bestehen,
doch leer sieht’s in Dir drinnen aus.

Du kannst nicht weinen, magst nicht klagen,
denn die Leere bist ja Du,
in der es schreit, das scheinbar Stille,
so hoffnungslos und immerzu.

So lebst Du fort und lächelst weiter.
Denn hörst Du auf, stirbt Deine Zeit,
die Du hast unter den Menschen.
Was Dir dann bleibt ist: Einsamkeit.

Sie ruft nach Dir, die fahle, schöne,
verheißt Geborgenheit und Ruh‘,
ist doch auch Sehnsucht, Schmerz und Trauer.
Was denkt, was meint Dein DU dazu?

Nun ist die Frage aller Fragen
also gestellt, doch bleibt’s dabei:
Nicht einsam und nicht unter Menschen –
Nirgends bist und wirst Du frei.

***

Das Paradies – „Eis auf einer Scholle“

 

Verse -80-

Hoffen und Wünschen

Bist Du der Wind,
der meine schweren Gedanken fortnimmt
als wären sie Wolken am Himmel?

Bist Du das Wasser,
das meine wirren Spuren verschwinden lässt,
wie jene, die das Meer vom Strande nimmt?

Bist Du der Regen,
der mir das Grau von der Seele wäscht?
Fort allen Trübsinn, alle Ängste,
wie die klebende Staubschicht
von einer Sommerwiese,
welche hernach glitzert und funkelt
im Gold der Sonne,
der wärmenden,
die Du bist?

*

Ich möchte Dein Wind sein
und Dein Wasser.
Ich möchte Dein Regen sein.
Und Deine Sonne.

Deine Sonne vor allem …

***

French 79 feat. Sarah Rebecca – „Diamond Veins“

Verse -79- (und ein Zusatz …)

Ein Weihnachtswunsch

Es sind des Jahres letzte Tage,
wenn scheinen wieder Lichter mehr.
Nach Novembers grauer Plage
schimmert nun ein Kerzenmeer.

So ist es hier in uns’ren Breiten
immer wieder, jedes Jahr.
Es sind die heimlich schönen Zeiten
des Traums, dass Wünsche werden wahr.

Doch anderswo, da bleibt es dunkel.
Kein Traum, kein Hoffen in der Not.
Nicht zu denken an Gefunkel,
wenn’s fehlt an Wärme, Heim und Brot.

Ich schau hinauf zu all den Sternen,
seh‘ glitzern sie, milliardenfach –
bis hinein in weite Fernen.
Und ein Wunsch wird in mir wach:

Ein jeder Mensch, der sollte haben,
je einen Stern vom Himmelszelt
statt aller and’ren Weihnachtsgaben
und Geschenke dieser Welt.

So wäre Licht auf ganzer Erden,
und jeder dürfte Hoffnung sehn.
Ach, könnt‘ es doch genau so werden!
Weihnacht wär‘ dann wahrlich schön!

**

Diese Verse da oben sind vor zwei oder auch drei Wochen entstanden. Was ich seinerzeit noch nicht ahnte, ist, dass etwas Besonderes bislang für mich Einmaliges mit ihnen geschehen würde. Entwickelt hat sich die Geschichte so:

Seit der gegenseitigen Vorstellung in der ersten Schulwoche, während der ich von den Schülern meiner so gemochten 5.Klasse auch nach meinen Hobbys gefragt worden bin, und ich wahrheitsgemäß antwortete, das eines meiner Hobbys das Schreiben sei, gingen mir die kleinen Geister nicht mehr von der Seite: „Ach, Herr S., lesen sie uns doch mal was vor, von dem was sie so schreiben?“, „Schreiben sie auch Gedichte – das ist ja cool, tragen sie uns mal eins vor?“, „Ach bitte, trauen sie sich doch mal, wir wollen ja nur mal zuhören.“ Und so weiter.

So ging das wochen-, ja monatelang – immer wieder erinnerten sie sich an ihren Wunsch und „locherten“ mich damit.

Nun nachdem vor eben zwei, drei Wochen das Weihnachtsgedicht entstanden war, und das Fragen wieder lauter wurde, habe ich eingelenkt und gesagt: „Gut, aber nur, weil es ein Weihnachtsgedicht ist und ja bald Weihnachten ist. Und nur für euch hier. “ Und habe die Verse dann halt zu Beginn einer Deutschstunde vorgelesen.

Die ganze kleine Schar hörte gebannt zu, und als ich geendet hatte, nach einer kleinen Sekunde der Stille, bekam ich genauso einen herzlichen Applaus wie Leo, der Junge mit der Lese-Rechtschreib-Schwäche, wenn er eine gute Leistung schafft. – Aber damit begann es erst.

Denn nun meinten sie, dass man mein Gedicht doch noch in den Programmabschnitt, den die Klasse zum Weihnachtsschulprogramm der 4. – 6.Klassen vorbereitet, aufnehmen müsse.

All mein Protestieren half nichts. Schnell ließen sie im Tagesverlauf jeweils zwei Schülerinnen bzw. Schüler das Gedicht mit verteilten Rollen lesen und entschieden dann in einer Hofpause demokratisch, wer die beiden Vortragenden sein sollten. Die Wahl fiel auf zwei Mädchen, die tatsächlich besonders schön und ausdrucksstark zu lesen vermögen.

Nun habe ich also am kommenden Mittwoch Premiere. Mein Gedicht wird tatsächlich vor der versammelten Schüler-, Eltern-, und Lehrerschaft der 4. – 6. Klassen zum Vortrag gebracht werden. Ganz öffentlich. Von jenen beiden Mädchen im Kontext des kleinen Weihnachtsprogramms der 5. Klasse.

Es ist, abgesehen von den Bloglanden hier, nun also tatsächlich das erste Mal, dass etwas, was ich geschrieben habe, viele Menschen hören, live, so richtig mit Ansage, Namensnennung des „Autors“ und so weiter.

Und ich werde dabei sein (müssen). – Ich glaube ich bin mindestens so aufgeregt wie die Kinder „meiner“ 5.Klasse, dieser unglaublich lieben, einmaligen, freundlichen und einfallsreichen kleinen „Bande“.

So richtig fassen kann ich das Ganze immer noch nicht …

***

Das nachfolgende Musikstück und beinah noch mehr das Video sind irgendwie herzig, allerliebst. Ich habe es schon seit einigen Monaten auf meiner Playlist.

Die Sängerin und Songschreiberin FEE, die es interpretiert ist inzwischen längst solo unterwegs, weil sie mit dem Musikkommerz in Konflikt geraten ist, sich schließlich bewusst von diesem abwandte und sich entschieden hat, ihren eigenen Weg zu gehen. So ähnlich hat sie es selbst erzählt, als sie im August das Vorprogramm anlässlich des Katie-Melua-Konzerts in Schwerin bestritt, das ich seinerzeit besucht habe.

Ich fand es sehr schön, als ich dort auch das nachfolgende Lied wiederhören durfte:

FEE – „Wie bei den Magneten“

Verse -78 –

Samstagabende

An wie vielen Samstagabenden,
wie an diesem Samstagabend,
schauen hinter Fenstern
Augen in die Leere?
An wie vielen Samstagabenden,
wie an diesem Samstagabend,
ist so ein großes Suchen und Wünschen
hinter jenen Fenstern?
Das genau weiß,
was es sucht oder wünscht.
Und doch gar nichts weiß.

Die Samstage sind die Schlimmsten,
weil sie die Abende der Geselligkeit,
des Frohsinns, und mancher Liebe sind.
Die Abende der Zeit für etwas Schönes,
für etwas, was Leben lebenswert macht.

Die Mädchen, die Frauen, die Alten,
die Kranken und Vergessenen,
darunter auch Männer,
suchen einzutauchen,
in Geschichten und Melodien und Bilder.
Lassen Gedanken wandern,
in die Natur und in die Erinnerung.
Erinnerung an andere, an freudige Tage,
wenn es sie denn gab.

Um Leben zurückzuholen oder wiederzufinden
oder überhaupt erst zu entdecken.
Träumend, hoffend, bittend und zweifelnd,
wieder und wieder, daran,
was und wie denn Leben eigentlich ist.
Ist es schließlich nicht alles Leben,
das der anderen da draußen wie das eigene?

Samstagabende, wie dieser Samstagabend,
geben keine Antworten auf diese Frage.
Samstagabende, wie dieser Samstagabend,
machen diese Frage nur so sehr bewusst.
Um vieles bewusster als andere Tage
und andere Abende.
Und schmerzhafter.
Und vergehen in Sinnen und Sehnsucht und Alleinsein.
Vielleicht …

***

Johannes Oerding – „Blinde Passagiere“

Verse -77-

Vom Sinn des Grau im Herbst

Nebel wallen durch die Tage.
Pflastersteine glänzen nass.
Über allem steht die Frage:
Farbe Grau, wem nützt du was?

Nebel ziehen durch die Nächte,
schließen alles Sehen aus.
Was ich dir noch sagen möchte,
bring ich mit keinem Ton heraus.

Nebel schleichen sich in Seelen,
decken zu die Fantasie.
Herzblut wird zu starren Stehlen.
Totenstill ist’s in der Früh.

Wenn sich die Nebel wieder heben,
befreit das Grau noch viele Farben,
gibt meiner Stimme wieder Leben:
Kann dir nun meine Liebe sagen!

Wenn die Nebel wieder schwinden,
Tätigkeit bald neu gelingt.
Die verblieb’nen Vögel künden,
dass auch Herbstzeit Freude bringt.

Die Botschaft ist: Das Grau muss sein,
währt es auch lang und wiegt es schwer.
Bewusst zu machen Farbenschein
und Lebens Sinn: die Wiederkehr.

***

Winona Oak – „Break my broken heart“

Verse -76-

Wozu?

(Ballade einer Depression)

Ich hör‘ die alten Melodien,
ich hör‘ sie mit dem Herzen.
Sie sind Erinnerung, zu schön,
deshalb werd’n sie zu Schmerzen.
Doch neue, die so ähnlich sind,
tun gleichfalls mir so wehe,
sie klingen wie ein letzter Traum,
den ich entschwinden sehe.

Ich kann Erinnerungen schauen,
mein Herz kann sie erkennen,
als Zärtlichkeit noch Chance war.
Nun seh‘ ich sie verbrennen.
In ihrem Rauch stirbt auch das Hoffen,
dass es noch einmal anders würde.
Denn keine Tür steht jetzt mehr offen.
Versäumtes wird zur ew’gen Bürde.

Liebesmenschen, längst gegangen,
die weiß mein Herz bis heut‘ zu spüren,
weiß, wie sie sprachen, halfen, sangen,
um mich in Licht und Glück zu führen.
Weiß auch, dass die mich neu begleiten,
in Ihren Seel’n sind gleich so schön,
mich behutsam mögen leiten,
dass ich nicht letztlich bleibe steh’n.

Dies alles aber nährt die Quelle,
die Sehnsucht heißt und so sehr schwillt,
dass Bahn sie bricht als starke Welle,
strömend, salzig , heiß und wild.
Ich seh‘ die guten Menschen winken,
doch Tür’n sind zu, Traum über Bord,
und mein Herz droht zu ertrinken.
„Wozu?“, frag‘ ich mich immerfort.

***

Das folgende Lied ist eins, welches mir das Vermissen, das mein ganzes Leben lang währt und währen wird, sehr bewusst macht. Aber ich mag dieses Lied. Ich mag es sehr! Es drückt aus, was ich nicht aufhören kann, mir zu wünschen. –  Wer dieses Lied versteht, versteht mich.

In einiger Abwandlung eines Kommentars, den jemand in Anspielung auf den Namen der Band, die dieses Lied erschaffen hat und zu Gehör bringt, unter den Videoclip dieses Liedes gepostet hat, schreibe ich hier:

Ich rauche nicht.

Und meine Seele ist Jungfrau.

Aber ich liebe dieses Lied.

So sehr …

Cigarettes after Sex – „Haevenly“

Verse -75 –

wenn ich nur will
(eine tautropfenmetapher)

wenn keine sehnsucht mehr
zu stillen ist
weil ich gefangen bin,
in pflichten und ängsten,
wenn die letzte schließlich
gar zu sterben anhebt,
dann – immer genau dann –
versuche ich,
an den ursprung zu denken.

an den ursprung, an das wasser,
aus dem alles geworden ist
und alles wieder wird.
auch, was einst schon starb.

jeder tropfen bedeutet leben.

und auch die letzte
oder einzige träne
ist es noch, und bedeutet:
leben!

so schwer es mir noch fällt
an dieses elixier zu glauben,
wenn es seine heiße spur
auf mein gesicht zeichnet,
so sehr erinnert es mich an tau,
wenn es dann glitzernd kühler wird:

an den tau eines neuen morgens.

diese erinnerung, dieses bild,
ist hoffnung,
ist neues beginnen,
immer und immer wieder.
unvergänglich, wenn ich will.
so wie das wasser.

ich bin die blume,
die einen tautropfen trägt.
einen tautropfen,
der hoffnung ist:

beginnen! –
ganz aus mir selbst.

wenn ich will …

***

J.P.Cooper , Astrid S – „Sing it with me“

Verse -74-

Begegnung und Erfahrung

Schaust mich aus braunen Augen an –
Lächeln ist dein ganzer Blick!
So, dass ich mich nicht wehren kann:
Mich streift ein süßer Hauch von Glück.

Der Moment ist schnell vorbei
als du mich hast passiert.
Augenblicklich fühl‘ ich mich
als wenn ich was verlier.

Seh‘ dein Gesicht noch stundenlang,
obwohl du längst verschwunden.
Jetzt macht mich dein Lächeln krank
und nährt all meine Wunden.

Ich kämpfe mich dagegen an.
Versuch, mich zu besinnen.
Und also such‘ den Schlüssel ich,
und find‘ ihn tief im Innen.

Dort, wo die Schönheit wirklich wohnt,
die meinte ich zu schauen,
als dein hübscher Blick mich traf
und ich gleich wollt‘ ihm trauen.

Doch ist ein Lächeln nur Komet.
ein Streif, der schnell verglüht,
der allein uns kaum verrät,
ob er wahr für Schönheit steht.

Zwar will die Sehnsucht noch nicht schwinden,
und bleibt in mir ein bisschen Weh.
Doch werd‘ ich’s nach und nach verwinden,
dass ich dich niemals wieder seh‘.

***

Es gibt immer wieder Lieder, die wie Bernstein sind. Verborgen und doch da. Man kann sie nicht suchen. Man muss sie finden. Das Lied „Start again“ ist so ein Lied, ein Bernstein, der eigentlich schon ein Edelstein ist.

Die Interpretin und Schreiberin des Liedes ist, obwohl sie schon einige Jahre Musik macht, immer noch so unbekannt, dass sie keinen Eintrag in einem gängigen Internetlexikon hat. Jennifer Kamikazi stammt aus Ruanda und lebt wohl seit einigen Jahren in London. Ihren Musikstil würde ich am ehesten mit „Indie-Folk-Rock“ beschreiben, aber letztlich ist es unwichtig, ob diese „Beschreibung“ wirklich passt.

Man mag selbst hören … :

Jennifer Kamikazi – „Start again“