Sammelsurium -125- (Sechs Sprüchlein, ein Schnipsel und ein Lied)

Die gegenwärtigen Zeiten lassen mein Gedankenkarussell immer und immer schneller kreisen. Einiges dessen, was ich dabei erdacht habe, ist wieder in kleine Notate geflossen, die ich nun meinem Tagebuch und jenen, die darin mitlesen, anvertraue:

Letztlich wird und  ist man doch immer von Menschen enttäuscht. Eine andere Art der Enttäuschung gibt es gar nicht.

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Schuld von Einem ist die Absolution für alle Anderen. Es sei denn, von diesen Anderen hat da noch jemand Fragen oder gar eine abweichende Meinung. Der ist dann auch schuld. So einfach ist das.

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Man kann an den eigenen Tränen ertrinken. Vor allem, wenn es immer wieder viele sind und man sie überwiegend nach innen rinnen lassen muss.

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Das neueste, das aktuellste Problem ist heutzutage jeweils immer das einzige. Was die anderen betrifft, sorgen vor allem die Medien, aber auch wir selbst regelmäßig für kollektives Verdrängen und Vergessen. Das ist freilich ein ganz fatales Verständnis von Selbstfürsorge.

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Was macht am Ende den Wert des Daseins von einem aus, der mutmaßlich nie gewusst hat, was im Leben „richtig“ ist?

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Wenn nur erst ein Schuldiger gefunden ist! Dann braucht es weder Reflexion noch Eingeständnis von eigenen Fehlern, eigenem Versagen und unzureichendem eigenen Verantwortungsbewusstsein in der Vergangenheit.

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Schnipsel (22)

Längst hatte sie ihr Buch geschlossen und neben sich auf die Bank gelegt. Sie bemerkte kaum noch, wie der Wind sanft über ihre Haut strich und die letzten Sonnenstrahlen des Tages noch ein bisschen Wärme und Farbe in ihr junges Gesicht zu malen versuchten.

Ihr Blick war nun schon lange in eine unbestimmbare Ferne gerichtet. Und in ihren Augen glitzerte etwas von jenem Wasser, dessen Quellen  die Leere am Ende wiederkehrender Alltage, die Einsamkeit nach fruchtlosen Auseinandersetzungen, die Sehnsucht nach dem Erfahren des Zerbrechens aller Träume und die Trauer, die mit Verlorengehen von Geliebtem und Gewünschten und schließlich von sich selbst einhergeht, sind.

Nie war sie ratloser und verzweifelter gewesen, nie so sehr in Ohnmacht. Und nie war ihr aller Sinn so umfassend abhandengekommen, wie am Ende dieses Tages.

Der Gedanke, dass auch ein junges Leben, an jedem Tag sein Ende finden kann, war ihr noch nie so nah, so bewusst und so selbstverständlich gewesen.

Viele Minuten waren wohl so verstrichen, als irgendwann das Geräusch sich verlangsamender kurzer Schritte in ihr Bewusstsein drang. Schritte eines kleinen Mädchens mit einem Rucksack, die soeben verklangen, weil das Mädchen sich auf den Boden vor seinen Rucksack gekauert hatte, um ihm zwei Äpfel zu entnehmen. Den größeren, schöneren hielt sie ihr, aus deren Augen sich gerade zwei Tränen gelöst hatten, hin und mit einem schüchternen, aber strahlenden Lächeln sagte es: „Bitte, der ist für dich. Damit du nicht mehr so traurig bist.“

Sie wischte etwas unbeholfen die beiden Tränen weg und schaute das kleine Mädchen etwas ungläubig an. Aber sie wusste in diesem Augenblick, dass, wenn alles nichts mehr galt, nichts mehr wert war und sinnlos schien, immer noch grundehrliche Aufrichtigkeit aus dem spontanen Lächeln eines Kindes geboren werden würde. – Vielleicht war dies die einzige Aufrichtigkeit.

Und so lächelte sie zurück und dankte der Kleinen. Für die beiden Geschenke …

***

Silly Boy Blue alias Ana Benabdelkarim ist 26 Jahre alt. Sie wurde 1996 in der Stadt Nantes in Frankreich geboren. Ana widmet sich dem Schreiben ihrer eigenen Songs, nachdem sie sich im Alter von 19 Jahren seine Sporen als Sängerin, Keyboarderin und Bassistin bei der Band „Pegase“ verdient hatte.

Ihr Künstlername „Silly Boy Blue“ geht auf den Song „Silly Boy Blue“ von David Bowie zurück. Seit ihrer Kindheit hört Ana Benabdelkarim David Bowie-Songs.

Silly Boy Blue ließ ihrer Debüt-EP „But You Will“ im Jahr 2018 eine Reihe Hits im Jahr 2020 folgen, mit denen sie ihren ätherischen Indie-Pop-Sound weiter pflegte und entwickelte.

Das Stück „The Fight“ stammt von ihrer Debüt-EP:

Silly Boy Blue – „The Fight“

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