Sammelsurium -124- (Zehn Sprüchlein und ein Lied)

Manchmal schreibt das Leben nicht nur Geschichten, sondern auch Sinnsprüche. Oder Geschichten mit Sinnsprüchen.

Während der etwas ruhigeren Tage zwischen den Jahren habe ich einen spontanen und keinem bestimmten Weg folgenden Streifzug durch mein Blogtagebuch unternommen. Es wurde eine einigermaßen lange und ziemlich emotionale Reise daraus.

Ich habe viele sehr inhaltsreiche, emotionale und Emotionen hervorrufende Einträge gefunden, die mich in Zeiten und Empfindungszustände zurückgeführt haben, so, dass ich sie erneut als ganz, ganz nah und unmittelbar empfunden habe. Tendenziell habe ich ungeachtet aller immer auch dagewesenen dunklen Phasen, Abschnitte und Gefühle immer wieder schön geschrieben. Viel mehr und öfter, als ich das zuletzt getan habe und heute tue. Schön meint dabei nicht inhaltsleer, viel mehr: schön zu lesen.

Ich glaube, dass ich nicht anders kann, als aus Stimmungen herauszuschreiben. Jedes Bild ist von Stimmungen inspiriert, spiegelt Stimmungen wider, vermittelt Stimmungen und lässt beim Betrachter Stimmungen entstehen. Mit Texten und Versen ist es wohl ebenso.

So sind all meine kleinen Geschichten, Essays, Skizzen und Gedichte aus Stimmungen des Lebens heraus geschrieben. Und manches darin ist, wie ich auf meinem Streifzug gefunden habe, tatsächlich zu ein bisschen „aphoristischen“  Aussagen bzw. Gedanken geworden, ohne, dass das beabsichtigt war, einfach während des Schreibflusses entstanden.

Ein paar Bespiele dafür, die mich meistens während des Lesens nun selbst überrascht haben, habe ich im heutigen „Sammelsurium“ einmal in loser Folge zusammengestellt:

Schönheit aus Irrtum kann … tatsächlich zur letzten Phase der Geschichte der Schönheit werden. (17.06.2018)

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Nichts ist für die Ewigkeit, manches nicht einmal für eine ganz kleine. (14.06.2018)

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… die Wahrheit, dass auf einen menschlichen Sommer, sei er gewesen, wie er war, heiß oder kalt, sonnig oder wolkenreich, kein zweiter folgen wird, ist unabänderlich. (30.08.2016)

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Jeder reist, doch jede Reise ist eine andere. Mensch, Ausstattung, Mittel, Weg, Ziel – nichts ist gleich. Nur Anfang und Ende sind es, Geburt und Tod. (11.08.2016)

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Wenn die eigene Haut dünn wird, dann braucht es eine andere, eine zweite. (13.11.2019)

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Wer intensiv, sich bewusst Zeit nehmend, mit einer gewissen Tiefe schreiben möchte, muss ein bisschen einsam sein. (29.07.2015)

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Ich vermag es nicht, einfach so vor mich hin zu leben. Unter anderem deshalb hat und ist Schreiben für mich Lebenssinn. (23.07.2015)

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Ein Mensch muss anderes hinterlassen haben als seinen Grabstein. Sonst ist er unweigerlich früher oder später vergessen. So, als ob es ihn nie gegeben, er nie gelebt hätte auf Erden. (24.03.2020)

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Solange aber der Planet am Leben ist, werden auch die Jahreszeiten da sein, und wie er, eine Einladung an die Menschen, jede mit ihrer eigenen Botschaft. Immer und immer wieder. Ob Frieden ist oder Krieg, ob Gier beherrschend ist oder Demut. Ob frohe Gemeinschaft lebt oder Agonie fortschreitet. (20.03.2020)

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Schuld sind allein Menschen. Menschen mit Bewusstsein. – Wirkliche Schuld ist bewusste Schuld. Bewusste Schuld bleibt und wird nicht unbewusster, wenn sie verdrängt wird. Schon gar nicht, wenn auch das bewusst geschieht.

Schuld ist eine allein und rein „menschliche“ Kategorie, eine allein menschliche Eigenschaft. So wie Hass, wie Geiz, wie Gier und Neid. Wo diese Eigenschaften sind, kann keine Unendlichkeit sein. Wo sie sind, ist kein Platz für irgendetwas anderes. (16.03.2020)

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Alex Mayr ist eine deutsche Sängerin und Songschreiberin.  1985 in Niedersachsen, nahe Bremen, geboren, lernte sie bereits mit sieben Jahren Geige spielen. Später studierte sie Popdesign. Heute gilt sie als Multiinstrumentalistin, deren Lieder, die, jedes für sich, ihren ganz eigenen, von Vielfalt geprägten Musikstil spiegeln, von sehr bildhaften, ehrlichen, bisweilen auch auf besondere Art speziellen Texten begleitet werden. Bisher sind zwei Alben von ihr erschienen, das Lied „Ausgang“, das ich heute hier teile, und das am Ende gar eine kleine Rap-Passage enthält, beschließt das zweite Album, das den Titel „Park“ trägt:

Alex Mayr & Maeckes – „Ausgang“

5 Gedanken zu “Sammelsurium -124- (Zehn Sprüchlein und ein Lied)

    • Dein Zuspruch ist ja richtig „hartnäckig“ 😉 So sehr ich Dir dafür danke, ganz aufrichtig, und mich freue über Deine Ermutigung, so sehr sehe ich mich doch nach wie vor außerstande, wirklich etwas zu veröffentlichen. Dazu gehört so viel …

      Ganz herzliche Grüße auch an Dich!

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      • Ich weiß… aber angesichts dessen, was du schreibst und wie Du schreibst, bleibt mir fast nichts anderes übrig als diese „Hartnäckigkeit“.
        Ich freue mich aber auch, daß das Schreibmaschinchen es ähnlich zu sehen scheint.

        Liebe Grüße!

        Gefällt 1 Person

  1. Wahrlich schöne Sprüche, die du geschrieben hast und so viel reicher, als die meisten Sprüche, die man auf Kalendern finden mag. Wo mir sofort in den Sinn kommt, dass ich deine Texte so gern gedruckt veröffentlicht sehen würde… Als kleines Buch oder Kalenderchen. Weil ich glaube, dass deine Worte bestehen sollten. Ich lese nämlich in ihnen bis heute viel Schönes.

    „Wer intensiv, sich bewusst Zeit nehmend, mit einer gewissen Tiefe schreiben möchte, muss ein bisschen einsam sein.“ Das möchte ich unterschreiben. Und das ist auch der Grund, weshalb ich die Gedanken, über die ich schreibe, gern in der Einsamkeit belasse. Ich muss sie von einem unberührten Fleck holen, nur so sind sie wahr.

    Liebe Grüße mein zu den Sternen Flüsternder!

    Gefällt 2 Personen

    • Oh je, nun schreibst sogar Du, dass ich meine Texte und Gedanken öffentlicher machen soll. Und Du schreibst so wertschätzende Worte dazu, dass ich gar nicht richtig in die Tasten hauen kann, weil ich irgendwie keine Sprache finde. Das ist sehr lieb von Dir. Danke❣

      Mir fehlt freilich neben der „Traute“ noch sehr viel mehr, um wirklich ein Büchlein oder einen Kalender herausbringen zu können, und irgendwie fühlt es sich für mich doch immer auch ein bisschen wie eine Anmaßung an.

      Dein zweiter Absatz, das, was Du da zu meinem Sprüchlein gesagt und für Dich bzw. von Dir beschrieben hast, gefällt mir ganz ausnehmend gut.

      Dir auch ganz liebe Grüße, Du besonderes personifiziertes Schreibmaschinchen! 💗🙂

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