Sammelsurium -122- (Fünf Sprüchlein, ein Schnipsel und ein Lied)

Meine Liste und Sammlung aus dem eigenen Gedankenwirrwarr geronnener Sinnsprüche erweitert sich beständig. Auch für den Beginn dieses Sammelsuriums habe ich wieder ein paar herausgesucht:

Für so viele, die sich einmal aufgemacht haben, erweist sich kein Weg als langwieriger und schwieriger als der zu sich selbst.

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Wenn still zu feiern immer weniger gesellschaftsfähig wird, zeugt das von einer Veränderung in der gesellschaftlichen Kultur, die im Mindesten nachdenklich machen sollte.

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Soziale Medien sind so wenig sozial, wie die sozialen Wesen, die sie bevölkern. Sie werden nur „so genannt“, was geflissentlich aber von niemandem erwähnt wird.

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Abendgedanken, die davon sprechen, wieder einen Tag überstanden zu haben, beschreiben letztlich ein Stück verlorenes Leben.

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Influencer sind die Ideologen der Gegenwart: Nicht weniger hinterfragenswürdig als jene, vergangener Zeiten und Gesellschaften. Im Gegenteil, seitdem mit dem Influencen unmittelbar Geld verdient werden kann …

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Schnipsel (20)

Vom einem letzten Sieg der Liebe

Es geht ihm nicht um Sex, es geht ihm um Geborgenheit, ein Streicheln, eine Umarmung darum, sich aneinander anlehnen zu können, eine immer noch geliebte Hand zu halten. Aber es ist wohl so, dass er das nicht mehr verdient hat. Wenn sonst nichts ist, dann eben auch keine noch so kleine körperliche Geste mehr. Dann eben gar nichts.

Dass kein Sex mehr ist, schon viele, viele Jahre nicht mehr, schreibt sie ihm zu. Ein bisschen akzeptiert er das sogar.

Es gab eine Zeit, wo sehr viel passierte, Dramatisches, zwischen Leben und Tod des Kindes, dass sie sich wünschten. Das Kind wurde schließlich doch noch gesund auf die Welt geholt. Es vergingen Monate und Jahre und er war und blieb überfordert mit dem was und wie es geschehen war. Sie blieben uneinig darüber, wie es weitergehen sollte. Dass das so war, so blieb, schreibt sie auch ihm zu. Vielleicht ist das sogar richtig so.

Er war nur unsagbar erleichtert und froh, dass es gut ausgegangen war seinerzeit, empfand es als das größte Geschenk und schließlich wollte er damit zufrieden sein. Sie aber war es nicht.

Aber sie sprach nicht darüber, bis es dann irgendwann als Vorwurf aus ihr herausbrach. ER habe entschieden.

So war, so ist, die „Strafe“ wohl nur gerecht.

Leben an der Seite von geliebten Menschen und bestraft zu sein und zu bleiben, ist nicht leicht. Unter Fremden zu leben, ohne je ein bisschen körperliche Nähe zu bekommen, mag schon schwer sein, unter geliebten Menschen ist es wie eine seelische Folter. – Es aushalten zu müssen ist ein großer zusätzlicher Kampf, je länger, desto härter, je aussichtsloser, desto entmutigender. Für ihn, der so sehr, wohl so „besonders“ für einen Mann, Gefühlsmensch ist.

Ob es für sie auch so ist? Er kann es sich nicht vorstellen.

Er zeigt ihr, dass er da ist, immer noch, zum Anlehnen, zum Zuhören und Umarmen, zum Streicheln. – Alles, was sie ihm zeigt, ist, dass es ihr egal ist, ihr wohl nichts mehr bedeutet. Es ist nicht das, was sie wollte. Und ER hat ja entschieden.

Sie ist alle zwei, drei Wochen fort, für ein Wochenende. Seit ein paar Jahren schon. Zuerst fuhr sie nur sporadisch, jetzt regelmäßig. Früher hatte es mit Arbeit zu tun, heute spricht sie nicht mehr darüber. Er mag ihr nichts unterstellen und er hat für sich beschlossen, auch kein Recht dazu zu haben.

Er selbst war ihr immer treu, ist ihr immer treu. Unter allen Gegebenheiten und Bedingungen, auch denen, die er seit einigen Jahren wie seelische Folter empfindet. Er kann nicht anders.

Es ging und geht ihm nicht um Sex. Es ging und geht ihm immer nur um Liebe.

Glücklich geworden ist er so nicht. Und er wird es auch nicht mehr werden können.

Für die Liebe lebt er dennoch weiter. Und je weniger er selbst bekommt, desto mehr möchte er sie Anderen nahebringen. Ohne jede Bedingung. Solange seine Kraft, die der Alltag ihm lässt, noch reicht …

Das ist der Sinn seines Lebens, dessen, was (als) Leben für ihn geblieben ist.

***

Wieder einmal habe ich eine Künstlerin „entdeckt“. Ich hörte ein Lied von ihr und war augenblicklich fasziniert. Von der Stimme, von der Melodie, von der Atmosphäre, die Musik und Arrangement für mich erlebbar werden ließen. Auf der Webseite der in Berlin lebenden, deutschen Sängerin und Songschreiberin Ava Vegas (so ihr Künstlername), die eine sehr interessante Biografie hat, heißt es unter anderem:

“ … in den Liedern von Ava Vegas (fliegt) etwas Herrliches durch die Nacht, etwas Glänzendes, sichtbar in einem glitzernden Licht, das sich in Pailletten spiegelt, zugleich umhüllt von einer unausweichlichen Dunkelheit. Hart, weich, frohlockend, zu Tode traurig. Die Musik ist wie eine Aufzeichnung jenes Zustandes, in dem man erkennt, dass die Welt, nach der man sich sehnt, nicht existieren kann. Verliebt, verlassen, ekstatisch, traurig. Und doch kann diese Welt existieren. Es klingt und hallt in der Musik von Ava Vegas wider …“

Diese Zeilen könnten aus mir geschrieben sein, wenn ich denn Lieder schreiben könnte. Ava Vegas kann das. Und das ist jenes Lied, das ich von ihr hörte, eine Single von ihrem Ende 2020 erschienen ersten Album:

Ava Vegas – „Hold on to your stars“

5 Gedanken zu “Sammelsurium -122- (Fünf Sprüchlein, ein Schnipsel und ein Lied)

  1. Sehr nachdenkliche Gedanken, tut mir leid, dass ich mich so wenig äussere, da du immer die richtigen Worte zu meinen Texten findest. In meinem Kopf sind so viele Worte doch wenn ich vor der Tastatur sitze rennen sie alle davon, habe ich das Gefühl, ich wünschte ich könnte die Worte so fließen lassen wie du…

    Gefällt 1 Person

    • Mach‘ Dir nur keine negativen Gedanken oder Stress. Ich freue mich auch über ein kleines Zeichen wie dieses von Dir.

      Manchmal vermag auch ich nicht zu schreiben.

      Aus Deinen Worten spricht viel Anerkennung und Wertschätzung für mich. Dankeschön dafür. Du bist gut, wie Du bist, liebe Cay!

      Liebe Grüße an Dich!

      Gefällt mir

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