Alkohol

Sentenzen schreibe ich gewöhnlich zu Themen, die mich mehr und intensiver als andere beschäftigen und dies auch wiederholt tun. Und ich tue das in aller Regel auch mit einer Portion Philosophie

Mit dem Thema „Alkohol“ verhält es sich insoweit anders, als dass mich dieses Thema auf mich selbst bezogen oder mich selbst betreffend an sich kaum beschäftigt. Es spielt in meinem eigenen Leben kaum eine Rolle. Bezogen auf meine Wahrnehmung meiner Umwelt, vor allem von Menschen, die in der mich umgebenden Umwelt leben, ist das freilich anders – ich nehme da auch ganz andere Einstellungen und Verhaltensweisen wahr, und die beschäftigen mich denn doch ziemlich intensiv.

Deshalb schreibe ich also mein eigenes Verhalten und meinen derzeitigen Gedankenstand zu dieser Thematik doch nicht „nur“ auf eine Tagebuchseite, sondern gebe ihnen hier einen etwas exponierteren Platz, freilich ohne sehr philosophisch zu sein oder werden zu können.

Anlass für mein Schreiben ist, dass vor ein paar Tagen hier im Außenbecken des Freizeitbades ein 22jähriger Mann und Vater eines Kleinkindes tot aufgefunden worden ist. Vermutlich hatte er versucht, unter Alkoholeinfluss nachts, nachdem er, wie auch immer einen Zaun überwunden hatte, dort unter einer über dem Becken gespannten Abdeckplane zu „baden“.

Ich bin kein Antialkoholiker. Das heißt, dass ich mitunter Alkohol trinke. Insgesamt aber wohl vergleichsweise wenig, wenn nicht sogar sehr wenig. Hin und wieder trinke ich Bier, wobei ich eindeutig bestimmte Sorten favorisiere und andere gar nicht mag. Tschechische und slowakische Biere haben potenziell die besten Chancen, mir zu schmecken. Und auf das SCHMECKEN kommt es an.

So schmeckt mir hin und wieder ein Bier zum Abendbrot, und vor allem in den heißen Sommermonaten schmecken mir auch ein, zwei, schon selten drei um richtigen Durst zu stillen.

Sitze ich, was schon aus Entfernungsgründen, höchstens ein- bis zweimal im Jahr geschieht, mit meinem Kumpel zusammen und wir quasseln uns mal aus oder sitzen in einer Kartenspielrunde, dann können es an einem langen Abend auch mal vier oder fünf Biere werden. – Mehr waren es aber noch nie, weil mir mehr nicht SCHMECKT.

So ist und so halte ich es auch dann, wenn ich, was ebenfalls sehr selten passiert, zu einer Feier gehe(n muss). Dort trinke ich auch vorzugsweise Bier, mitunter auch einen Likör oder einen „Verdauungsschnaps“ nach einem reichlichen Essen, einen Wein – allerdings möglichst nichts durcheinander, weil ich weiß, dass ich das schon in sehr kleinen Mengen nicht vertragen würde.

Wein (nur wirklich lieblichen, was heutzutage kaum noch gesellschaftsfähig ist) oder höher prozentigen Alkohol trinke ich auch in den seltenen Fällen, in denen ich das tue, eher wie eine „Praline“ – will heißen: eine oder höchstens zwei davon.

Ich sehe Alkohol im wahrsten Sinne des Wortes als ein GENUSSmittel.

Sekt mag ich, um nur ein Beispiel zu nennen, gar nicht, der bereitet mir keinerlei Genuss, im Gegenteil. Und viele Arten anderen Alkohols, etwa die vielen verschiedenen Cocktails und Mischgetränke kenne ich erst gar nicht, ohne das mir dieses Unwissen Unbehagen bereiten würde.

Es gibt sehr viele Tage im Jahr, an denen ich nichts Alkoholisches zu mir nehme.

Mit den Jahren habe ich beobachtet, dass mein „Trinkverhalten“ wohl ziemlich atypisch ist. Viele Menschen trinken offensichtlich regelmäßiger und auch mehr Alkohol, zum Teil erheblich mehr. Ich erlebe, zu entsprechenden Gelegenheiten auch immer wieder gefragt zu werden, warum ich denn „nicht noch einen“ mit trinke, warum ich denn „jetzt schon aufhöre“, ob ich etwa „nichts vertrage“. Es würde „doch gerade erst richtig losgehen“, man könnte doch endlich einmal „alle Sorgen vergessen“ – wo das saufen eine Ehre sei, sei „das Kotzen keine Schande“. Das „passiere halt mal“, „na und, um so schöner ist das Leben, wenn’s dann wieder vorbei ist.“

Ja, ich vertrage nicht viel Alkohol. Das habe ich in meinem jungen Jahren zwei,- dreimal erfahren – nicht anlässlich von vornherein geplanter Trinkgelage, sondern weil ich wirklich gar nicht wusste, dass mein Magen rebellieren würde. Ich musste zur Kenntnis nehmen, dass das weit eher der Fall ist als ich tatsächlich betrunken sein oder gar einen „Filmriss“ haben konnte.

Abgesehen davon wollte ich schon damals nie wirklich betrunken sein oder gar völlig die Kontrolle über mein Denken und Tun verlieren. Ich wollte das nie, auch nicht, wenn ich Liebeskummer hatte , mit meinen Eltern mal nicht klar kam oder Zweifel an mir, vor allem an meinem Selbstbewusstsein hatte. Und als junger Mensch hatte ich noch weit weniger davon als heute, und es war (und ist) wahrlich nicht einfach damit zu leben, weil das mitunter ziemlich tiefe Sinnkrisen in mir auslöst(e).

Ich habe Alkohol nie als Lösung für irgendein Problem ansehen können, und eine „Flucht“ in ein alkoholisches „Vergessen“ , das war und ist mir immer klar gewesen, konnte und kann jeweils nur eine vorübergehende sein. Je öfter sie aber geschieht, um so verhängnisvoller ist ihr Potenzial. Weil sie nicht nur nichts löst, sondern perspektivisch welches Problem auch immer, nur schlimmer macht und neue hinzu addiert.

Warum ist das offenkundig für viele andere Menschen, heutzutage vor allem auch junge Menschen, nicht auch so plausibel, wie es für mich in jungen Jahren war und bis heute ist? Sind die Probleme, die Krisen junger Menschen heute schlimmer, tiefgehender? Und selbst wenn, ist es dann „folgerichtig“, dass sich etliche mal hin und wieder, mal fortgesetzt in Alkohol fliehen, mal ganz bewusst, mal sich mehr „einfach treiben, ES geschehen lassend“?

Mich irritiert, mich erschreckt das. Und noch mehr irritiert und erschreckt mich, wie bzw. wenn selbst ansonsten sehr gebildete, intelligente, sehr schätzenswerte Menschen (das betrifft junge und ältere) nach dem einen oder anderen „Absturz“ dann zu diesem „stehen“, darüber reden. Man wäre endlich mal wieder „herrlich besoffen“ gewesen, dass nach und nach wirklich alle „kotzten“ wäre „irre“ aber die Fete sei doch „total lustig“ gewesen, A. oder D. hätten sich so „wundervoll zum Obst“ gemacht und so weiter und so weiter …

Ich verstehe nicht, warum diese Menschen offenbar so wenig Selbstachtung haben. Und ich kann nicht glauben, dass ihnen die Reaktionen anderer Menschen so ganz egal sind. (nicht nur die Reaktionen „unbeteiligter“ Menschen, denn allzu oft wird verkannt, dass gerade unter jenen, die heftig mit „getankt“ haben, am Ende jene sind, die am meisten und hässlichsten hinter dem Rücken reden…)

Ich habe mehrmals erlebt, wie Personen in Leitungsfunktion durch übermäßigen Alkoholgenuss mehr oder weniger völlig die Kontrolle über sich verloren haben, auf Betriebsfeiern. War oder ist ihnen tatsächlich völlig egal, wie ihr Persönlichkeitsverlust (als etwas anderes mag ich das Verhalten von Menschen nach übermäßigem Alkoholkonsum nicht bezeichnen) von den Mitarbeitern im Nachhinein „diskutiert“ wird? Ist jenen, die sich, bewusst oder sich treiben lassend, betrinken, ihr damit einher gehender Persönlichkeitsverlust wirklich egal?

Alle fürchten sich vor Demenz (auch das ist Persönlichkeitsverlust) aber kaum einer fürchtet sich davor „besoffen“ zu sein und in diesem Zustand wahrgenommen zu werden.

Das verunsichert mich, verunsichert mich so sehr, dass ich bekenne: Ich habe Angst vor Betrunkenen, ja regelrecht Angst, auch vor jenen, die gar nicht aggressiv sind oder werden. Ich gehe ihnen aus dem Wege, mag keinem von ihnen begegnen.

Ich verlasse nicht zuletzt deshalb Feiern oft recht früh, weil ich bemerke, dass einige der Anwesenden jenes Trunkenheitslevel erreichen, mit dem ich nicht mehr umgehen kann, auf das ich keine Antwort mehr weiß. Ich möchte niemanden in entsprechend peinlichen Situationen sehen, möchte nicht darauf irgendwie eingehen oder reagieren müssen, mit Verlaub, für mich ist keine entsprechende Situation „lustig“.

Damit ich nicht missverstanden werde: Ich verurteile niemanden, weil er bewusst oder sich treiben lassend oder letztendlich gar, weil er nicht mehr anders kann, zu viel Alkohol trinkt. Ich kann und will nicht über die Gründe dafür richten.

Aber ich kann es bis auf sehr wenige Ausnahmen nicht VERSTEHEN und, vor allem kann ich halt damit nicht umgehen. Es tut mir nur, und das meine ich hier buchstäblich und ohne jede Heuchelei, unendlich Leid, vor allem dann, wenn Menschen bewusst oder sich treiben lassend, ihre Persönlichkeit verlieren (wollen), und sei es auch nur für ein paar Stunden.

Und was ich schließlich ganz und gar nicht verstehen kann, sind diejenigen, die dann gar meinen, dass durch Alkohol bedingte Persönlichkeitsverluste, nun mal zu ihrer Persönlichkeit gehören.

Dinge, Sachen, die zu Persönlichkeitsverlust führen können, sind entweder Krankheiten oder Drogen. Alkohol ist insoweit nicht „besser“ als Heroin und bezogen auf jeden einzelnen Tag, an dem zu viel von ihm konsumiert wird, auch kein Mikro harmloser.

19 Antworten zu “Alkohol

  1. Ich finde diesen Artikel sehr gut. Und er spricht mir aus der Seele. Ich habe mit dem Alkohol leider in meinem Leben viele schlechte Erfahrungen machen müssen. In der Familie und im Freundeskreis. Alkohol war für mich nie eine Lösung und wie bei Dir nur ein Genuss-Mittel. ich finde Alkohol ist eine der gefährlichsten Drogen die es gibt und es absolut grenzwertig das jeder dran kommt und es ja schon anstössig ist wenn ich mir in einem Lokal einfach ein Wasser bestelle…Kennst Du eigentlich den neuen Blogger-System Anbieter qwer.com ? Ich würde mich sehr über eine Antwort auch per Email von Dir freuen. Vielen Dank und weiterhin viel Erfolg mit Deinem Blog.

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  2. Lieber schweitzer,

    da hast du jetzt aber ziemlich viel Input geliefert. Alles kann man irgendwie mit Alkohol in Verbindung bringen, aber vieles geht viel weiter. Und muss auch unter anderen Gesichtspunkten angesprochen werden. Du wirst mir verzeihen, dass ich dich da auf einige Punkte hinweise, die ich für wichtig halte. Denn du weißt ja, wie sehr ich dich schätze, und dass ich keineswegs irgendetwas in diesem Kommentar böse meine.

    1. Alkohol ist ein Genussmittel.

    Für dich. Für mich. Für viele andere Menschen auch. Gewisse alkoholische Getränke schmecken furchtbar gut. Andere schmecken tatsächlich nicht. Solche Getränke zu trinken, die gut schmecken, weil sie gut schmecken, halte ich für absolut gerechtfertigt. Genuss ist zur richtigen Zeit und im richtigen Rahmen absolut legitim. (Mit richtiger Zeit und richtigem Rahmen meine ich beispielsweise, dass ich keinen Alkohol trinke, bevor ich zur Schule gehe. Ganz egal, wie lecker er ist. Ähnlich wird es den meisten Menschen gehen, bevor sie zur Arbeit gehen oder gar ins Auto steigen. [Wobei Alkohol und Auto Fahren noch ein Thema ist, das du gar nicht angesprochen hast, was ich deshalb auch gar nicht aufbringen will. Irgendwann würden auch wir beide uns verzetteln. Meinst du nicht auch?])
    Jene alkoholischen Getränke nicht zu trinken, die einem nicht schmecken, ist genauso legitim. Ganz egal, wie gesellschaftlich anerkannt sie sind. Wenn mir etwas nicht schmeckt, muss ich es mir nicht zuführen. Dazu kann mich keine Gesellschaft auf der Welt zwingen.
    Da stimme ich dir absolut zu und ermutige dich noch, Menschen, die dich animieren wollen „mitzutrinken“, höflich die Vorteile aufzuzeigen, die es bringt, wenn du nicht mittrinkst: Es bleibt mehr für sie. Ich denke, die meisten wird das zum Schweigen bringen. Denn trinken und sprechen gleichzeitig ist schwierig.

    2. Alkohol als Fluchtweg aus der Realität.

    Im Gegensatz zu den Genusstrinkern stehen hier also die Wirkungstrinker. Die gibt es, keine Frage. Die kann man in unterschiedlichen Variationen erleben. Junge Trinker, alte Trinker, weibliche Trinker, männliche Trinker. Nur eines verbindet beide: Nicht der Genuss steht im Vordergrund, sondern die Wirkung. Dabei ist natürlich nicht gesagt, dass der Alkohol diesen Trinkern nicht auch schmeckt, oder gar, dass sie sich etwa quälen, wenn sie Alkohol zu sich nehmen.
    Hier schreibst du, du verständest nicht, wie vor allem junge Leute den Alkohol für eine funktionale oder gar dauerhafte Fluchtmöglichkeit halten können.
    Damit kritisierst du aber weniger den Alkohol an sich, als viel mehr die ineffizienten und kurzweiligen Fluchtmöglichkeiten an sich. Wenn schon der Realität entfliehen, dann so richtig.
    Nein, nein, schon klar, das wolltest du nicht sagen. Aber du verstehst, was ich meine, oder? Der Alkohol ist hierbei nur eine Option. Es gibt genügend Jugendliche/Junge Erwachsene/Erwachsene, die an die Stelle des Alkohols eine andere Fluchtmöglichkeit setzen. Um nur einige Beispiele zu nennen: Computerspiele, exzessives Feiern, Cosplay, Drogen, Sport, Schönheitswahn, Kaufsucht, Spielsucht, Affären.
    Dass Alkohol ein Fluchtmittel ist, das dem Körper schadet, ist natürlich richtig und ich würde auch niemandem dazu raten, sich ins Vergessen oder gar ins Koma zu trinken, aber das Empfinden, der Realität entfliehen zu müssen, akut in diesem Moment und nicht geplant oder auf lange Zeit oder sonst irgendwie mit Gedanken an morgen, das kann ich unter gewissen Umständen nachvollziehen.
    Das muss ich auch nicht in Frage stellen. Und dass Alkohol dabei so oft als Fluchtweg gewählt wird, liegt lediglich an der hohen gesellschaftlichen Toleranz, die diesem Genussmittel entgegen gebracht wird.

    3. Alkohol als Auslöser für ‚Persönlichkeitsverluste‘

    Alkohol kann in gewissen Mengen dazu führen, dass Menschen sich ganz anders verhalten, als man es gewohnt ist. Ein Mädchen, das man sonst immer als schüchtern erlebt hat, kann mit einem Mal selbstbewusst auftreten. Oder ein Junge, der immer lächelt, grinst oder lacht, wenn er einem begegnet, wie apathisch aus dem Fenster starren. Das als brav angesehen Mädchen kann mit einem Mal die Hüllen fallen lassen und auf Tischen tanzen. Oder mit zahlreichen Jungs an einem Abend herum machen. Oder mit mehreren Mädchen. Ein Chef, der sonst immer Strenge zu seiner Devise gemacht hat, kann mit einem Mal Witze erzählen und – oh schreck – über solche lachen.
    Wenn man nüchtern ist und die anderen betrunken, dann kann es soweit kommen, dass man die anderen nicht wieder erkennt.
    Nun habe ich noch nie auf eine Geschäftsfeier getrunken oder Betrunkene beobachtet. Was ich im Folgenden sage, sind dementsprechend auch keine Belege, sondern lediglich begründete Vermutungen:
    Ich glaube nicht, dass diese Menschen einen Persönlichkeitsverlust erleiden. Ich glaube, dass sie Hemmungen verlieren und Seiten an sich offenbaren, die sie sonst aus dem einen oder anderen Grund unter Verschluss halten.
    Das magst du anders sehen. Und da mag es auch sicher Ausnahmen geben, die tatsächlich einen Persönlichkeitsverlust erleben. (Auch wenn das für mich eher nach Filmriss klingt als nach Trunkenheitslevel, aber das sei mal dahin gestellt.)
    Ich vermute aber, dass das daran liegt, dass du a – deine Arbeitskollegen, Chefs und ähnliches längst nicht so gut kennst, dass du ihre Persönlichkeit tatsächlich ausreichend skizzieren könntest und dass du b – eine sehr klare Vorstellung davon hast, wie diese Personen sind, weil sie dir immer so begegnet sind.
    Wenn sich dein Chef besäuft und sich zum Affen macht, dann ist dir das, verständlicher Weise, unangenehm. Aber es ist dir nicht unangenehm, weil du um die Persönlichkeit deines Chefs fürchtest, sondern weil er dir mit einem Mal anders begegnet als sonst, eventuell sogar unangemessen begegnet. Ich bin ehrlich, es würde mich auch vor ein gedankliches Problem stellen, wenn ich abends mit meinen Freunden weggehe und in der Bar meinen Politiklehrer treffe, der mit mir zu trinken beginnt. Das würde die Distanz zwischen dieser Autoritätsperson und mir auf eine Weise verändern, mit der ich vermutlich nicht richtig umzugehen wüsste.
    Ich kann also verstehen, wieso du dich ab einem gewissen Trunkenheitslevel aus dem Geschehen entfernen willst.
    Aus eigenen Erfahrungen mit meinem Freundeskreis kann ich aber sagen: Meistens liegt das nicht daran, dass die Betrunkenen einen Persönlichkeitsverlust erleiden, den du dir nicht mitansehen magst. Es war nämlich nicht so, dass sich Persönlichkeiten entfernten, sie veränderten sich auch nicht, sie wurden tatsächlich eher offener gezeigt.
    Dass ein Chef seinen Humor nicht an den Tag legt, weil das seine Autorität untergraben würde, kann ich verstehen. Dass er nicht von familiären Problemen erzählt oder gar zu jammern beginnt, kann ich verstehen, denn das würde seine Autorität untergraben. Wenn das Gehirn aber unter Alkoholeinfluss steht, kann es nicht mehr ausreichend differenzieren, ob ich einen Geschäftspartner, einen Angestellten oder einen guten Freund vor mir habe. Also offenbart es sich einfach.
    Wieso Menschen das in Kauf nehmen, ist eine ganz andere Frage, die ich pauschal auch nicht beantworten kann. Ich habe es öfter erlebt, dass es den Personen furchtbar peinlich war, was sie offenbart haben. Einfach, weil es bestimmte soziale Grenzen überschritten hat.
    Aber dass ich deinen Ansatz des ‚Persönlichkeitsverlust‘ als solchen ablehne, kann ich daran festmache, dass ich meinem Freund definitiv nicht zugute halten würde, dass er eben seine Persönlichkeit verloren hat, sollte er mich in einem trunkenen Zustand betrügen. Das wäre dann immer noch er gewesen, ganz egal, wie betrunken. Verstehst du, wie ich das meine?

    4. Alkohol als Objekt überzogener Prahlerei

    Es gibt Menschen, die einen Absturz für etwas Glorreiches halten. Sicher. Es gibt Menschen, die können neben dem Alkoholpegel auch die Unterhaltung sehen und eine Party auch noch als gelungen ansehen, wenn sie alkoholgeschwängert war. Klar.
    Sie unterscheiden sich im Grunde nicht allzu sehr von den Menschen, die mit dem dicken Auto prahlen, das sie fahren. Oder denen, die gerne schnell fahren, obwohl sie damit eventuell andere in Gefahr bringen könnten.
    Sie unterscheiden sich im Grunde nicht allzu sehr von denen, die mit ihren Sexualpartnern prahlen. Oder von denen, die mit jedem schlafen, der sie will und den sie attraktiv finden, ohne weitere Details über diesen Menschen zu wissen.
    Ich bin deiner Meinung und empfinde Alkoholkonsum weder als ein gehaltvolles Gesprächsthema, noch als geeigneten Stoff für Prahlereien, aber das ist meine Meinung. Wenn andere Menschen das anders sehen, ist das deren Meinung. Sie fänden es vielleicht auch absurd mit den Noten zu prahlen, die ich schreibe oder mündlich erhalte, oder mit einem Kapitel, das ich geschrieben habe und mit dem ich tatsächlich mal zufrieden bin. Oder mit sonst einem Erfolg, den ich gerne kundtue.
    Dahinter verbirgt sich eine Geschmacksfrage und wenn dich die Prahlerei bezüglich ihres Alkoholkonsums nicht beeindruckt, ja, dann eben nicht. Weder du lebst davon, von diesen Menschen beeindruckt zu sein, noch leben sie davon, dich zu beeindrucken. (Zumindest nehme ich das an…)
    So darf jeder Mensch seinen Geschmack haben und mit ein bisschen Toleranz und ein bisschen weniger Anspruch, dass alle das gleiche gleich gut finden müssen, kommen da auch erstaunlich wenige Reibungen zu stande.

    Das nur einmal als Skizzierung meiner Meinung bezüglich dieses Themas und bezüglich deiner Ausführungen dazu.
    In diesem Sinne,
    die liebsten Grüße.

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    • *… aber das Empfinden, der Realität entfliehen zu müssen, akut in diesem Moment und nicht geplant oder auf lange Zeit oder sonst irgendwie mit Gedanken an morgen, das kann ich unter gewissen Umständen nachvollziehen.*

      Das kann ich auch. Sehr gut sogar, denn auch ich hatte mehr oder weniger lange und intensive Lebenskrisen, Sinnkrisen, Tage fürchterlicher Anspannungen, gar Ängste, auch in meiner Jugend. Aber ich kann nicht nachvollziehen, wenn bzw. dass die Flucht mittels Alkohol oder anderer Drogen geschieht, denn es GIBT andere Wege, und wenn man diese nicht selbst sieht oder zu finden vermag gibt es Strategien und auch Menschen, die einem behilflich sein können, andere Wege zu finden. Auch, wenn man sehr einsam ist, sich serh einsam fühlt. Man muss freilich solche anderen Wege finden WOLLEN und sich nicht dem scheinbar „naheliegendstem“ (der Flasche) ergeben.

      *Ich glaube nicht, dass diese Menschen einen Persönlichkeitsverlust erleiden. Ich glaube, dass sie Hemmungen verlieren und Seiten an sich offenbaren, die sie sonst aus dem einen oder anderen Grund unter Verschluss halten.
      Das magst du anders sehen.*

      Ja, das tue ich. Ich sehe es so, wie ich es weiter unten in meiner Reaktion auf Jessies Kommentar geschrieben habe.

      *So darf jeder Mensch seinen Geschmack haben und mit ein bisschen Toleranz und ein bisschen weniger Anspruch, dass alle das gleiche gleich gut finden müssen…*

      In der Tat. Nur bezogen auf Alkohol und Prahlerei damit, halte ICH Tolerenz für nicht angebracht. Denn diese Prahlerei hat nicht nur das Potenzial, sondern IST viel verhängnisvoller als etwa die Prahlerei über ein dickes Auto. Diese Prahlerei ist unter Jugendlichen ein Moment entstehender „Gruppendynamiken“, die dann oft so traurige Ausmaße annehmen. Und, wenn Erwachsene sie praktizieren, ist das, etwa für Jugendliche noch verhängnisvoller, weil diese Prahlerei suggeriert, dass bzw. wie „anerkannt“ Alkoholkonsum in der (erwachsenen) Gesellschaft ist.

      Nein, insoweit mag ich tatsächlich sehr intolerant sein. Aber dazu stehe ich. Und ich bringe das auch (öffentlich) zum Ausdruck, egal wie viel Unverständnis oder „mitleidiges“ Lächeln das auslöst. (Habe ich viele Male erlebt…)

      Ganz liebe Grüße auch an Dich, und Danke für Deinen so ausführlichen Kommentar!

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      • Ich noch mal.

        Du darfst definitiv deine Meinung behalten, da will ich gar nicht eingreifen. Aber ganz so wortlos kann ich mich dann doch nicht verabschieden.

        Es ist sicher nicht gesund, sich in den Alkohol zu flüchten. In deinen Formulierungen klingt es allerdings nicht nur ’nicht gesund‘, es klingt vor allem ’schwach‘ und ‚als zu verurteilen.‘ Ich kann (oder will) mir nicht vorstellen, dass du das so meinst, denn das wäre dann nicht nur intolerant, das wäre sogar hochgradig beleidigend. (Und so kenne ich dich eigentlich nicht.)
        Aber diese zumindest überheblich wirkende(!!!!!) Haltung ärgert mich doch etwas. Es wirkt ganz so, als würdest du dich aufgrund deiner eigenen Erfahrungen mit dem Flüchten Wollen und dem Fluchtwege Finden als besser, intelligenter oder zumindest ‚pragmatischer‘ darstellen. Ich glaube nicht, dass du das willst, aber ganz so wirkt es, wenn du den Alkohol als eine Lösung für Schwächlinge aussehen lässt, die sich lediglich nicht ausreichend anstrengen, eine andere Möglichkeit zu finden.
        Wenn dir das egal ist (bzw. sich deine Intoleranz auch auf diese Bereiche ausweitet), dann kannst du das sicher so stehen lassen. Ich gehe auch nicht noch mal drauf ein.

        Prahlerei mit Alkohol darf also nicht toleriert werden. Das dicke Auto schon, auch wenn du auf einer Autobahn mehrere Menschen in Gefahr bringst, wenn du auf das Privileg deines dicken Autos bestehst und die riskantesten Überholmanöver startest. Das ist mir tatsächlich … unverständlich geblieben. Ist das dicke Auto nicht auch ein Ideal unserer Gesellschaft? Steht es nicht direkt nach ‚gut bezahltem Job und eigenem Haus‘, vielleicht sogar davor?

        Das mit den Gruppendynamiken halte ich für … teilweise richtig und teilweise aus der Perspektive des verurteilenden (wenn auch darum besorgten) Erwachsenen ein bisschen übertrieben.
        Ich habe lange Zeit strikt gar nichts getrunken, während meine Freunde bei Treffen getrunken haben. Weder fühlte ich mich gezwungen, mitzutrinken, noch wurde ich irgendwie damit aufgezogen oder geärgert. Gruppenzwang ist ein bestehendes Phänomen, klar, aber längst keines, das sich auf Alkohol beschränkt oder irgendwie an ihn gebunden ist. Es gibt Alkoholkonsum ohne Gruppenzwang und Gruppenzwang ohne Alkoholkonsum…

        Alles, was ich damit sagen will, ist, dass man, wenn man von etwas überzeugt ist, schnell dazu tendiert, Dinge sehr schwarz und sehr weiß zu sehen, obwohl sie das nicht sind.
        Und dass dir das eventuell hier passiert ist. Wenn dir das aber bewusst und egal ist, ist das okay. Solange du niemanden bevormundest, sondern jedem seine eigene Entscheidungsfreiheit lässt, habe ich damit auch kein echtes Problem.

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        • *Es ist sicher nicht gesund, sich in den Alkohol zu flüchten. In deinen Formulierungen klingt es allerdings nicht nur ’nicht gesund‘, es klingt vor allem ’schwach‘ und ‚als zu verurteilen.‘ Ich kann (oder will) mir nicht vorstellen, dass du das so meinst, denn das wäre dann nicht nur intolerant, das wäre sogar hochgradig beleidigend. (Und so kenne ich dich eigentlich nicht.)
          Aber diese zumindest überheblich wirkende(!!!!!) Haltung ärgert mich doch etwas.*

          Oh je, da gehst Du ganz schön heftig mit mir ins Gericht. Ich kann nicht wirklich nachvollziehen, weshalb bei Dir diese Eindrücke entstanden sind, hatte ich doch in meinem Eintrag ausdrücklich Folgendes geschrieben:

          *Damit ich nicht missverstanden werde: Ich verurteile niemanden, weil er bewusst oder sich treiben lassend oder letztendlich gar, weil er nicht mehr anders kann, zu viel Alkohol trinkt. Ich kann und will nicht über die Gründe dafür richten.*

          Ich nenne niemanden einen Schwächling, weil er sich in Alkohol flüchtet. Aber es ist für mich schon frappierend, zugleich erschütternd, dass bzw. weshalb sich im Verhältnis doch so viele Menschen gerade in diesen „Fluchtweg“ verrennen. Es scheint mir denn doch, ein relativ „einfacher“, „bequemer“ Weg zu sein. Wobei das jeweilige Umfeld, letztlich die allgemeine gesellschaftliche Akzeptanz von Alkohol, da insoweit entscheidend das Einfallstor öffnet.

          Dagegen möchte ich anrufen, das stört mich, Wenn Du das „Ausweitung meiner Intoleranz“ nennen magst, gut, dann siehst Du das wohl so. Du schriebst ja, Dich darüber nicht weiter äußern zu wollen:

          *Ich gehe auch nicht noch mal drauf ein.*

          *Prahlerei mit Alkohol darf also nicht toleriert werden. Das dicke Auto schon, auch wenn du auf einer Autobahn mehrere Menschen in Gefahr bringst, wenn du auf das Privileg deines dicken Autos bestehst und die riskantesten Überholmanöver startest. Das ist mir tatsächlich … unverständlich geblieben.*

          Ich halte generell nichts von Prahlerei. Und ich bringe das auch, egal welche Art von Prahlerei mir begegnet, wenn ich sie denn als solche wahrnehme, zum Ausdruck.
          Aber Alkohol und womöglich andere Drogen durch Prahlerei zu propagieren, letztlich „salonfähig“ zu machen, halte ich doch für besonders schlimm und verwerflich, weil sie geeigent ist, besonders zahlreich und besonders nachhaltig Schaden anzurichten. Eben auch, weil es so relativ leicht ist, Zugang zu Alkohol zu bekommen, obendrein auch noch besonders früh.

          Dass ich insoweit tatsächlich nicht tolerant bin, kann ich nicht im Sinne von Bevormundung anderer oder Ausdruck von Schwarz-Weiß-Malerei sehen.

          Ich kann und will niemanden bevormunden, aber bezogen (unter anderem) auf Alkohol mache ich mir große Sorgen, und trage, wie ich in meinem Eintrag versucht habe zu verdeutlichen, in mir insoweit große Unsicherheiten, Befürchtungen und sogar Ängste. Ich habe für mich kein anderes Mittel finden können, damit angemessen umzugehen, als konsequent zu sein und für solche Konsequenz auch anderen Menschen gegenüber einzutreten bzw. sie dazu auch aufzufordern.

          Es macht mich traurig, dass das möglicherweise überheblich wirkt …

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          • Okay, ich muss doch noch mal. Entschuldige.

            Ich nehme zurück, was ich über das Verurteilen gesagt habe. Den Absatz aus dem Text hatte ich ehrlich gesagt nicht mehr im Kopf, als ich den zweiten Kommentar schrieb. Entschuldige bitte.

            Ich finde es auch löblich, dass du weder Alkohol noch Drogen verherrlichen möchtest. Und dass du es ablehnst, wenn andere oder gar eine ganze Gesellschaft das tun. Das ist an sich natürlich eine gute Sache und das möchte ich auch gar nicht kritisieren.
            Und du für dich und in deinem Umfeld kannst und sollst das auch gerne beibehalten, denn tatsächlich ist das deine Meinung und die hat jedes Recht geäußert zu werden.

            Dass du nichts von Prahlerei hältst, überrascht mich nicht. Wer hält von Prahlerei denn schon etwas? Und gerade weil Prahlerei so klar … negativ konnotiert ist, glaube ich, dass die Leute, die mit ihren Abstürzen angeben, tatsächlich kein wirksames Aushängeschild für den Alkoholkonsum sind. Die sind eher ein abschreckendes Beispiel. Zumindest so, wie ich das erlebt habe.
            Hier gilt nämlich meiner Meinung nach nicht, dass jede Presse gute Presse ist. Es will kein klar denkender Mensch abstürzen. Sich übergeben zu müssen schreckt ab. Zu sehen, wie andere sich übergehen, weil sie die Grenze nicht kannten, schreckt ab. Es sind die wenigstens, die ich kenne, die wiederholt und ohne ersichtlichen Lerneffekt abstürzen.

            Vielleicht habe ich es als überheblich empfunden, weil ICH mir vorkam wie an den Pranger gestellt. Ich, die ich als Jugendliche Alkohol trinke, auch mal mehr als vier/fünf Bier im Laufe eines Abends, die aber meine Grenzen kennt und es gelegentlich erfrischend findet, wenn ich mir mal keine Gedanken darum mache, was ich sage, um wie zu wirken, sondern einfach einmal die geschrumpften Hemmungen dazu nutze, zu sagen, was ich denn auch meine, ich fühlte mich an den Pranger gestellt.
            Nur, dass du mich vermutlich nicht meintest. Und auch meinen Freundeskreis nicht. Du meintest die Extremfälle. Und weil ich die nicht als Regelfall erlebe, empfand ich den Text als … in Ansätzen übertrieben. Und fühlte mich in einer Verallgemeinerung als Opfer eines großen Propagandatricks und Gruppenzwangsphänomen kategorisiert.

            Ich glaube, das hat mich am meisten gestört.
            Bleiben wir also dabei: Du machst dir Sorgen und du willst klare Position beziehen. Und ich erlebe meine Erfahrungen mit Alkohol. Wer weiß … in 35 Jahren bin ich ja vielleicht auch an einem ähnlichen Punkt wie du.

            Liebe Grüße

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            • Ach Du … – Ich wollte und will wahrlich niemanden an den Pranger stellen, Dich am allerwenigsten.

              Pranger, das wäre ja in der Tat Folge einer Verurteilung.

              Was ich mit meinem Eintrag wollte, war zuerst einmal meine eigene Position zu dem Thema fundieren und über den Weg, mir mein eigenes Verhalten dazu zu vergegenwärtigen dann für mich einzugrenzen, wie ich mit meinen Sorgen, meinen Befürchtungen, meiner Unsicherheit und meiner Angst dieses Thema und seine zum Teil schlimmen Folgen betreffend, umgehen möchte bzw. muss.

              Ich habe herausgefunden, dass ich warnen und mahnen will, eindringlich und, ja, womöglich mit weniger Tolerenz als ich das anlässlich anderer Themen vermag.

              Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Mehr wäre anmaßend und könnte verletzen. Genau das möchte ich nicht. Das wäre, gerade bei so einem heiklen Thema, wie diesem hier, gänzlich kontraproduktiv.

              Deine Entschuldigung ist (natürlich) angenommen – ich war nach Deinem zweiten Kommentar freilich schon erst einmal ganz schön irritiert, und bin nun doch ziemlich froh, dass ich das nun nicht mehr zu sein brauche.

              Danke Dir! Auch liebe Grüße an Dich, und schlaf schön!

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  3. Ein sehr aktuelles Thema, was du da meiner Meinung nach aufgegriffen hast. Auch ich habe schon oft schlechte Erfahrungen machen müssen, was Alkohol oder andere Drogen in meinem Freundeskreis angerichtet haben. Allerdings hat mich das auch ein Stück weit dazu gebracht, daraus zu lernen. Nämlich in soweit, mich selber einschätzen zu können, zu wissen, was passieren kann, wenn man es übertreibt und dadurch sagen zu können, dass ich an diesen Punkt nie angelangen will.

    Alkohol ist gerade in der Jungend weit verbreitet und wohl hauptsächlich, weil es dem Massenzwang entspricht: „Wer nicht mittrinkt, ist uncool. Gehört nicht dazu. Wird ausgegrenzt“. Es ist schon Fremdschämen wenn man abends in der Bahn sitzt und ein 14jähriges Mädchen sturzbetrunken von ihren Freundinnen durch den halben Zug getragen werden muss, weil sie selbst nicht mehr stehen kann. Gerade diese jungen Leute übertreiben es gewaltig. (Ja, dazu zähle ich auch die Studenten, denn davon haben sich die meisten auch nicht im Griff.)

    Ich kann nicht sagen, dass ich das generell verleugne. Teilweise trinke ich selbst gerne mit und ab und zu führe ich mit Betrunkenen Menschen tiefphilosophische Gespräche. Andererseits erlebe ich halt auch oft auf Partys das krasse Gegenteil. Da sitzt jemand auf der Erde und kann die Augen nicht aufhalten – Trinken bis zur Besinnungslosigkeit. Und keiner holt einen Sanitäter, weil sie selbst die Gefahr nicht wahrnehmen können.
    Freunde werden zu Fremden, weil sie sich plötzlich ganz anders verhalten. Alles schon erlebt.

    Demnach sollte jeder darauf achten, wie er zu diesem Thema steht. Und wenn er sich selbst nicht einschätzen kann, es am besten ganz lassen. Mit Alkohol und jeglichen anderen Drogen. Nicht nur der Persönlichkeitsverlust ist tragisch, auch die Suchtgefahr ist viel zu hoch. Und wird leider genauso unterschätzt.

    Sehr löblich, dass du so einen langen, kritischen Text darüber geschrieben hast. Und gut, dass es Menschen gibt, die wissen wo ihre Grenzen sind und diese dann auch zu schätzen wissen. 🙂

    Die besten Grüße und einen schönen Abend!

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    • *Es ist schon Fremdschämen wenn man abends in der Bahn sitzt und ein 14jähriges Mädchen sturzbetrunken von ihren Freundinnen durch den halben Zug getragen werden muss, weil sie selbst nicht mehr stehen kann. Gerade diese jungen Leute übertreiben es gewaltig. (Ja, dazu zähle ich auch die Studenten, denn davon haben sich die meisten auch nicht im Griff.)*

      Exakt solche „Erlebnisse“ hatte ich auch schon, und habe sie immer wieder.

      Und ich habe mich sehr gefreut, und es hat mir gut getan, wie Du meine Sicht und Haltung in Deinem letzten Absatz eingeschätzt hast.

      Einen Aspekt Deines Kommentars gebe ich allerdings noch einmal „zum Bedenken“ zurück:

      `*Teilweise trinke ich selbst gerne mit und ab und zu führe ich mit Betrunkenen Menschen tiefphilosophische Gespräche.*

      Das habe ich schon oft gehört. Mit Verlaub, aber dem vertraue ich nicht. Wie ECHT, wie WIRKLICH tiefphilosophisch kann ein Gespräch mit einem wirklich Betrunkenen oder gar unter mehreren Betrunkenen sein?

      Es wird auch oft gesagt, Betrunkene würden „die Wahrheit“ sagen. Ja? Wie seriös wäre es, wenn ich dann mit DIESER Wahrheit als solcher umginge (an die sich der Betroffene möglicherweise am nächsten Tag gar nicht mehr erinnert oder erinnern will)?

      Nein, da ist sie schon wieder, meine Verunsicherung: ich kann, ich mag mich auf so etwas nicht einlassen …

      Vielen lieben Dank für Deinen Kommentar und die schönsten Grüße zurück an Dich!

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      • Ich glaube deine Bedenken hier auf jeden Fall verstehen zu können. Auch muss ich sagen, dass du überwiegend wohl absolut recht damit hast. Dem kann man nicht vertrauen und wirklich philosophisches bekommt man von einem sturzbetrunkenen Menschen sowieso nicht zu hören.
        Da habe ich mich wohl etwas zu schnell formuliert und im Endeffekt kam nicht das dabei heraus, was ich damit sagen wollte.
        Ich kenne ein oder zwei Menschen, mit denen ich im ANGETRUNKENEN Zustand zu späterer Stunde Gespräche führen kann, die ich mit sonst niemanden führen könnte. Einfach, weil sie in diesem von Alkohol angeheiterten Zustand offener und nachdenklicher werden. Allerdings will ich das damit auch nicht für gut befinden, ich denke sie könnten das genauso gut auch nüchtern. Aber dann ist es mir schon sehr auffällig.

        Das Betrunkene immer die Wahrheit sagen, möchte ich nicht unterschreiben. Selbst wenn sie das tun würden – niemand würde es ihnen als die Wahrheit abkaufen. Wahrscheinlich nicht einmal sie selbst.

        Liebste Grüße!

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        • Ja, jetzt habe ich Dich besser verstanden. Du hast jetzt aber auch mehr und deutlicher differenziert. 😉

          Es stimmt schon, dass selbst ein zwei Bier bei einem schwierigeren Problem, die Zunge ein wenig eher zu lösen vermögen, als wenn man die Bierchen nicht getrunken hätte. Wenn man das nicht zur Gewohnheit macht, um REDEN zu können, ist das, denke ich, auch nicht schlimm. Im Übrigen spielen zumeist ja auch andere Faktoren mit, die einen umgebende Atmosphäre zum Beispiel, ist in einem gemütlichen Restaurant eine andere als auf dem Flur der Firma.

          Ich finde, neben dem Gesagten nur, dass es wichtig ist, dass man selbst immer (noch) genau weiß, was man sagt, und der Gegenüber sich dessen auch sicher sein kann. Dann können Gespräche bei einem Bierchen oder einem Wein wirklich richtig gute Gespräche sein.

          Im Zweifel auch tiefphilosophisch … 😉

          Liebste² Grüße!! 😉

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  4. Alles, was die Persönlichkeit beeinträchtigt, ist mit Vorsicht zu genießen. Alkohol mag für manche als Genussmittel gelten, ist es aber in Wirklichkeit ebensowenig wie alles, was einen wohlüberlegten, dosierten Gebrauch erfordert und bei regelmäßiger Überschreitung der Dosis in Sucht umschlagen kann.

    Viele neigen dazu, andere angeblich weit schlimmere Suchtmittel aufzuzählen, um ihren regelmäßigen Alkoholkonsum als harmlos zu rechtfertigen. Es ist eines so schlimm wie das andere, sobald man absichtlich in Kauf nimmt, sein Bewusstsein zu trüben oder die eigene Stimmung zu manipulieren.

    Über die Folgen muss ich mich hier nicht auslassen, die sind allgemein bekannt. Es braucht schon eine charakterlich einwandfreie Persönlichkeit, um Genussmittel so einzusetzen, dass sie ausschließlich zum Genuss führen. Und davon sind leider viele Menschen weit, sehr sehr weit entfernt …

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    • Du sprichst mir ganz und gar aus der Seele.

      Und ja, es ist oder wird nicht erst prekär, wenn umfassender Persönlichkeitsverlust zu beklagen ist, sondern wenn Stimmungsmanipulation beabsichtigt bzw. vollzogen wird. Der Grat zwischen beidem ist viel schmaler als die meisten Menschen wahrhaben wollen.

      Ich nehme Menschen viel lieber wie sie sind, nüchtern sind, auch, wenn sie dann weniger „selbstbewusst“ daher kommen, weniger in der Lage sind zu lächeln. Ich möchte so auf sie eingehen, so mit ihnen reden, ihnen so helfen können, wie sie sind, nicht, wie sie durch Alkohol „gemacht“ wurden.

      Bezogen auf Alkohol gibt es so viele Irrtümer. Niemand wird unter Einfluss von Alkohol selbstbewusster, das scheint nur so – es ist viel mehr ein Indiz dafür, dass die eigene Unkontrolliertheit beginnt, die schneller als viele glauben, auch in gefährliche Selbstüberschätzung münden kann.

      Dafür gibt es hunderttausende Beispiele – etwa wenn Menschen, die „doch gar nicht wirklich betrunken sind“ Auto fahren …

      Vielen Dank für deinen Kommentar, Jessie – liebe Grüße an Dich!

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  5. Ihr geht mächtig ins Gericht mit dem Alkohol. Ich möchte den nicht beschönigen aber mir hat er schon einige Male geholfen. Manche verteufeln den A. so sehr, dass mir es wie eine Hexenverfolgung erscheint. Beispiel:

    Meine Mutter hatte mal ein Fahrradunfall. Sie ist abends gegen ein Verkehrsschild gefahren. Es war dunkel und an diesem Tag, wurde an der Stelle ein Vorfahrt-Beachten Verkehrsschild aufgebaut. Meine Mutter wusste nichts von diesem neuen Schild. Hatte kein Licht an und auch sonst war es total dunkel. Sie dachte ja, sie kennt den Weg. Sie kannte aber das neue Schild nicht und krachte voll dagegen. Sie brach sich die Schulter. Und den Arm. Der Arzt im Krankenhaus empfing mich mit den Worten: „Ihre Mutter war betrunken.“

    Das fand ich unmöglich. Sie hatte bei einer Freundin ein/zwei Gläser Sekt getrunken. Sie war nicht betrunken. Und dann diese Vorwürfe. Sie hatte kein Licht an. Das tut man nicht..usw. Also: selber dran schuld!

    Dem Arzt tat meine Mutter nicht leid. Mir aber schon. Ich bzw. wer geht denn mit seiner Mutter wegen ein/zwei Gläser Sekt ins Gericht, frage ich euch?

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    • Es ging mir und, ich glaube auch für diejenigen, die hier kommentiert haben zu sprechen, niemandem darum, Alkohol zu verteufeln. –

      Aber um verantwortungsvollen Umgang damit geht es mir schon. Dass man von ein oder zwei Gläsern Sekt grundsätzlich nicht sturzbetrunken ist, ist sehr stark anzunehmen. Aber auch je nachdem wie zügig man sie getrunken hat, ist etwa das Reaktionsvermögen in jedem Fall schon eingeschränkt. –

      Das ist wohl auch der (wissenschaftliche belegte) Grund dafür, das bei Verkehrsunfällen, generell demjenigen Schuld zugerechnet wird, der Alkohol getrunken hat, und zwar erstmal ganz egal wie viel oder wie wenig.

      Über das, was Deiner Mutter passiert ist, habe ich weder zu richten oder zu lächeln oder so etwas. Das habe ich in ähnlichen Fällen, die mir unmittelbarer bekannt geworden sind, auch nie getan. Dass sie ohne Licht gefahren ist, ist freilich so eine Sache – das tun etliche ja (leider) auch, ohne etwas Alkoholisches getrunken zu haben.

      Allerdings würde ich, würde etwa mein Sohn von jemandem angefahren (auch einem Radfahrer), verletzt oder gar Schlimmeres, der auch nur ein oder zwei Gläser Sekt getrunken hätte, dann würde ich das nicht verzeihen können. Ich hätte dann auch keine Nerven und keine Lust, darüber zu sinnieren, ob das ohne den Sekt auch passiert wäre.

      Da wären wir wieder beim Thema: Wann beginnt verantwortungsvoller Umgang mit Alkohol, wann MUSS er beginnen …

      Ich hoffe, und das hoffe ich von Herzen und ganz und gar ohne Häme, dass Deine Mutter durch ihren Unfall keine Spätfolgen zu beklagen hatte und alles wieder gut verheilt ist.

      Die Frage, ob bzw. wann Alkohol „helfen“ kann, ist noch mal eine Spezielle. Insbesondere, wenn es um seelische Probleme geht, KANN Alkohol meines Erachtens nach nicht HELFEN.

      Schöne Grüße an Dich, und Dankeschön für den (ja durchaus etwas kontroversen) Kommentar!

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  6. Ich finde deine Sicht zum Thema Alkohol sehr verständlich. Auch ich sehe im Alkohol weder Trost noch sonstiges, in das ich mich flüchten will. Aber du und ich sind so anders, lieber sternfluesterer. Und ich glaube, dass vielen gar nicht bewusst ist, wie schnell sie in diese „Alkohol-Schiene“ rutschen können. Schlißlich darf man hier in Deutschland schon in jungen Jahren Alkohol kaufen. Und die Eltern leben es einem vor. Man sieht den Alkohol in Filmen und Serien fließen. Er ist so sozialisert, so anerkannt. Ich verstehe also, wenn Menschen Alkohol als Lösung sehen – weil sie es so gelernt haben. Heiße ich das gut? Nein! Defintiiv nicht. Aber ich alleine kann das leider nicht ändern, weil der Alkohol eben überall ist. Ich habe mich damit abgefunden, dass ich da anders ticke. Und seit ich aus der Schule raus bin, und der Gruppenzwang nicht mehr da ist, stört es mich auch nicht, dass ich nicht trinke. Ich mag die Nüchternheit so gerne und ich fürchte mich davor, die Kontrolle zu verleieren.

    Ganz liebe Grüße! ❤

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