Glück

Wahrscheinlich gehört das Thema „Glück“ zu jenen, über die in der Geschichte der Menschheit bereits mit am meisten nachgedacht, geschrieben, gestritten worden ist. –

Ungeachtet dessen bewegt mich die Frage nach dem Glück fortgesetzt selbst immer wieder und auf ganz eigene Weise. Und ich habe nun beschlossen, meinen gegenwärtigen „Gedankenstand“ zum Thema „Glück“ einmal zusammen zu fassen.

Ich habe kürzlich in einer Antwort auf eine entsprechende Frage einer Freundin die Frage nach dem, was Glück für mich ist, in nachfolgendem Sinne geschrieben:

Als Glück bezeichne ich für mich, wenn drei Dinge vorhanden bzw. gewährleistet sind:

1. unsere Welt, wie sie uns als Natur mit ihren vielfältigen Erscheinungsformen und Ressourcen gegeben ist, die Schöpfung als solche einschließlich ihrer verantwortungsvollen Nutzung durch uns Menschen im Sinne ihrer Bewahrung.

2. Mitmenschlichkeit im ureigensten Sinne, ein vom Verständnis und der Akzeptanz, dass kein Mensch mehr oder weniger wert ist als ein anderer, geprägter, respekt- und friedvoller Umgang der Menschen mit- und untereinander.

3. Unbeschränkter Zugang zu Bildung für alle Menschen

Wüsste ich diese drei Momente gewahrt, wäre ich vollkommen glücklich.

Und ich bin überzeugt davon, dass es nur genau diese drei Momente braucht, NICHTS MEHR, für glückliches Leben. Denn bei Beachtung, Gewährleistung „nur“ dieser drei Momente würde die Existenz unserer Welt als solcher nie (durch Menschenhandeln) in Frage gestellt sein.

Dennoch wäre durch den Bildungsfortschritt fortschreitende Entwicklung gewährleistet. Freilich nicht im Sinne des in unserer Realität allgegenwärtigen Strebens nach „ungebremsten“ Wachstum und Konsum. Denn dieses Streben widerspricht dem Grundsatz der Bewahrung der Schöpfung UND dem der Mitmenschlichkeit.

Die Gefahr von überbordendem Egoismus, von Gier, von Hunger und Kriegen gar, bestünde nicht, denn Mitmenschlichkeit im ureigensten Sinne, lässt keinen Raum für so etwas.

Ich gebe zu, dass ich von so einer Welt immer noch träume, sie mir wünsche, für eine solche Welt lebe.

Ich/Es „bräuchte“ keine zusätzlichen Glücksmomente, wie sie viele Menschen sich heute immer wieder wünschen oder erträumen, etwa in Gestalt eines Lottogewinns. –

Dennoch gäbe es ja ungeachtet des an sich schon „vollkommenen Glücks“ immer noch die Möglichkeit besonderen, momentanen oder sozusagen „zusätzlichen“ Glückserlebens, etwa, wenn im Verhältnis zu einigen Menschen besondere, wahrhaft freundschaftliche oder gar liebende Beziehungen entstehen und fortwähren. Oder ich in meiner Arbeit Erfolge erziele, für die es, das Bestehen der drei grundlegenden, eigentlichen Momente meines Glücks vorausgesetzt, viel größere Chancen gäbe, als in der bestehenden, mich umgebenden Realität.

Die einzigen Kontramomente des von mir bestimmten vollkommenen Glücks wären Krankheit und (natürlicher) Tod. Zwar wären diese Momente durch Mitmenschlichkeit und fortschreitendes Wissen (durch Bildung) milderbar, aber eben nicht auszuschließen. Sie gehören zum Leben, das eben nicht NUR aus Glück besteht, so „vollkommen glücklich“ es GRUNDSÄTZLICH auch wäre.

Auch an sich oder grundsätzlich vollkommen glückliches Leben, wäre kein endloses Leben. Und es wäre eben auch durch Strecken der Mühe, der Entbehrung, des Schmerzes, des Kampfes geprägt und gekennzeichnet. Das Leben würde VIELFÄLTIG bleiben, es würde kein „Paradies“, nur weil es meinen drei Grundätzen vollkommenen Glücks entsprechend gelebt würde. Denn es würde immer noch ein MENSCHLICHES Leben sein und bleiben. Und wir Menschen sind nicht vollkommen, und wir werden es nie sein.

Aber wir könnten es uns leichter machen miteinander, und wir könnten zufriedener sein. Und es könnte viel, viel weniger Leid geben, wenn die genannten drei Grundsätze wirklich umfassend von uns bedacht, akzeptiert und gelebt würden.

Wir würden womöglich, ja sicher (unserer eigenen, bleibenden Unvollkommenheit geschuldet), vollkommenes Glück nie erreichen, aber wir würden ihm näher und näher kommen, es Schritt für Schritt grundsätzlicher machen, und wir würden dieses näher Kommen und grundsätzlicher Werden unseres Glückes spüren können.

Und das würde uns glücklicher machen.

Wie schon gesagt, ich träume von so einer Welt mit solchen Menschen, die die Gewähr, mindestens jedoch eine größer werdende Chance bieten, grundsätzlich glücklicher zu werden.

Angesichts der realen Entwicklungen, die fortschreiten und nach meinem Empfinden sehr häufig und umfassend genau in die gegensätzliche Richtung, die Bewahrung der Schöpfung wider besseren Wissens weiter missachtend (wenn ich exemplarisch nur an die „Ergebnisse“ der letzten Klimagipfel denke), Mitmenschlichkeit bewusst negierend und den Ausschluss von gleichberechtigter, umfassender Bildung, ja sogar Bildung überhaupt für Millionen von Menschen nach wie vor hinnehmend, verlaufen, bin ich allerdings beständig sehr unglücklich.

Ich werde aber nicht akzeptieren, dass meine Auffassung, meine Vorstellung von einer glücklicheren Welt, so wie ich sie mir wünsche, so wie ich sie in den genannten drei Momenten sehe, nur als Utopie als „esoterische“ Vision in meiner Seele gefangen bleibt oder von anderen entsprechend gesehen oder gar belächelt wird. –

Dafür erscheint mir meine Auffassung viel zu plausibel, zu einfach, zu logisch und folgerichtig! Sie ist MACHBAR, realisierbar, sie MUSS realisierbar sein, weil sonst nicht nur das Glück, sondern die Existenz der Menschheit durch menschliches Handeln, durch das Versagen der Menschheit in Frage steht.

Deshalb werde ich meine Vorstellung von Glück immer wieder und immer weitersagen und bemüht sein, selbst, so gut ich es vermag, ihr entsprechend zu leben.

Mit letzterem habe ich längst begonnen – ersteres betreffend habe ich hier und heute einen neuen Anfang gemacht.

2 Gedanken zu “Glück

  1. Lieber schweitzer,

    deine Auslegung von Glück ist unglaublich sozial und gesellschaftsorientiert. Dir scheint wirklich daran gelegen zu sein, dass es allen Menschen gleichermaßen gut geht.
    Du sprichst Glück in Form von Maximen für alle an, ein Kant ist wahrlich an dir verloren gegangen!
    Aber genau diese utopische und positive Einstellung, dass wir Menschen an einem Strang ziehen, um glücklich zu werden und das wir als Gemeinschaft Stärke erfahren ist zwar folgerichtig und logisch, würden wir noch echtem Evolutionsdruck ausgesetzt sein in dieser Hinsicht, würde der Mensch sich auch dahin entwickeln.
    Doch genau da ist diese Gefahr, denn der Mensch hat keine Feinde mehr, die er bekämpfen muss, wofür er sich entwickeln muss, er kämpft für sich und das gegen sich selbst.

    Es muss nur ein Mensch sich gegen die Verantwortung und den Frieden entscheiden und es bricht alles zusammen, weil er sich somit unglaublich viele Vorteile ergaunert, auf dem Rücken der anderen. Niemand würde da tatenlos zusehen können.
    ZACK! → Wir sind wieder in unserem unglückseligen Teufelskreis, in dem man sich nicht an deine Maximen hält, in dem man sein Mitmenschen nicht unterstützt und in der die Meisten nicht glücklich sind.

    Ich wünschte die Welt deines Glückes wäre real, das wäre wunderschön.

    Mfg,
    Alcani

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    • Was für ein Kommentar!

      Dein letzter Satz, mit dem Du Dein Empfinden zu meinem Glücksverständnis ausgedrückt hast, hat mich sehr gefreut und sehr berührt.

      Allein mich mit einem Philosophen wie Kant zu vergleichen, das ist etwas zum Genießen, aber ich glaube wahrlich, das ist zu gut gemeint, denn ich schreibe doch nur meine ungeordneten, aus mir haraus purzelnden Gedanken nieder.

      Du hast es wohl auf den Punkt gebracht: Der mensch ist keinem Evolutionsdruck mehr ausgesetzt und hat damit nun alle „Freiheit“ Feind seiner selbst zu sein, jeder für sich und das eigene Fortkommen, den eigenen Vorteil „kämpfend“. Kampf um ein Überleben, um das es so gar nicht mehr geht, sondern um einen viel größeren Zusammenhang, der verdrängt wird.

      Ich komme mir mit meinen Maximen da auch serh wie in einem unglückseligen Teufelskreis vor, das hast Du ganz treffend beschrieben, Alcani. Oft glaube ich zu spüren, darin nicht (mehr) bestehen zu können.

      Wenn da nicht ab und an Begegnungen mit Menschen wären, von denen ich bemerke, wie sehr sie WIRKLICH VERSTEHEN und bemüht sind, allen Widrigkeiten zum Trotz diesem Verständnis folgend zu leben. Mit solchen Menschen etwas teilen zu können, das ist ein Stück jenes Glücks, dem ich so gern näher kommen möchte.

      Du gehörst zu dieser Art Mensch, Du hilfst mir dabei – Dein Kommentar hier, Deine Einträge und Kommentare in Deinem Blog, sind unzweifelhafte Indizien dafür.

      Dankeschön, Alcani!

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